"Es summt und brummt dort den ganzen Tag", sagt Marina Radow. "Für viele Insekten und Vögel ist das ja wie ein Buffet da oben."
Mehrere Gewölberäume aus Beton verbergen sich unter einer bis zu vier Meter dicken Bodenschicht. Nur vom Grundstück aus ist die Fassade zu sehen – eine kaum mehr als raumhohe Fensterfront mit Kunstfelsmauern. Das Erdreich sorgt dafür, dass im Winter kaum geheizt werden muss und die Räume auch im Sommer angenehm kühl bleiben. "Kontinuierlich haben wir hier 17, 18 Grad. Das hat uns schon gereizt, so ein Haus, das so gut wie keinen Unterhalt kostet", sagt die 56-jährige Besitzerin.
Ursprünglich wollte sich das Paar im Hinblick auf ein schmales Auskommen einfach nur verkleinern. Marina Radow, die aus Richtung Hauptstadt vor 23 Jahren nach Groß Schönebeck zog, hat lange Zeit Obst und Gemüse auf Wochenmärkten verkauft. Ihr Mann Dietmar war Lagerverwalter in der Gebäudereinigung. "Das machen die Knochen nicht mehr mit", sagt der 57-jährige Frührentner. Radows verkauften ihren Hof, "Marinas Jägerheim", auf dem sie auch schon Feriengäste empfingen. Ihr Damwildgehege mit 1,5 Hektar Land behielten sie.
Um auf der Magerwiese bauen zu dürfen und auch, um Fördermittel zu bekommen, die sie schließlich nicht in Anspruch nahmen, sollten sie sich etwas Besonderes einfallen lassen. "Auf der Suche nach Ideen sind wir auf die Erdhäuser eines Schweizer Architekten gestoßen und waren davon total begeistert", erzählt Marina Radow. Hierzulande sind Erdhäuser noch eine Seltenheit. In Brandenburg, weiß die Schorfheiderin, ist ihr Domizil das erste Passiv-Erdhaus für Feriengäste überhaupt.
"Es wird auch das einzige bleiben", glaubt die Frau mit den zwei Zöpfen unterm Filzhut. Der Weg bis in die erste Feriensaison in diesem Jahr war steinig. Fünf Jahre habe es gedauert, alle Genehmigungen für den Bau zusammenzubekommen. Und anstelle eines Jahres habe der sich "aufgrund vieler Komplikationen" viermal so lange hingezogen wie geplant. Nachdem das Paar einen Architekten gefunden hatte, hoffte es auf eine schlüsselfertige Anlage. "Wir mussten aber alle Firmen selbst suchen und haben vieles selbst gemacht."
Nun bieten drei kleine Apartments jeweils zwei Feriengästen Platz, während Radows drei Erdhaus-Module selbst bewohnen. Dank Photovoltaik und einer Pflanzenkläranlage können sie sich weitgehend autark versorgen, sagen sie.
Die ersten Gäste sind seit Montag im Erdhaus. Nach der langen Bauzeit und dem coronabedingt späten Saisonstart ist Marina Radows Vorfreude auf die Urlauber groß. "Das hat mir sehr gefehlt – neue Lebensgeschichten hören", sagt sie. Sie hoffe auch, "noch mehr Menschenkinder zum Nachdenken anzuregen, anders zu leben – nachhaltiger, die Natur respektierend".