Die Tatsache, dass rechts neben dem Haupteingang des Einkaufszentrums Heidewald noch ein großes Schleckerschild im Fenster hängt, macht deutlich, wie lange die Räumlichkeiten dahinter bereits leerstehen. Vor sieben Jahren löste sich die Drogeriemarktkette auf. Sieben Jahre fühlte sich auch niemand bemüßigt, Schlecker von der Werbetafel vor dem Eingang zu entfernen. Die linke Seite der Tafel ist bereits blank. Ein Bild, das sich im Gebäude fortsetzt. Der Aushang "Gewerberäume zu vermieten" dominiert die Scheiben. Trotzdem herrscht für einen Vormittag mitten in der Woche durchaus Leben im Center. Vor allem Gülüms Bistro ist frequentiert, ähnlich wie Kik und Netto. Der Einkaufsmarkt gilt als Ankermieter, ist als Nahversorger eine wichtige Adresse in der Plattenbausiedlung.
Doch es gibt Gerüchte, dass sich Netto aus dem Heidewald zurückziehen will. Die Pressestelle des Unternehmens kann diese Gerüchte weder entkräften noch bestätigen. Auf eine Anfrage vom Dienstag erreicht uns bis heute nur folgende Aussage: "Wie bereits befürchtet, können wir Ihnen aus Kapazitätsgründen sowie aufgrund von Kurzfristigkeit zum jetzigen Zeitpunkt leider keine näheren Informationen zur Verfügung stellen".
Ähnlich erfolglos bleibt unser Versuch mit den Verantwortlichen fürs Center ins Gespräch zu kommen. Es gehört zur Comer Group, ein 1984 in Irland gegründetes Immobilienunternehmen, das seit 2006 auch 21 Objekte in Deutschland verwaltet. Darunter das Einkaufszentrum "Kleiner Stern" und eben der "Heidewald". Mehrere Flächen werden über Immobilienportale zur Vermietung angeboten. Wie groß genau der Leerstand ist, will im Berliner Büro von Comer niemand sagen. Auch nicht wie viele Flächen das Einkaufszentrum insgesamt umfasst. "Betriebsinterna", heißt es. Danach gefragt, was die Vermietung so schwierig macht, wird auf den "sozialen Brennpunkt" Brandenburgisches Viertel verwiesen.
Versuche, andere Wege mit nicht allein kommerziellen Mietern zu gehen, hatte es in der Vergangenheit auch gegeben. Der mittlerweile in Eberswalde ansässige Europäische Regionale Förderverein hatte 2016 ein Sozialkaufhaus mit Möbeln und anderen Gebrauchtwaren im Heidewaldcenter eröffnet. Das allerdings ist bereits Ende vergangenen Jahres wieder ausgezogen. "Aus betriebswirtschaftlichen Gründen", sagt Danko Jur, Geschäftsführer des Vereins. Der CDU-Stadtverordnete weist darauf hin, dass es das Sozialkaufhaus im Leibnizviertel weiterhin gibt, die Fläche im Heidewald nur eine kleinere Filiale war.
Es muss verkauft werden
Trotzdem gibt es einen Interessenten für Flächen im Center: die Stadt Eberswalde. Vor Wochen hatte Bürgermeister Friedhelm Boginski im Rahmen eines Podiumsgesprächs darauf hingewiesen, dass die Stadt mehrmals versucht habe, im Heidewald Räume anzumieten, dort aber kein Weg hineinführte. Bei der Comer Group erinnert man sich lediglich an das Ansinnen eines Sozialcafés. Das sei laut Berliner Büro der Gruppe daran gescheitert, dass die Flächen als Verkaufsfläche genutzt werden müssen. Es gebe diesbezüglich eine vertragliche Bindung.
Sozialdezernent Jan König hatte, wie er auf Anfrage sagte, in den vergangenen Wochen und Monaten drei Mal versucht, Kontakt zum Vermieter aufzunehmen, um möglicherweise ins Geschäft zu kommen. Insbesondere im Zuge der Abwägung von Optionen für einen Hort im Viertel hatte er für die Havellandstraße 15 nach Ersatz gesucht. Selbst die Ankündigung, "in großem Umfang mieten zu wollen", führte jedoch nicht zum Erfolg. Es habe nicht mal einen Rückruf gegeben.

Kommentar: Eine Frage des Willens

Der Umgang mit dem Heidewaldcenter ist ein Trauerspiel. Es ist offensichtlich, dass der private Vermieter keine großen Anstrengungen unternimmt, etwas aus dem Haus zu machen und offenbar auch keine Lust hat, die zu vermietenden Flächen entsprechend offensiv zu bewerben. Wer auf der Internetseite comerhomes.de Eberswalder Flächen sucht, die das Unternehmen anbietet, wird auf die bekannten Immobilienportale verlinkt und muss sich auf diese Weise einen Überblick verschaffen. Der wachsende Leerstand im Center zeigt, dass das nicht reicht. Doch scheinbar sieht das Unternehmen, angeblich eine der größten und erfolgreichsten Immobiliengesellschaften des Vereinigten Königreiches, dort keine Priorität. Auch der Hindernisgrund für ein Sozialcafé, das dort etabliert werden sollte, klingt vorgeschoben. Allem was Mieteinnahmen bringt und dem Leerstand im Einkaufszentrum entgegenwirkt, sollte der Rote Teppich ausgerollt werden. Egal, ob Gewerbe oder nichtkommerzielle Interessenten. Dass das nicht passiert, ist frustrierend, darf aber nicht dazu führen, dass die Stadt abwinkt. Im Sinne der Einwohner des Viertels müssen die Anstrengungen aufrechterhalten werden, im Center Flächen anzumieten. Jede Initiative, die die Leere mit Leben füllt, könnte ein großer Gewinn sein. Marco Marschall