Gesichter des Barnim
: „Ich bin ein unbelehrbarer Optimist“

Der Maler Alberto Jerez ist in seiner Wahl-Heimat Eberswalde angekommen. Von ihm stammt auch das Motiv für den Anteilschein, mit dem Geld fürs Fest in der Ruhlaer Straße gesammelt wird.
Von
Sven Klamann
Eberswalde
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  • Von der Fröhlichkeit seines Herzens inspiriert: Alberto Jerez steht inmitten seiner knallig bunten Bilderwelt im Atelier im Schöpfwerk. Der Wahl-Eberswalder ist von der Barnimer Kreisstadt im Wandel begeistert.

    Von der Fröhlichkeit seines Herzens inspiriert: Alberto Jerez steht inmitten seiner knallig bunten Bilderwelt im Atelier im Schöpfwerk. Der Wahl-Eberswalder ist von der Barnimer Kreisstadt im Wandel begeistert.

    Sven Klamann
  • Druck im Postkarten-Format: Dieses Gemälde von Alberto Jerez ziert die Anteilscheine fürs Fest in der Ruhlaer Straße.

    Druck im Postkarten-Format: Dieses Gemälde von Alberto Jerez ziert die Anteilscheine fürs Fest in der Ruhlaer Straße.

    Sven Klamann
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Was an Alberto Jerez als erstes auffällt, ist sein ansteckendes Lachen. Der Maler ist kein Witzereißer, der einen Schenkelklopfer nach dem anderen heraushaut. Aber selbst, wenn er über ernste Themen wie die vielen Kriegsherde auf der Welt oder den wieder erstarkenden Rechtsextremismus in Europa und in Deutschland spricht, verliert er dabei nie seine durch und durch positive Lebenseinstellung. „Ich bin ein unbelehrbarer Optimist“, verrät der Kolumbianer mit deutschem Pass, der immer an das Gute im Menschen glaubt. Und sogar Behördengängen, die anderen den letzten Nerv kosten würden, Pluspunkte abgewinnt.

Ein Beispiel gefällig? Seit drei Jahren lebt Alberto Jerez nicht ganz freiwillig von Hartz IV. Wenn er ins Jobcenter Barnim bestellt ist, trifft er im dortigen Wartebereich etliche frustrierte Zeitgenossen, die mit dem Handy die Zeit totschlagen, bis ihr Termin ran ist, oder die gelangweilt bis traurig an die Decke starren. Und was macht der darüber staunende Künstler stattdessen? Er füllt extra mitgebrachte Notizbücher mit Skizzen. Und merkt gar nicht, wie dabei die Minuten verfliegen.

Für die Errungenschaften des deutschen Sozialstaates ist Alberto Jerez dankbar. In Kolumbien sei die Existenznot gerade der Unterprivilegierten ungleich heftiger, räumt der Maler ein, der in Bogotá, der Hauptstadt seines Geburtslandes, aufwuchs. Dennoch werde er nie zu einem glühenden Anhänger des Kapitalismus mutieren. „Mich schmerzt das allgegenwärtige Profitstreben“, sagt Alberto Jerez, den nicht seine chronische Geldnot dazu treibt, auf kommerziellen Luxus zu verzichten. „Mir reicht wenig, um glücklich zu sein“, betont er.

Enger Kontakt zur Familie

Seit 27 Jahren lebt Alberto Jerez mit Unterbrechungen in der Bundesrepublik, seit elf Jahren in Brandenburg und seit vier Jahren in Eberswalde. Es war die Liebe, die ihn dazu gebracht hat, Kolumbien zu verlassen. „Ich habe in Bogotá eine Deutsche getroffen, die dort in sozial-kulturellen Projekten tätig war und Hals über Kopf mein Herz verloren“, blickt der Maler zurück. Für das Paar wurde bald darauf Bremen zur gemeinsamen Heimat. In der norddeutschen Hansestadt kamen die beiden Kinder, die heute 23-jährige Tochter und der heute 27-jährige Sohn, zur Welt. Und dort leben seine Frau, von der er sich vor drei Jahren freundschaftlich getrennt hat, und seine Tochter nebst Enkelkind, noch immer. Sein Sohn ist inzwischen in Berlin zu Hause.

„Die Familie hält weiter engen Kontakt zueinander, obwohl wir nicht mehr zusammenwohnen“, berichtet Alberto Jerez, dessen Bilder so knallig bunt sind, wie es die Fröhlichkeit seines Herzens ihm stets aufs Neue eingibt.

Der Maler, der im Barnim auch schon in der Kommunität Grimnitz in Joachimsthal gelebt und sich da an den bundesweiten Tagen des offenen Ateliers beteiligt hat, ist inzwischen mit seiner Kunstwerkstatt ins Schöpfwerk an der Schöpfurter Straße 5 in Eberswalde gezogen. Das Begegnungszentrum im Stadtteil Westend wird vom Hebewerk-Verein betrieben.

Kolumbien im Herzen

Sein Atelier gleicht von der Größe her eher einem Verschlag. Trotzdem passt eine derart hohe Zahl an fertigen oder im Entstehen begriffenen Gemälden an Wände und auf Staffeleien, das von einem Raumwunder gesprochen werden kann. Alberto Jerez, der für die Kunst lebt und überdies ein wahrer Lebenskünstler ist, darf das Atelier mietfrei nutzen und hält dafür das Schöpfwerk sauber und ordentlich. Und es kommt hin und wieder vor, dass er für die große Runde kolumbianisch kocht. Aber dies nicht etwa, weil er sich dazu verpflichtet fühlt, sondern weil er liebend gern unter Freunden ist.

Zu den jüngsten Arbeiten des Malers gehört sein  liebevoll gestalteter Entwurf für die Anteil-scheine, die von den Veranstaltern des Festes in der Ruhlaer Straße herausgegeben wurden, um die dritte Ausgabe der Fete am 28. September zu finanzieren. Wer fünf Euro ausgibt, trägt zur kulturellen Vielfalt des Festes bei – und bekommt einen Druck im Postkartenformat dafür, der eine idyllische Straßenszene zeigt.

Wenn Alberto Jerez nicht malt, frönt er vielleicht seiner zweiten Leidenschaft, der Fotografie.  Dann ist er zu Fuß. mit dem Fahrrad oder im Obus unterwegs, um seine Eindrücke von Eberswalde festzuhalten. Die Stadt im Wandel begeistert und inspiriert ihn.

Was in Kolumbien geschieht, beschäftigt den Wahl-Eberswalder, der ohne Abschluss Kunst und Architektur studiert hat, auch aus der Ferne brennend. Daher legt er viel Wert darauf, mit dort aktiven Menschenrechtlern in Verbindung zu bleiben.

Info: Zu Leben und Werkvon Alberto Jerez

José Alberto Jerez, so sein vollständiger Name, wurde 1962 in Bogotá, Kolumbien, geboren. Er hat als Mitarbeiter unterschiedlicher Vereine Workshops für Kinder, Jugendliche und Erwachsene ausgerichtet und jährliche Kulturfestivals organisiert. In Gruppen- und Einzelausstellungen waren Werke des Autodidakten unter anderem in Tübingen, Neckarsulm, Bonn, Jena und Halle zu sehen. Ihn bewegen Themen wie das Überleben im Bürgerkrieg, Migration und Völkerverständigung. Weitere Infos zum Künstler im Internet auf www.alverto.de.