Förderung
: In Schorfheide Schutz vor dem Wolf lernen

Der Wolf ist kein Kuscheltier – Nutztierhalter erfahren im Wildpark Schorfheide, wie sie ihre Herde schützen können.
Von
Marco Marschall
Groß Schönebeck
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  • Du kommst hier nicht rein! Pyrenäenberghund Jup läuft an den Zaun und macht sich bemerkbar, als die Kamera sich nähert. Die Hunde sind im Schafstall groß geworden und bewachen die Nutztiere im Wildparkgehege nun wie ihre Familie.

    Du kommst hier nicht rein! Pyrenäenberghund Jup läuft an den Zaun und macht sich bemerkbar, als die Kamera sich nähert. Die Hunde sind im Schafstall groß geworden und bewachen die Nutztiere im Wildparkgehege nun wie ihre Familie.

    Marco Marschall
  • Kuh schaut zu: Minister Axel Vogel, Wildparkchefin Imke Heyter, Diana Pretzell vom WWF und Schäfer Knut Kucnik (v.l.) am Gehege

    Kuh schaut zu: Minister Axel Vogel, Wildparkchefin Imke Heyter, Diana Pretzell vom WWF und Schäfer Knut Kucnik (v.l.) am Gehege

    Marco Marschall
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25 000 Euro vom WWF

Eigentlich haben Hunde und Stromzäune dort schon vor einer Weile Einzug gehalten. Corona hatte einem früheren Startschuss fürs Projekt einen Strich durch die Rechnung gemacht. Er wurde nun unter Beisein von Schorfheides Bürgermeister Wilhelm Westerkamp, Landrat Daniel Kurth und weiteren Gästen nachgeholt. Mit dabei auch Diana Pretzell vom WWF. Die Artenschutzorganisation hat die Anschaffung der Schutzzäune mit 25 000 Euro gefördert.

Das Land Brandenburg bezahlte die Pyrenäenberghunde, die im Wildpark eine bunte Herde aus Exmoor-Ponys, einem weißen Parkrind, einer Skudde, einem rauhwolligen Pommerschen Landschaf und einer Ziege bewachen. Das Schaugehege soll eine praktische Erweiterung des Wolfsinformationszentrums im Wildpark sein.

Das alles auch, weil der Wolf dem Artenschutz unterliegt. Dass die Landesregierung diesen Schutzstatus unterstützt, machte  Minister Axel Vogel unmissverständlich klar. Er reagierte damit auf Kritik eines anwesenden Brandenburger Damwildhalters, dessen Tiere vom Wolf gerissen wurden. Dieser zeigte Unverständnis für die schiere Größe der in Deutschland zugelassenen Wolfspopulation. Um Schutz davor zu gewährleisten und den Interessen der Nutztierhalter zu begegnen, werden Risse durch den Wolf zum einen entschädigt, die Prävention gefördert und als letztes Mittel könne ein Wolf auch entnommen werden, so der Minister.

49 Territorien

Aktuell gibt es in Brandenburg 49 Wolfsterritorien. Die Anschaffung von geprüften Herdenschutzhunden sowie deren Ausbildung unterstütze das Land mit bis zu 4000 Euro. In diesem Jahr, so heißt es in einer Pressemitteilung des Umwelt- und Landwirtschaftsministeriums, wurden bereits 134 Präventionsprojekte mit einem Volumen von fast 1,4 Millionen Euro gefördert.

Am Freitag hat Umweltminister Vogel nun weitere Hilfe angekündigt. „Künftig wollen wir auch bei den Kosten für das Hundefutter unterstützen“, sagte er. Eine entsprechende Förderrichtlinie befinde sich in Abstimmung mit dem Bund.

Für den Wildpark Schorfheide sind das Schaugehege und die Hunde eine weitere Bereicherung im Portfolio. Leiterin Imke Heyter und Knut Kucznik, Vorsitzender des Schafzuchtverbandes Berlin-Brandenburg, hatten das Projekt gemeinsam ersonnen und dankten in ihren Ansprachen all jenen, die an der schnellen Umsetzung beteiligt waren.

Landwirt uneingeladen

Kritik gab es an der fehlenden Berücksichtigung regionaler Nutztierhalter zum Auftakt im Wildpark Schorfheide. „Es ist schon verwunderlich, dass ortsansässige Landwirte keine Einladung bekommen haben“, sagte Rainer Dickmann von der Schorfheider Agrar GmbH Groß Schönebeck am Rande der Veranstaltung. Er hatte aus der Zeitung davon erfahren. Sein Betrieb zähle 800 Mütterkühe. Bisher sei noch keines der Tiere von einem Wolf gerissen worden.