Gehalt: Busfahrer im Barnim fordern mehr Geld
In einem offenen Brief hat sich Schröder jetzt an die 220 Busfahrer der Kreistochter gewandt. "Wechselschichten, Arbeit an Wochenenden und Feiertagen, Dienstzeiten zu allen Tages- und Nachtzeiten. Wenn andere feiern gehen, dann ist es der Busfahrer, der sie wieder sicher nach Hause bringt“, schreibt er an die Kollegen im Betrieb. Die Angestellten des Öffentlichen Personen- und Nahverkehrs (ÖPNV) könnten unter den Sparzwängen der Kommunen leiden, so geht die Furcht um. Jetzt nach Corona und fehlenden Kommunalfinanzen umso mehr.
„Es gibt so viel Ungewissheit“, schildert der Eberswalder, der selbst viele Jahre als Busfahrer unterwegs war. Mit 2287,10 Euro brutto im Monat müsse man sich noch von Fahrgästen beschimpfen lassen. Zumal die Berliner Busfahrer allein beim Einstieg schon 380 Euro mehr in der Tasche haben. Die Abwanderung droht, sagt Marcel Schröder.
Der gültige Tarifvertrag wurde gekündigt. Im Juli sollten ursprünglich die Verhandlungen mit dem Kommunalen Arbeitgeberverband und Ver.di beginnen. Durch Covid-19 wurden die Verhandlungen zunächst ausgesetzt. "Viele Angestellte denken, dass die Politik jetzt sagen wird, für einen guten Tarifabschluss ist kein Geld mehr da“, heißt es in der Belegschaft. Die BBG bedient zahlreiche Strecken im Barnim, in Märkisch-Oderland und einige in der Uckermark.
Zur Unterstützung der Betriebs- und Personalräte gibt es offene Briefe von Ver.di an Bundesfinanzminister Scholz und Bundesverkehrsminister Scheuer, die schon Ende April der Bundesvorstand verschickt hat. Es wird zum einen um ein Notfallprogramm gebeten, das der Bund auflegen soll, um Einnahmeverluste zwischen 60 und 90 Prozent bei den Verkehrsbetrieben abzufangen. Für 2020 rechnet der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen mit Ausfällen in Höhe von sieben Milliarden Euro. Zusätzliche Kosten für Reinigung, Gesundheitsschutz, mehr Personal und Fahrzeuge nicht eingerechnet. Kommunen könnten diese nicht ausgleichen, so Ver.di. Ein Zusammenbruch des Systems des ÖPNV sei zu verhindern. Der Sicherung der Arbeitsplätze komme dabei höchste Priorität zu, ebenso tarifgebundener Bezahlung.
Risikogruppe am Steuer
Jens Gröger vom Ver.di-Fachbereich Verkehr aus Eberswalde geht davon aus, dass die Verhandlungen, bei denen es auch um einen Manteltarif geht, zum 1. September beginnen könnten. Bis zum 1. Oktober, so hofft der Gewerkschaftsfunktionär, werde dann ein Ergebnis vorliegen. „Das Land darf die Landkreise nicht allein lassen, bisher ist das nämlich so“, stellt der Gewerkschaftssekretär klar. Darum werde man auch kämpfen, lässt er durchblicken. Schon im Sommer könnten kleinere Aktionen starten.
Unter Druck ist die Region seit einem Tarifabschluss der Berliner Verkehrsbetriebe im Vorjahr, der zu einer erheblichen Verbesserung der Gehälter für Fahrer führte. Nun wollen auch die Brandenburger mehr verdienen. Zumal viele zuletzt in der Corona-Zeit zur Risikogruppe gehörten und doch am Steuer saßen.
Marcel Schröder verweist zudem auf die Schichten und Teildienste. Viele Fahrer seien zwölf Stunden außer Haus und müssten im Betrieb Zeiten überbrücken und auf Fahrten warten. „Das ist Zeit, die keiner bezahlt“, so der amtierende Betriebsratsvorsitzende.

