Einzelhandel: Unendliche Nachfolgersuche in der Rathauspassage

Rathaus an die Wand gesprüht: Marvin Andreß versieht den Eingang auf der Nordseite der Passage mit Graffiti-Kunst, die bekannte Orte Eberswaldes zeigt. Auf dem Foto arbeitet er am Motiv des Rathauses, das von Kunden bereits bewundert werden kann.
Marco MarschallEin Sprayer macht sich dieser Tage an der Nordseite der Rathauspassage zu schaffen. Selbstverständlich legal. Motive wie der alte Marktplatzbrunnen oder die Goethetreppe sollen den versteckten Eingang aufwerten. Dafür gab es schon Lob einiger Kunden. Doch es gibt auch Kritik und Besorgnis zum Einkaufscenter. In einem Leserbrief, der die Redaktion vor einer Woche erreicht, führt der Absender eine ganze Reihe von Punkten auf. Darunter der Auszug von McDonald’s Ende vergangenen Jahres, die gekürzten Öffnungszeiten der Passage, die endgültige Schließung der Fleisch-theke bei Edeka und die bevorstehende Schließung der prominent gelegenen Confiserie-Filiale Chocolata zum Ende dieses Jahres.
Center-Managerin Jana Timm-Retzlaff bestätigt die Schließung von Chocolata. Der Mietvertrag laufe aus und wurde seitens des Mieters nicht verlängert. Ideen für eine Nachfolge gebe es, allerdings stünden zunächst die schon leeren Ladenflächen im Fokus. Das betreffe momentan vier von insgesamt 36. Ab Oktober möglicherweise eine weniger. Die ehemalige Geschenkboutique neben Edeka steht kurz vor Neuvermietung. Was hineinkommt, verrät Jana Timm-Retzlaff noch nicht. Sie möchte Kunden nicht vorschnell falsche Hoffnung machen.
Großes Augenmerk liegt auf der 1000 Quadratmeter Fläche des Textilgeschäftes „Miller and Monroe“, die im Mai auszogen. „Wir befinden uns im Gespräch mit Interessenten“, sagt die Center-Managerin. Was dort künftig verkauft werden könnte, sagt sie noch nicht. Gespräche mit Interessenten hatte es auch zum Ende 2018 geschlossenen McDonald’s gegeben. Viele Eberswalder hatten den Abschied der Fastfoodkette aus der Kreisstadt bedauert. "Den Weggang von McDonald’s haben wir in jedem Fall gespürt“, sagt Timm-Retzlaff. "Wir konnten keine große Restaurantkette gewinnen“, konstatiert sie knapp acht Monate nach Schließung. Potenzielle Pächter schauen genau nach Einwohnerzahlen. Anderen habe ein Außenbereich mit Sitzmöglichkeiten gefehlt. Es sind immer viele Faktoren. Nun werde geprüft, ob die Technik und Räumlichkeiten auch von einem kleineren Gastronomen genutzt werden können, der derzeit Interesse bekundet. Etwaige Umbauten der für ihn überdimensionierten McDonald’s-Küche müssen geprüft und kalkuliert werden. Der Interessent sei jemand aus der Region und dessen kulinarisches Angebot vielseitiger als Currywurst und Pommes.
Zu wenig los an der Wursttheke
Ganz gleich wer einzieht, er muss sich an die Kernöffnungszeiten halten. 9 bis 19 Uhr gilt für alle, Samstag 9 bis 18 Uhr. Vorher galt wochentags bis 20 Uhr. Die entfallene Stunde sei ein Ergebnis der Jahresbefragung, bei der es um den prozentualen Tagesumsatz der einzelnen Geschäfte ging. Wer möchte, darf natürlich länger für seine Kunden da sein. Bei Rossmann oder Edeka ist das zum Beispiel der Fall.
Und die geschlossene Fleisch-theke des Edekas im Center? „Leider haben die Kunden vom Edeka Mattot in Eberswalde das Angebot, bedarfsgerecht frische Fleisch- und Wurst-Produkte an der Bedientheke zu kaufen, nicht angenommen“, so die Kernaussage aus der Pressemitteilung des Unternehmens.
