Konrad Giese führt mit seinem Traktor Marke Eigenbau von 1975 und sieben PS den Zug an. Am Steuer sitzt jedoch seine Tochter. Und auch sonst überlässt der 84-Jährige das Steuer jetzt anderen. Die zehnte Traktorenparade beim Brodowiner Dorffest am Sonnabend ist seine letzte. Die letzte, die er organisiert hat. Weshalb er vor dem Start mit großem Beifall verabschiedet wird.
Ganz werde er sich aber nicht zurückziehen, verspricht er den Brodowinern. Auch künftig wolle bzw. müsse er sich um die Sponsorensuche und -akquise kümmern. Ohne Unterstützung ginge es nun mal nicht, bedankt sich Giese bei den vielen Partnern. Überhaupt: "Einer allein kann das nicht auf die Beine stellen." Dass die Parade über die Jahre so gewachsen und zu einer Tradition geworden ist, die nicht nur Brodowiner anlockt, sei ebenso das Verdienst seiner Mitstreiter.
Jetzt aber sei es Zeit für einen Wechsel. Es übernehmen Edgar und Carmen Villain von den Brodowiner Schlepperfreunden, die bei der Parade selbstverständlich mit von der Partie sind. Bange ist Edgar Villain auch für die Zukunft nicht. "In Brodowin hat jeder zweite Haushalt einen Traktor. Und wer keinen hat, da hat dann mit Sicherheit der Nachbar gleich zwei." Klingt nach dem Dorf mit der höchsten Traktorendichte weit und breit.
Wie auch die Parade sogleich eindrucksvoll zeigt. Mehr als 100 Fahrzeuge ziehen auf dem Anger an den Zuschauern vorbei. Fachkundig von Ortsvorsteher Wolfgang Winkelmann kommentiert. Seinen eigenen Traktor, einen MAN ("Dasselbe Baujahr wie ich", also 1959), lenkt Schwiegersohn Sven Sprenkelmann, Enkel Frederic ist ebenfalls an Bord.
Geschichte der Landtechnik
Alles, was einst und heute über die Felder rollt(e), ist im Feld vertreten. DDR- und westdeutsche Fabrikate, russische, tschechische Modelle. Bekannte und vielleicht weniger bekannte. Fendt, Massey Ferguson, Zetor, Deutz, Belarus, Claas, RS 36, Ursus, John Deere. Von sieben bis mehr als 300 PS. Aus den 1950er-Jahren bis hochmodern. Landwirte im Nebenerwerb sind dabei, Oldtimerfreunde genauso wie natürlich der örtliche Landwirtschaftsbetrieb Ökodorf Brodowin. Ihre Maschinen tragen deutliche Gebrauchsspuren, tun offensichtlich sehr gute Dienste. Oder erfreuen den Besitzer.
Wie Karl Rümenapf aus Serwest, der mit einem Schlüter (1953) gekommen ist. Er gehört zu den Stammteilnehmern. Er genieße die Atmosphäre in Brodowin. Man kenne sich, könne etwas fachsimpeln, sagt der 84-Jährige. Aber natürlich kommen auch all jene Besucher auf ihre Kosten, die nicht ganz so versiert in Sachen Technik sind. Familie Gerner verspricht vom Traktor aus, mit dem Gerät Bierflaschen zu öffnen. Den Beweis tritt Pepe Gerner (14) etwas später an.