Diese Landschaft gilt als Paradebeispiel für eine Eiszeitlandschaft. Weshalb der Chorin-Parsteiner Endmoränenbogen und das Becken des Parsteiner Sees von der Gesellschaft zur Erforschung und Förderung der Märkischen Eiszeitstraße zur "Landschaft des Jahres 2020" gekürt wurden.  Den "Festakt" mit Laudatio mussten die Akteure wegen Corona auf Eis legen. Das Begleitbuch zur Auszeichnung, Heft 22 der "Entdeckungen entlang der Märkischen Eiszeitstraße", ist indes planmäßig erschienen. Rechtzeitig zur Wiedereröffnung der Buchläden diese Woche.
Werbung für die Region
2017 hatte die "Märkische Eiszeitstraße" erstmals eine bzw. zwei Landschaften des Jahres proklamiert: das Biesenthaler Becken für den Barnim und die Uckerseerinne für die Uckermark. Mit der Kür, fortan jeweils eine Landschaft pro Jahr, wolle man den Blick für "besonders interessante Landschaften" in der Region schärfen. Und zwar bei Barnimern und Uckermärkern wie auch bei Ausflüglern und Touristen. Einerseits versteht die Gesellschaft die Wahl als Werbung für die Region. Andererseits wollen die Akteure, darunter viele ausgewiesene Experten, Wissen vermitteln. Ein Stück weit also auch ein Spagat, wie Präsident Gerd Lutze gesteht. Ein Spagat zwischen populärwissenschaftlicher, unterhaltsamer Lektüre und der Präsentation gegebenenfalls neuer Forschungsergebnisse.
Autoren eröffnen neue Horizonte
Genau diese Mischung macht auch den Reiz des jüngsten Werkes aus. Mit 162 Seiten die bislang umfangreichste Arbeit, wie Lutze sagt. Wobei das Heft durchaus mit seinen verschiedenen Artikeln als Angebot an die Leser zu verstehen sei. Die Autoren beleuchten die Landschaft des Jahres aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln.
So haben die Herausgeber Gerd Lutze und Hans-Joachim Pohle etwa den ehemaligen Oberförster Hans Joachim Gaffron gewonnen, der sich mit der Wald­baugeschichte auf dem Choriner Endmoränenbogen beschäftigt, oder Klosterleiterin Franziska Siedler, die eben die klösterliche Nutzung der Landschaft beschreibt. Ornithologe Martin Flade rückt die Vogelwelt in den Fokus, Gerald Schrödl die Gehölze. Ludolf von Maltzan und Peter Krentz, Geschäftsführer des demeter-Agrarbetriebs in Brodowin, erzählen davon, wie ein ganzes Dorf ökologisch wird. Einem wirklich mystischen Ort spürt Hans-Joachim Pohle nach: dem Pehlitzwerder. Um die Geologie, die Geomorphologie kümmern sich Norbert Schlaak und Lutze selbst.
Was ist nun das Besondere an der Landschaft 2020? Einerseits sei es die räumliche Nähe der vier Grundelemente, von Grund- und Endmoräne, Sander sowie Urstromtal. Die Kompaktheit. Lutze spricht von einer Modelllandschaft. Die Weichsel-Kaltzeit habe hier Landschaftsformen geschaffen, die als Urtypus der Glaziallandschaft in Norddeutschland gelten. Andererseits sei es die "tolle Konfiguration". Der Endmoränenbogen öffnet sich nach Norden, wodurch sich die einzigartige Beckenlandschaft mit dem Pasrsteiner See, zwölf weiteren Seen sowie 256 sogenannten Standgewässern ergibt.
Bei dieser Beckenlandschaft, so Lutzes Hinweis, handele es sich um ein natürlich oberirdisch abflussloses Binneneinzugsgebiet von immerhin gut 105 km2. Ein riesiges Gebiet also, das nur über den Nettelgraben zur Ragöse entwässert. Dieses winzige künstliche Rinnsal demonstriere die angespannte Wasserstituation in diesem Gebiet. Mit diesen zum Teil deutlich sichtbaren Folgen des Klimawandels befassen sich Andreas Krone und Rüdiger Michels in ihrem Beitrag.
Sobald Corona es zulässt, sollen Vorträge und Exkursionen nachgeholt werden, verspricht Gerd Lutze.
Info: Heft 22 ist ab sofort in der Gutenberg-Buchhandlung Eberswalde erhältlich. Es kann zudem über den Verein bestellt werden.

Die fünfte Landschaft des Jahres


Der Chorin-Parsteiner Endmoränenbogen und das Becken des Parsteiner Sees sind über die Region hinaus weit bekannt und gelten als sehr gut erforscht. Auch dank ihrer Besonderheiten ist die Landschaft sowohl ein Kerngebiet des Biosphärenreservates Schorfheide-Chorin als auch des Geoparks Eiszeitland am Oderrand. Zur Formation gehören der namensgebende Endmoränenbogen, in dessen Zentrum die Gletscher das flache Becken für den Parsteiner See schürften, die Grundmoräne, das Eberswalder Urstromtal sowie die Sander. Der mächtige Parsteiner Endmoränenbogen der sogenannten Pommerschen Phase der Weichseleiszeit untergliedert sich in Ziethener, Senftenhütter, Buchholzer, Choriner und Lieper Spezialbögen. red