Einzelhandel: Aldi kommt, Real wankt

Jede Menge Freiraum im Fachmarktzentrum: Das Luftbild zeigt von links Obi, Roller und Real. Dazwischen sind viele Quadratmeter unbebaut. Die Aufnahme stammt von 2015, zeigt aber die nach wie vor aktuelle Situation.
MOZ/Thomas BurckhardtAldi kommt nach Finowfurt. Der Discounter hat kürzlich die Baugenehmigung für den Bau eines neuen Marktes im Fachmarktzentrum Finowfurt bei der zuständigen Baubehörde eingereicht, wie Schorfheides Bürgermeister Uwe Schoknecht bestätigt. Als Bürgermeister steht er in engem Kontakt mit den Investoren des Fachmarktzentrums.
Bereits seit mehr als acht Jahren versucht die Gemeinde Schorfheide, das Fachmarktzentrum mit ursprünglich sechs neuen Märkten abzurunden. 2016 wurden Pläne bekannt, dass der Essener Discounter Aldi dort bauen will. Die Finowfurter Pläne stießen allerdings auf den erbitterten Widerstand der Nachbarkommune Eberswalde. Zeitweise drohte die Stadt mit Klage, sollte eine Baugenehmigung erteilt werden. 2018 startete Schorfheider Bürgermeister Uwe Schoknecht daher informelle Gespräche mit der Eberswalder Rathausspitze. Diese mündeten schließlich im November 2018 in einem Kompromiss.
Zwei Märkte sind erlaubt
In einer Kooperationsvereinbarung wurden die Details festgezurrt: Demnach darf Finowfurt das Fachmarktzentrum entwickeln lassen, muss sich aber an strenge Vorgaben halten. Zwei Märkte statt ursprünglich sechs dürfen zusätzlich gebaut werden. Händler mit zentrumsrelevanten Sortimenten sind nicht zulässig, ein Lebensmittelhändler mit einer Verkaufsfläche von 800 Quadratmetern ist dagegen statthaft. Grünes Licht also für Aldi Nord. Erst Ende Juli hatte der Essener Discounter, der deutschlandweit 2200 Filialen betreibt, seinen Standort in Joachimsthal geschlossen. Hier waren die Umsätze nicht zufriedenstellend. Derzeit optimiert der Discounter sein Filialnetz und will nur auf lukrative Standorte setzen. Während Joachimsthal nämlich nur ein Einzugsgebiet von rund 5000 Einwohnern hat, kann Finowfurt mit deutlich mehr potenziellen Kunden punkten. Die Gemeinde Schorfheide hat über 10.000 Einwohner und auch aus Finow dürften Kunden den Weg nach Finowfurt finden. Wann Baustart des Aldi-Marktes ist, hängt nun vom Kreis ab, der die Genehmigung erteilen muss.
Derweil ist die Zukunft des Lebensmittelhändlers Real, der ebenfalls im Fachmarktzentrum einen 4470 Quadratmeter großen Markt betreibt, weiter offen. Der Metro-Konzern hatte angekündigt, seine deutschlandweit 280 Märkte zu verkaufen und führt derzeit exklusive Verkaufsgespräche mit dem Immobilienentwickler Redos. Der Edeka-Konzern, der auch mit Redos verhandelt, hat signalisiert, davon weniger als 100 Märkte zu übernehmen. Ob darunter auch der Finowfurter Real ist, ist fraglich.
Auch der SB-Warenhaus-Betreiber Kaufland hat Interesse an rund 100 Märkten der Real-Gruppe. Metro hat allerdings bisher auf Verhandlungen mit dem Bieterkonsortium X+bricks verzichtet. Sowohl Kaufland als auch Edeka dürften jeweils die besten Real-Standorte in den Ballungsräumen mit hoher Kaufkraft im Blick haben. Die Zukunft der übrigen Standorte ist offen. Wie gut die Umsätze in Finowfurt sind und ob der Markt auf der Wunschliste steht, ist ungewiss. Hört man sich in Finowfurt um, so ist die Stimmung dort von großer Unsicherheit geprägt. Fast täglich warten die Mitarbeiter auf Hiobsbotschaften aus Düsseldorf.