Fäkalienabfuhr: Datschenbesitzern am Üdersee stinkt es gewaltig
Die Datsche ist ein Rückzugsort, das Gegengewicht zur Arbeit mit der eigenen Firma in der Stadt. „Eigentlich wollen wir hier einfach nur unsere Ruhe haben“, erklärt Nußbaum stellvertretend auch für viele Nachbarn in der Wochenendsiedlung.
Regelmäßig aber werden die Erholungsfreuden dort getrübt — immer dann nämlich, wenn die Fäkalienentsorgung ansteht. Schmutzwasser wird hier in sogenannten abflusslosen Sammelgruben aufgefangen. Ist die Grube voll, kommt der Pumpwagen und nimmt den Inhalt mit. Wer keinen Dauerauftrag hat, vereinbart, kurz bevor es soweit ist, beim Dienstleister einen Termin.
Vertragspartner der Grubenbesitzer ist der Eberswalder Zweckverband für Wasserver– und Abwasserentsorgung (ZWA). Die Abfuhr übernimmt die Stolzenhagener Dienstleistungsgesellschaft (SDL). Doch an deren Zuverlässigkeit hapert es. „Zu wenige Fahrer, kaputtes Auto oder nicht gefunden — alles faule Ausreden. Ich kann sie nicht mehr hören“, sagt Christopher Nußbaum. Zuletzt hat er nach einem Termin, den der Entsorger platzen ließ, wieder mehrere Tage auf die Abfuhr warten müssen. Dabei hat der Berliner sogar einen Saugstutzen installiert, der seine Anwesenheit während der Abfuhr überflüssig macht.
Auch Beschwerde–E-Mails an Empfänger bis hin zum Landrat haben die Sache nicht beschleunigt. „Alles, was klappt, ist die Abbuchung vom Konto“, schimpft Nußbaum. Die Eberswalderin Karin Schultz, die in der Anlage ebenfalls ein Grundstück nutzt und dort im Interessenverein Üdersee 65 organisiert ist, beklagt die Zustände bereits seit Mai. Statt der aktuell versprochenen zehn Tage habe sie drei Wochen auf die Abfuhr warten müssen. Dreimal habe man sie trotz Termins stehen lassen. 70 Anrufe bei der SDL habe ihr Handydisplay für eine Entsorgung angezeigt.
Die Wochenendler vom Üdersee haben sich an die MOZ gewandt. Dass sie lange nicht die einzigen sind, die Grubenfrust schieben, zeigt eine Nachfrage beim ZWA und dem Entsorger. Der amtierenden Verbandschefin Petra Walter zufolge liegen derzeit rund 300 Beschwerden zur Abfuhr im Verbandsgebiet vor. Grund für die Probleme sei, dass vor allem die etwa 2500 Gruben in den Naherholungsanlagen im Zuge der Corona–Krise verstärkt genutzt würden. „Wir haben aktuell circa 220 Entsorgungen täglich, sonst 190“, sagt SDL–Geschäftsführer Peter Glaetzner. Insgesamt fahre die Firma für den ZWA 6000 Stellen an.
ZWA und SDL haben sich ins Benehmen gesetzt und wollen nun Abhilfe schaffen. Zum 1. Juli sei ein zusätzlicher Fahrer eingestellt worden, ein weiterer ab der kommenden Woche, so Glaetzner. Zudem verfüge der Betrieb nun über einen zweiten Klein–Lkw zur Abfuhr der kleinen Gruben. Darüber hinaus habe die SDL eine neue Disponentin eingestellt, heißt es.
„Die Probleme gibt es nicht erst seit Corona, sondern schon seit Jahren“, sagt allerdings Christopher Nußbaum. Versprechungen allein stellen ihn und andere Datschennutzer vom Üdersee nicht zufrieden. Schließlich zahlen sie die gleiche Grundgebühr wie Eigenheimer mit großen Gruben. „Wir werden die Voraussetzungen für eine Musterfeststellungsklage evaluieren genauso wie mögliche Alternativen innerhalb der gesetzlichen Auflagen“, kündigt Nußbaum für die Anliegergemeinschaft per E–Mail an den ZWA und die Abfuhrfirma an.
In den nächsten zwei Wochen, sagt Verbandschefin Walter, wolle die Stolzenhagener Dienstleistungsgesellschaft die aktuellen Rückstände aufarbeiten.

