Der Waldspaziergang gehöre einfach dazu, meint Dagmar Otto. Wenn man in Chorin lebt, biete sich das schließlich an. So ging sie auch vergangenen Sonntag wieder los. „Um Pilze zu sammeln“, wie die 66-Jährige sagt. Ihrer Suche nach Pilzen war zwar nur überschaubarer Erfolg beschieden, einen großen Fund im Wald machte sie trotzdem. Ein Fund, auf den sie getrost hätte verzichten können.
Ein ausrangierter Gasherd war darunter, genau wie die hölzernen Reste einer Schauvitrine. Auch ein altes Spülbecken mit dazugehöriger Arbeitsplatte war zu erkennen, eingerahmt von Sträuchern und Baumstämmen. „Es sah aus, als hätten die Sachen zu einem kleinen Bistro oder einem Imbiss gehört“, so ihre Vermutung. Abgelegt wurde die „Schweinerei“, wie die Spaziergängerin Otto den Müllhaufen nennt, etwas nördlich von Chorin, an einem Waldweg, der sich zwischen der Angermünder Chaussee und einem ehemaligen Bahnübergang befindet. Er ist gerade breit genug, um noch von einem Auto befahren werden zu können.

Eine Menge Gerümpel

Es sei nicht das erste Mal, dass sie auf offensichtlich illegal abgelegten Müll in den Wäldern um Chorin gestoßen sei, meint Dagmar Otto. „Hier liegt öfter etwas. Eine Menge Gerümpel.“ Und tatsächlich muss man nicht lange suchen, um fündig zu werden. Unweit der Fundstelle liegen bereits die nächsten Gegenstände, die nicht in den Wald gehören: kaputte Blumentöpfe aus Plastik.
Ähnliches weiß auch Dietmar Discher zu berichten. „Ich bringe jeden Tag bei meinen Waldgängen mindestens zwei, drei Dinge mit, die hier irgendjemand mal weggeworfen hat“, sagt der Revierleiter, der bei der Landeswaldoberförsterei für das Revier Chorin zuständig ist. Meist seien es kleinere Gegenstände, auf die er stößt. Kaffeebecher aus Pappe etwa, Plastikflaschen oder Verpackungsreste, die von Fast Food-Ketten stammen. Besonders um Parkplätze entlang der Landstraßen würden sich solche Funde häufen. „Darum müssen wir uns natürlich auch kümmern“, erklärt Revierleiter Discher. „Das nervt.“

Schadstoffe sind besonders problematisch

Ein bis zwei Mal im Jahr komme es zudem vor, dass ganze Anhänger mit nicht mehr gebrauchten Möbeln und anderen Gegenständen aus Wohnungsauflösungen in den Wald geworfen werden. „Man versteht gar nicht, warum so etwas gemacht wird. Das meiste kann man kostenlos auf der Kippe entsorgen lassen“, betont Discher frustriert.
Besonders problematisch würden illegale Entsorgungen im Wald aber nicht zuletzt dann, wenn Schadstoffe mit im Spiel sind, erklärt der Revierleiter. „Farbreste oder Altöl, das läuft in den Boden und verseucht Tausende Liter Wasser.“ Zwar komme dies glücklicherweise nicht so häufig vor, so dass sein Revier von ernsteren Schäden bisher verschont blieb, meint Discher erleichtert. Er fügt aber zugleich an, dass es ein mitunter langwieriger Prozess sein könne, bis Schadstoffe ins Erdreich gelangen. Nicht immer seien die Konsequenzen sofort zu spüren.

Auf Kosten der Allgemeinheit

Konsequenzen haben illegale Ablagerungen, wie jene auf die Dagmar Otto stieß, allerdings nicht allein für die Umwelt. Die Kosten für die Entsorgung, für die durchaus ein gewisser personeller sowie technischer Aufwand notwendig werden kann, übernehmen nicht selten die Gebührenzahler und damit letztlich die Gemeinschaft. Darauf weist auch die Barnimer Dienstleistungsgesellschaft hin, die allein für das Jahr 2019 Kosten von 243.000 Euro für die Entsorgung sogenannter „wilder“ oder „herrenloser“ Abfälle aufführt.

Oft bleiben Verantwortliche unbekannt

Es sei denn auch oft genug so, dass „Ross und Reiter“, also die Verursacher der illegalen Hinterlassenschaften, nicht ausfindig gemacht werden können, bilanziert etwa die Leiterin des Haupt- und Ordnungsamtes Britz-Chorin-Oderberg, Solveig Spann. Ein Umstand, der sich ebenfalls in den veröffentlichten Zahlen der Barnimer Dienstleistungsgesellschaft nachvollziehen lässt. Sie führt für vergangenes Jahr 509 angezeigte Ablagerungen an. Im gleichen Zeitraum kam es allerdings nur zu 42 Ordnungswidrigkeitsverfahren und lediglich einer Strafanzeige.
„Für mich ist es sehr ärgerlich, dass so etwas überhaupt passiert“, sagt Dagmar Otto. Auch sie kann nicht verstehen, warum der Weg zu Wertstoff- oder Recyclinghöfen von manchen gemieden wird. Einen kleinen Lichtblick gab es dann allerdings doch. Einen Tag, nachdem sie auf die gastronomischen Überreste stieß, waren diese auch schon wieder verschwunden. Auf Kosten der Gemeinschaft, wie sie vermutet.

Unerlaubte Müllfunde und Bußgelder


Der Fund von unerlaubt entsorgtem Müll kann unter anderem der „Müllstreife Barnim“ gemeldet werden. Beobachtungen und Hinweise können rund um die Uhr telefonisch unter 03334-5262066 oder über ein Online-Formular auf der Internetseite www.muellstreife-barnim.de angegeben werden.

Auch die BDG-Müll-App der Barnimer Dienstleistungsgesellschaft verfügt über eine Funktion, mit der illegale Müllablagerungen ausweisbar sind.

Funde können zudem den zuständigen Ordnungsämtern gemeldet werden.

Bußgeld
Das Brandenburger Umweltministerium hat 2020 den Bußgeldkatalog für illegale Müllentsorgung verschärft. Die gesetzeswidrige Entsorgung von mehr als fünf Kubikmetern Bauschutt kann nun mit bis zu 10.000 Euro geahndet werden. Für unerlaubt entsorgte Elektrogeräte kann ein Bußgeld von bis zu 8.000 Euro fällig werden. hem