Ein heller Glockenton schallt am Dienstagnachmittag über das Areal am Lichterfelder Schloss. Über Jahrhunderte war dies das Zeichen für die bis zu 150 Menschen, die auf dem Gut arbeiteten, zusammenzukommen. Auch Kinder seien darunter gewesen. Zum einen wurde damit der morgendliche Arbeitsbeginn auf dem Gut eingeläutet, zum anderem war die Glocke das Signal bei Gefahren oder Versammlungen. Bei Bränden, Stürmen, Überfällen und der Bekanntgabe von Erlassen und Gesetzen wurde sie geläutet.

Seit 1945 verschwunden

Am Dienstag sind es nicht die Gutsarbeiter, die an der Glocke stehen, sondern Sponsoren und Menschen aus dem Ort. Schorfheides Bürgermeister Wilhelm Westerkamp ist der erste, der am Seil ziehen darf und den Korpus zum klingen bringt. Seit 1945, nachdem die Glocke als verschwunden galt, war der Ton nicht mehr zu hören. Dabei war das Geläut eigentlich nie weit weg.
Dietrich Bester, einst hauptamtlicher, später ehrenamtlicher Bürgermeister und dann Ortsvorsteher von Lichterfelde weiß mehr dazu. Er hat die feierliche Glockeneinweihung initiiert. „Die Vorbereitung hat etwa zwei Jahre gedauert. Verfolgt hat mich das alles schon seit 30 Jahren“, erklärt er am Dienstag. Entdeckt hatte Bester die Glocke damals zwischen Krempel auf dem Dachboden des alten Gemeindebüros, das sich Anfang der 90er-Jahre, als Lichterfelde noch eigenständig war, über der Gaststätte „Omas Speisekammer“ befand.

Sanierung des Areals abgerundet

Sein Vater hatte ihn darauf gebracht, dass es sich um die alte Gutsglocke handelt. Seitdem bestand die Idee, diese wieder am alten Ort zum Einsatz zu bringen. Doch blieb die Glocke in den Folgejahren zunächst unangetastet und stand in Besters Gemeindebüro. Später übergab er sie dem Seniorenclub. Doch als der frühere Ortsvorsteher auch dort nicht mehr aktiv war, nahm er sie mit und das gute Stück landete im Büro seines Freundes Siegfried Pawlick, Chef der ortsansässigen Trockenbaufirma. Mit der Sanierung von Schlosspark und Straßen bekam die Installation der Glocke wieder eine neue Dringlichkeit. Sie sollte das Ensemble abrunden.

Zum Schweißen nach Bayern

Unternehmer und Familien aus dem Ort hätten dazu beigetragen, dies letztlich in die Tat umzusetzen. Die nötigen Sponsoren zu finden sei laut Dietrich Bester unkomplizierter den je gewesen. 5500 Euro mussten für die Rückkehr aufgewandt werden. Noch einmal begab sich die Glocke auf Reisen. Diesmal nicht nur innerhalb des Ortes. Für die notwendigen Schweißarbeiten am bronzenen Stück ging die Glocke nach Bayern, dann zurück zu einem Glockenbauer nach Berlin. Das wie früher überdachte Gestell des Geläuts fußt auf einem vier Meter hohen  Eichenstamm, der aus dem Wald von Dietrich Bester geholt, geschält und bearbeitet wurde.

Hochzeitsglocke fürs Schloss

Zu welchen Anlässen die Glocke künftig erklingt, muss noch geklärt werden. Bei ihrer Einweihung kam nun spontan die Idee, dass Hochzeitspaare, die sich im Trauzimmer des Schlosses das Jawort geben, das junge Glück am nun wieder intakten historischen Objekt einläuten.
Bürgermeister Wilhelm Westerkamp dankte zur Einweihung den Spendern und Initiatoren des Projekts. Die Sponsoren sind auch auf einer Infotafel am Eichenstamm neben einem historischen Foto der Glocke erwähnt. Wie viele Jahre die Glocke insgesamt auf dem Buckel hat, ist nicht klar.