Freizeit: Modellbautage Finowfurt für Fans fliegender Kisten
Der 47–Jährige gehört zu den etwa 20 Aktiven, die auf dem Gelände des Finowfurter Luftfahrtmuseums eine Heimstatt gefunden haben.
Ihre Jeeps, Panzer oder Bagger en miniature dampfen, zischen und hupen ferngesteuert aus Männer– und Frauenhand. Ina Stelzer, Erzieherin, kam durch ihren Freund zu der Gruppe. „Es macht einfach Spaß und ist ein schöner Ausgleich“, sagt die 47–Jährige. Längst lenkt sie ihr Modell ebenso galant über selbst gezimmerte Brücken, Haufen und durch Tunnel.
Am Sonnabend zum Modellbautag dürfen auch die Gäste probieren. Kinder entdecken vielleicht ein neues Hobby. So fing es bei den meisten Modellbaufreunden irgendwie auch an.
Zum Beispiel bei Friedhelm Hönicke aus Schiffmühle. Als er mit zehn Jahren nach einem Unfall lange im Krankenhaus liegt, beginnt er, Papierbögen auszuschneiden. Später findet er Gefallen am Basteln. Bis heute ist der Oderländer, der sein neuestes Schiffsmodell am Sonnabend auf Jungfernfahrt schickt, begeisterter Handwerker. Die von der landwirtschaftlichen Arbeit und Schlosserei schweren Hände setzen feinste Details auf die Schiffskörper aus dünnem Holz, zum Beispiel Tellerchen auf dem Mini–Tisch. Der 70–Jährige gibt zu, dass er detailverliebt ist. „Alles muss seine Ordnung haben“, stellt er klar.
Das Sportboot Classic ist sein neuestes Stück. Doch er hat nur drei Boote zur Auswahl mitgebracht. Daheim stehen noch mehr Exponate, mit denen Hönicke zu Ausstellungen fährt, zum Beispiel ins FEZ nach Berlin. Gern erzählt er von der Elektronik und Steuerung, von Maßstäben und schwierigen Momenten beim Zusammensetzen oder Kleben der Elemente. Immer gibt es etwas zu verbessern. Wenn Hönicke dann mit der Steuerung in der Hand seine Modelle übers Wasser schickt — meist auf der Alten Oder –, dann schlägt sein Herz höher.
Ähnlich geht es auch Vladimir Bujanov und Thomas Dohnke vom Verein Fesselflug Berlin. Die Weite des Finowfurter Areals, das sich über 20 Hektar erstreckt, lässt ihrem Hobby breiten Raum. Denn bei den beiden hängt alles nur am seidenen Faden.
78 Dezibel dröhnen ordentlich
Die Düsen– und Jagdmodelle in verschiedenen Klassen werden mit Rizinus, Methanol und Brennspiritus betankt. Höchste Konzentration und Fingerspitzengefühl sind gefordert, wenn diese organisch–chemischen Verbindungen aus dem Gummiballon in den Silikonschlauch gedrückt werden. An einer Leine hängt das Objekt und kreist mit ohrenbetäubendem Lärm um den Flugkapitän. Bis zu 140 Stundenkilometer bringt der Modellflieger von Bujanov an Tempo, knapp vier Minuten, dann ist alles vorbei.
Auf Meisterschaften, die die Fesselflieger quer durch Deutschland führen, geht es darum, wer seine Maschine am längsten fliegend an der Leine halten kann. Für zehn Kilometer, erzählt der 57–jährige Dohnke begeistert, sind 3,20 Minuten nötig. Die Stellschrauben zum Meister liegen in der Kompression, in der Düsennadel. Und natürlich am Geschick und Modell. Angefangen hat es bei vielen in der Armee, in der Gesellschaft für Sport und Technik (GST) oder einfach aus Spaß.
Der 50–jährige Bujanov kam übers Zuschauen zu dem Hobby, das ihn fasziniert hat. Jetzt übt er in Spandau oder auf anderen freien Flächen. Zuschauen ist wegen des Tempos nur mit dem nötigen Abstand geboten. 78 Dezibel sind außerdem nicht zu überhören.
Das zieht viele Besucher an. Diana und Alexander Neubert mit drei Kindern sind aus Wandlitz angereist und begeistert: „Hier ist Platz, das gefällt auch den Kindern besonders.“

