Gesichter im Barnim
: Mit Hummeln im Hintern

Patricia Fischer ist eine von elf Busfahrerinnen bei der Barnimer Busgesellschaft. Sie hat 177 Kollegen.
Von
Sven Klamann
Eberswalde
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Gasgeben aus Leidenschaft: Patricia Fischer (36) war schon Fernfahrerin und ist seit anderthalb Jahren für die Barnimer Busgesellschaft im Einsatz. Am Lenkrad hat sie zehn Kolleginnen und 177 Kollegen.

Sven Klamann

Berlin hat den Internationalen Frauentag zum Feiertag erklärt. In Brandenburg muss die Weiblichkeit indes auch heute ran. Deshalb wollen wir mit dieser Ausgabe einige starke Frauen würdigen und vorstellen. Hier: Busfahrerin Patricia Fischer (36).

Darf man über eine Frau sagen, dass sie Hummeln im Hintern hat? Auf Patricia Fischer trifft diese Aussage, die keineswegs despektierlich gemeint ist, auf jeden Fall zu. Das kann kaum glauben, wer sie am Lenkrad eines Überlandbusses der Barnimer Busgesellschaft (BBG) bei der Arbeit beobachtet. Sie tritt beim Anfahren so behutsam aufs Gaspedal, dass sich ihr 18,75 Meter langer Gelenkzug, so das Fachwort, nach dem Stopp an der Haltestelle oder an der roten Ampel nahezu fließend wieder in Bewegung setzt. „Ein Kavalierstart wäre unangebracht. Schließlich ist es meine oberste Prämisse, dass es den Fahrgästen gut geht“, sagt die Wahl–Eberswalderin, die aus Frankenberg bei Chemnitz in Sachsen stammt, 2011 einer inzwischen verflossenen Liebe wegen in die Barnimer Kreisstadt zog und seit anderthalb Jahren als Busfahrerin arbeitet. Bei der BBG hat sie zehn Kolleginnen und 177 Kollegen.

Vorher hat Patricia Fischer die richtig großen Lastkraftwagen zu Zielen in Deutschland, England, Spanien oder Frankreich gesteuert, hat dabei das Gefühl der Macht über die schwere Technik genossen und drei Wochen am Stück aus dem Koffer gelebt. „Es war ein super Gefühl, den kompletten Hängerzug zu dirigieren“, blickt die Berufskraftfahrerin zurück, die schon als kleines Mädchen alles besonders faszinierend fand, was über einen Motor verfügte. „Ich habe zwar auch mit Puppen gespielt. Aber sobald ich groß genug war, um mit den Füßen an die Pedale zu reichen, gab es für mich nichts Tolleres, als im Beisein von Papa jedes Fahrzeug auszuprobieren, das mir begegnete“, verrät Patricia Fischer, die dennoch zunächst den Beruf einer Modenäherin erlernte. „Doch bereits in der Lehre war mir klar, dass dies auf Dauer für mich nichts ist“, sagt sie. So kam es, dass die PS–Liebhaberin im wahrsten Sinne des Wortes umsattelte.

Das Berufsleben auf Achse hat sie in vollen Zügen genossen. Und sich dann bewusst für einen Wechsel entschieden, weil sie endlich die Liebe ihres Lebens und damit den Mann gefunden hatte, mit dem sie gern eine Familie gründen würde. „Da ist es einfach besser, wenn ich jeden Abend nach Hause kommen kann“, betont Patricia Fischer, die mit den geteilten Diensten bei der BBG gut klar kommt. Immer wieder passiert es, dass sie nach einem Einsatz am Morgen oder am Vormittag bis zur nächsten Fahrt ein paar Stunden frei hat. Was andere stört, ist der Busfahrerin durchaus willkommen. „Ich flitze dann oft zwischendurch nach Hause, um meine 13 Jahre Hündin Kymba zu versorgen“, berichtet sie. Das Flitzen ist dabei durchaus wörtlich zu nehmen, obwohl sich die 36–Jährige natürlich streng an die Straßenverkehrsordnung hält. „Meine Fahrerlaubnis ist schließlich mein Kapital“, sagt Patricia Fischer, die mit ihrem privaten Sportwagen gern auch einmal einen Umweg vom Betriebshof in Nordend über Britz nimmt, bevor sie daheim nach dem Rechten sieht. Der zehn Jahre alte, schwarz lackierte Dogde Charger SRT–8 hat 432 Pferdestärken unter der Haube. geht ab wie eine Rakete und ist seit anderthalb Jahren ihr ganzer Stolz.

Wen wundert es da noch, dass Patricia Fischer ungern Obus fahren würde, weil der immer nur im Kreis unterwegs sei. Und dass sie ihren Freund zwar zum Angeln begleitet, aber selbst dabei kaum stillsitzen kann. „Am liebsten mag ich es, wenn er blinkert. Da ist dann Bewegung im Spiel“, gibt sie zu.(Seiten 15 und 16)