Festival in Eberswalde
: Jazz in E. meets Industriekultur ‒ neuer Ort mit altem Charme

Mit der 29. Ausgabe zieht das überregional bekannte Festival an einen völlig neuen Ort in der Stadt. Und ein Dach überm Kopf sorgt außerdem für Clubatmosphäre.
Von
Viola Petersson
Eberswalde
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Jazz in E.

Jazz in E.: Bis zur Pandemie war über viele Jahre das Paul-Wunderlich-Haus Festivalort. Von 2021 bis 2023 mussten die Konzerte unter freiem Himmel stattfinden. Jetzt gibt es wieder eine Indoor-Variante. An einem ganz neuen Ort.

Torsten Stapel

Mit der 29. Ausgabe von Jazz in E. ziehen die Festival-Organisatoren an einen völlig neuen Ort, der gleichsam ein alter ist - nämlich ins ehemalige Betriebskulturhaus des Rohrleitungsbaus. Also auf den heutigen Rofin-Park. Oder, wie es Festival-Blogger Thomas Melzer ausdrückt: Jazz in E. hat eine neue Landebahn.

Nach einer gefühlten Ewigkeit, da die Konzerte unter freiem Himmel über die Bühne gingen, ist das Festival damit gleichsam wieder bei der klassischen Indoor-Variante angekommen bzw. gelandet. Die Fans aktueller Musik dürfen sich vom 8. bis 11. Mai auf ein breiteres musikalisches Spektrum sowie Clubatmosphäre freuen. Auf Neuentdeckungen und auf nostalgische Momente.

Jazz in E: Motto der Ausgabe 2024 lautet „Kontakt"

Die frühere Leuchtreklame des Eberswalder Kontakt-Kaufhauses wird wieder vorgekramt. Als Requisite. Denn: Die 2024er Ausgabe des Festivals Jazz in E. steht unter dem Motto „Kontakt“. Was, so erzählt Festival-Leiter Udo Muszynski, mit dem Credo der Konzertreihe korrespondiert. „Wir verstehen uns als Begegnungsfestival.“

Rofin-Park

Erstmals Gastgeber: der Rofin-Park an der Eberswalder Coppistraße. Das frühere Betriebskulturhaus wird für vier Tage quasi zum Jazzkeller.

Viola Petersson

Auch deshalb sei er froh, von draußen nach drinnen wechseln zu können. Die vergangenen drei Open-Air-Ausgaben hätten zwar auch ihren Charme gehabt. Aber leider eben auch einige begrenzende Faktoren. Etwa das Wetter. „Zur Eröffnung 2023“, erinnert sich Muszynski, leicht fröstelnd, noch recht genau, „hatten wir im Forstbotanischen Garten acht Grad.“

Jazz in E.: Genehmigung für Rofin-Park vor wenigen Tagen

Allerdings: Ein wenig zittern mussten die Veranstalter im Vorfeld der Auflage 2024 ebenso. „Es gab in der Tat einige Unwägbarkeiten. Die Vorbereitung war lange recht risikobehaftet“, bestätigt Muszynski. Aufgrund des erst im Januar verabschiedeten Haushaltsplanes für Eberswalde hatte sich die Entscheidung über die Kulturförderung verzögert.

Die behördliche Genehmigung zur temporären Nutzung des ehemaligen Kulturhauses wiederum kam Mitte April. Erstmals gewährt erfreulicherweise das Land Brandenburg einen Zuschuss fürs Programm.

Jazz in E. in Eberswalde: Viele Generationen vertreten

Ein Programm, das Jazz-Generationen vereint. Von Bajazzo (1978 in Ost-Berlin gegründet) oder Helmut Joe Sachse (Jahrgang 1948) bis zu 3grams oder der Band Eté Large, die für die jüngere Musik stehen. Letztere war bei einem Open Air bereits einmal in Eberswalde zu Gast und komme jetzt mit einem völlig neuen Programm.

Jazz in E. Helmut Joe Sachse

Helmut Joe Sachse: Der Jazzgitarrist war bereits 2019 zu Gast in Eberswalde.

Torsten Stapel

Eine Premiere, wie Muszynski sagt. Ebenso freue er sich über die Verpflichtung des Schweizer Jazzsängers Andreas Schaerer. „Den wollten wir schon immer ,haben‘. In diesem Jahr hat es endlich geklappt.“

Jazz in E. in Eberswalde: Eintrag im Jazz Guide Berlin

Ein wenig stolz ist Udo Muszynski, dass das Eberswalder Festival Eingang in den „Jazz Guide Berlin“ für 2024 gefunden hat. Neben dem Schloss Neuhardenberg die einige Jazz-Adresse jenseits der Hauptstadt-Grenze. Was zeigt: Nicht nur in Brandenburg – angeblich wird nirgendwo in der Mark häufiger Jazz gespielt als in Eberswalde -, sondern auch in der Metropole nimmt man Notiz vom Engagement in der Provinz.

Zum Bekanntheitsgrad des Jazz-Festivals dürfte zweifellos auch Thomas Melzer mit seinen regelmäßigen Konzertkritiken, Essays und Blogs beitragen. Gerade hat er seinen jüngsten Beitrag veröffentlicht, in dem er etwa über die wechselnden Orte sinniert.

Festival Jazz E. in Eberswalde entwickelte sich über Jahrzehnte

Jazz in E. habe sich, so schreibt er, im Laufe der Jahrzehnte „aus seiner Garagen-Nische in Richtung Stadtzentrum bewegt, war dort im Paul-Wunderlich-Haus für viele Jahre der Nische entstiegen, und trudelt seit Kurzem in einer leichten Zentrifugalbewegung zurück Richtung Peripherie“. Es scheine, als „ob das Festival sich auf eine Art städtischer Gewaltenteilung besinne, in der es seinen Platz nicht mehr unter dem Dach sieht, unter dem (…) der Landrat regiert und die Polizei für Ordnung sorgt“.

Programm der 29. Ausgabe von Jazz in E. im Rofin-Park

  • 8. Mai, 19 Uhr, Trio Oùat und Melt Trio
  • 9. Mai (Himmelfahrt), 19 Uhr, Helmut Joe Sachse & Jiri Stivin sowie Andreas Schaerer & Kalle Kalima
  • 10. Mai, 19 Uhr, Nebbia/Banner/Andrzejewski: Presencia sowie Wanja Slavin Libelle
  • 11. Mai, 10.30 Uhr, Guten Morgen Eberswalde mit Bajazzo
  • 11. Mai, 19 Uhr, 3grams und Eté Large

Wenigstens um den Bäcker im Café Gustav sei es schade, befindet der Jazz-Freund, gespannt ob der „proletarischen Aneignung“ im einstigen Betriebskulturhaus an der Coppistraße. Udo Muszynski spricht von einem Test. „Wir werden sehen, wie dort die Resonanz ist.“ Er selbst ist offenbar begeistert: „Es ist ein klasse Raum mit einer tollen Ausstrahlung.“ Längst habe sich der Rofin-Park überdies zu einem Ort der Kulturszene und der Vielfalt entwickelt.

Der Kartenvorverkauf für Jazz in E. Nr. 29 läuft. Festivalpässe und Einzeltickets gibt es unter anderem in der Eberswalder Tourist-Info an der Steinstraße. Das Konzert am 11. Mai im Rahmen von „Guten Morgen, Eberswalde“ auf dem Hof des Rofin-Parks ist kostenfrei.

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Freitag um 16.30 Uhr
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