Gastvortrag
: Alles begann mit Löwenzahn

Kreuzberger Unternehmerin spricht in der Hochschule über ihren Laden und den Gedanken hinter ihrer Gründung.
Von
Marco Marschall
Eberswalde
Jetzt in der App anhören

Frei raus: Milena Glimbowski, Gründerin des „Original Unverpackt“-Ladens in Berlin, beim Vortrag in Eberswalde

Marco Marschall

Es ist das Jahr 1998, als Milena Glimbovski von Russland nach Deutschland kommt und dort jede Menge Kinderfernsehen schaut. Auf diese Weise, so berichtet die heute 28–Jährige, habe sie Deutsch gelernt. Eine Sendung, die sie nachhaltig beeindruckt, ist „Löwenzahn“. In einer Folge besuchen Kinder einen Laden, füllen die Milch aus der Verpackung in die eigene Flasche um und spazieren wieder heraus. Im Grunde ist es beinahe das, was die Unternehmerin später anbietet.

Milena Glimbovski ist 2014 Gründerin des ersten „Original Unverpackt“-Ladens in Berlin Kreuzberg. Wer dort einkauft, bringt die Behältnisse selbst mit und füllt die gewünschten Produkte hinein. So entsteht kein Verpackungsmüll. „Es ist ein gelungenes Praxisbeispiel, von dem unsere Studierenden wie auch alle etwas lernen können“, sagt Thoralf Buller, Professor an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung. Er hat die Unternehmerin am Donnerstag zum Gastvortrag eingeladen.

Der Hörsaal ist gut besucht. Vorn steht die Mutter und Gründerin, die kaum älter als mancher der Studierenden ist, und berichtet äußerst lebendig, abgeklärt und humorvoll vom eigenen Werdegang und der Zero Waste (Null Müll) Bewegung. „Labern“, so sagt sie, habe sie an der Universität gelernt. In ihrem Fall ist das die Universität der Künste in Berlin, wo sie Gesellschafts– und Wirtschaftskommunikation studiert hat und sich dabei Gedanken darüber macht, wie wohl ein Supermarkt ohne Verpackungen aussehen würde.

Mit einer Freundin und mithilfe einer Crowdfunding–Kampagne setzt sie die Idee in die Tat um. 25 000 Euro brauchen sie, um den Kredit für die Ladengründung zu erhalten. „25 000 Euro hatten wir am ersten Tag“, berichtet Milena Glimbovski. Die Kampagne sei viral gelaufen. Am Ende kommen mehr als 100 000 Euro zusammen. Der Eröffnung steht nichts mehr im Weg.

Der Unverpackt–Laden ist damals nicht der erste in Deutschland, berichtet die Gründerin im Laufe ihres Vortrags. Der sei in Kiel entstanden. Die Lieferkette ihres Geschäftes in Berlin funktioniere zwar nicht ganz müllfrei, aber teilweise. Kaffee und Duschgel zum Beispiel werden in festen Behältern geliefert, umgefüllt und für die nächste Lieferung wieder zurück zum Hersteller verfrachtet. Vieles kommt in möglichst großen Mengen ohne kleinteilige Verpackungen.

Milena Glimbovski erzählt nicht nur vom Erfolg, sondern auch von den Rückschlägen. Sie berichtet, wie sie sich mit ihrer Mitgründerin verstreitet, wie anfangs die Zahlen nicht stimmen, obwohl der Laden Umsatz macht und sie Mitarbeiter entlassen muss. Sie erzählt von der Phase, als sie sich mit Arbeit und Studium übernimmt und Burnout bekommt. Heute rät sie den Studenten deshalb auch nachhaltig mit der eigenen Gesundheit umzugehen.