Einzelhandel in Nöten: Frischemarkt soll Finow beleben

Finow von oben: Der Stadtteil, dessen 90-jähriges Bestehen 2018 gefeiert wurde, soll einen Frischemarkt bekommen, der regelmäßig auf dem Festplatz am Schwanenteich stattfindet. Das Areal ist im Bildvordergrund zu sehen und liegt zentral.
Thomas BurckhardtDem wachsenden Leerstand entlang der Ortsdurchfahrt setzt der Stadtteilverein Finow ehrenamtliches Engagement entgegen. Kreative Zwischennutzungen vorübergehend freier Läden und ein regelmäßig angebotener Frischemarkt sollen das Umfeld attraktiver machen.
Aus dem Eberswalder Zentrum zieht sich die Modehändlerin Monique Schostan zurück, in bester Finower Geschäftslage hat zuletzt zum Jahresbeginn Buchhändlerin Brigitte Puppe–Mahler ihre Filiale aufgegeben. Beide Unternehmerinnen haben vor allem wegen der Konkurrenz aus dem Internet für sich auf Dauer keine wirtschaftlichen Perspektiven mehr gesehen. In Finow waren überdies vor Kurzem die Räumlichkeiten der ehemaligen Baquetteschmiede freigezogen worden. Am ehemaligen Standort des Eberswalder Ersatzteile–Centers, der ein Jahr leer gestanden hatte, führt Josefine Gerber seit Anfang 2019 erfolgreich eine Ergotherapie. Das Ladengeschäft an der Eberswalder Straße 121 hatte zwischendurch als „Galerie auf Zeit“ von sich reden gemacht. Mitinhaber der Immobilie ist Viktor Jede, der mit seinem Ersatzteile–Center in die Altenhofer Straße 80 gezogen war, dem knapp 50 Mitglieder zählenden, 2015 gegründeten Stadtteilverein Finow vorsteht und sich seit 2014 in der Kommunalpolitik engagiert.
„Die sechs bis sieben unterschiedlichen Ausstellungen in der Galerie auf Zeit waren unser erster Versuch, Leerstand kreativ zu überbrücken und Finow zu beleben“, sagt Viktor Jede. Vergleichbares könnte er sich auch für die weiteren Baustellen im Stadtteil vorstellen. Bei der Gewerbefläche, in der die Baquetteschmiede aktiv war, hat der Geschäftsmann den Kontakt zwischen einem interessierten Fotografen und dem Vermieter vermittelt. Und bei einer anderen derzeit ungenutzten Immobilie hat er als ehrenamtlicher Strippenzieher dafür gesorgt, dass der Vermieter und Akteure des Kanaltheaters ins Gespräch kommen. „Eigentlich wären solche Vermittlungsdienste die Aufgabe eines von der Stadt bezahlten Citymanagers“, findet Viktor Jede, der dabei nicht nur Finow, sondern ganz Eberswalde meint. Aus seinen eigenen Erfahrungen als Vermieter rät er Besitzer von Immobilien, Existenzgründern mit der Höhe der Miete entgegenzukommen.
Doch nicht allein als Unternehmer macht sich Viktor Jede Gedanken darüber, wie es gelingen könnte, Finows Geschäftswelt zu stärken. „Unser Stadtteilverein arbeitet daran, auf dem Festplatz am Schwanenteich einen Frischemarkt zu installieren, der ab April/Mai anfangs monatlich abgehalten wird“, verrät der Vorsitzende, der für 2019 mit bis zu sieben solcher Märkte rechnet, deren Organisation um die 3000 Euro kosten würde. Mit dem Konzept dafür bewerben sich die Finower um einen der mit 6000 bis 18 000 Euro dotierten Preise im Wettbewerb „StadtLEBEN“, den die Industrie– und Handelskammer Ostbrandenburg in ihrer City–Offensive 2019 ausgelobt hat.
Sollte die Idee vom Frischemarkt die Jury überzeugen, könnte sich der Stadtteilverein nach Angaben seines Vorsitzenden vorstellen, den Markthändlern maximal die Kosten für Strom und WC abzuknöpfen. Es bleibe für einen ehrenamtlich agierenden Verein auf jeden Fall ein Kraftakt, ein solches Projekt zu stemmen.
Weil es am Ende an interessierten Händlern fehlte, ist in Finow einst der ebenfalls von Viktor Jede angestrebte Versuch gescheitert, in der damals gerade aufgegebenen Schlecker–Filiale an der Altenhofer Straße 80 eine Markthalle einzurichten. Heute befindet sich das Ersatzteile–Center dort. Und der Finower ist überzeugt, dass die Zeit für einen Neustart reif ist. Der Frischemarkt werde kommen.
