Hund in Eberswalde
: Warum Therapiehund Sammy ums Überleben kämpft

Eigentlich hilft der ausgebildete Therapie- und Begleithund Sammy anderen. Doch nun brauchte er selbst Hilfe. Was ist passiert?
Von
Laura Lückemeyer
Eberswalde
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Hund Sammy nach dem komplizierten Eingriff Zuhause bei Besitzerin Urte Kelm.

Hund Sammy ist nach einem komplizierten Eingriff wieder zu Hause bei Besitzerin Urte Kelm. Eine große Narbe ziert seinen Hundekopf.

Urte Kelm
  • Therapiehund Sammy aus Bad Freienwalde kämpft nach schwerer Pilzinfektion um sein Leben.
  • Behandlung kostete ca. 4.000 Euro – Crowdfunding und Spenden brachten Unterstützung.
  • 2.000 Euro kamen durch Spenden von Fremden, 2.000 Euro von der Hauskrankenpflege Camilla zusammen.
  • Nach erfolgreicher Behandlung ging es Sammy besser – doch die Symptome sind zurück.
  • Neue Diagnose steht aus; Urte Kelm ist dankbar für die bisherige Unterstützung.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

„Wer anderen hilft, dem wird auch geholfen.“ Dieses biblische Sprichwort soll dazu anregen, füreinander da zu sein. Meistens denkt man dabei jedoch an Mitmenschen und nicht an Tiere. Das Schicksal von Therapiehund Sammy zeigt jedoch, dass auch Tiere in schwierigen Zeiten Unterstützung erfahren.

Sammy ist ein sechs Jahre alter Mischling, der bei seinem Frauchen Urte Kelm aus Bad Freienwalde lebt. Das Besondere an Sammy? Er ist ein ausgebildeter Therapie- und Begleithund, wie auch Urte Kelms anderer Hund „Leila“. In den Schulferien - wenn sie nicht als Kunst- und Deutschlehrerin in einer Oberschule in Angermünde arbeitet und die Hunde nicht mit ihr zusammen in der Schule sind - sind sie Teil der Hauskrankenpflege Camilla in Eberswalde und Umgebung.

Berührende Momente mit Therapiehund Sammy

Eine Stunde schaut Urte mit ihren lieben Vierbeinern dann in der jeweiligen Einrichtung vorbei. Damit angefangen hat sie vor ein paar Jahren, als ihr Vater selbst noch Gast in einer der Pflegestellen war. Die Senioren haben dann Zeit zum Streicheln, Kuscheln und können Leckerchen verteilen oder den beiden dabei zuschauen, wie sie verschiedene Aufgaben mithilfe von Intelligenzspielzeug lösen. Und auch die Tricks, die Sammy und Leila können, bringen Freude. Neben den Standardkommandos, wie Sitz und Platz, können die Vierbeiner auch die Pfote geben, auf Kommando bellen, sich tot stellen und schlafen.

Die regelmäßigen Besuche von Urte, Leila und Sammy sind längst zu einem festen und freudig erwarteten Termin geworden, den keiner mehr missen möchte. „Wenn du einen Hund streichelst“, so Kelm, „werden ganz viele Glückshormone ausgeschüttet. Und das merkt man den Menschen an, sie strahlen diese Freude aus.“  Immer wieder gibt es solch schöne Momente zwischen den Hunden und den Senioren.

Hund Sammy aus Bad Freienwalde mit schwerer Krankheit

Besonders in Erinnerung geblieben ist Urte der Moment, als Sammy einer Seniorin, die im Wachkoma lag, Frischkäse von der Hand geleckt hat. „Die Hand, die vorher noch ganz verkrampft war, ist durch die Berührung ganz locker geworden und die Dame hat sie sogar geöffnet.“ Weiter sagt Urte: „Du kannst den Senioren mit dem Hund ganz viel Motivation geben.“

Hundebesitzerin Urte Kelm bei ihrem Besuch bei der Camilla Hauskrankenpflege in Hohenfinow. Von Links nach Rechts: Reinhold Kensbock, Urte Kelm, Gisela Beckmann, Elfriede Klingner, Marianne Hoffmann und die Hunde Leila und Sammy.

Hundebesitzerin Urte Kelm bei ihrem Besuch bei der Camilla Hauskrankenpflege in Hohenfinow. Von Links nach Rechts: Reinhold Kensbock, Urte Kelm (hinten), Gisela Beckmann, Elfriede Klingner, Marianne Hoffmann und die Hunde Leila und Sammy.

Laura Lückemeyer

Vor ein paar Wochen ging jedoch der Horror los. Sammy begann immer häufiger zu niesen. Ein harmloser Schnupfen, wie Urte Kelm erst dachte. Doch der Schnupfen ging nicht weg, auch nicht mit Antibiotika. Die Tierärzte machten eine Computertomografie (CT) und fanden etwas in Sammys Kopf. Eine Gewebeentnahme brachte den Aufschluss. Ein aggressiver Schimmelpilz befand sich in Sammys Stirnhöhle, der möglichst schnell medikamentös behandelt werden musste.

Eine komplizierte Behandlung stand bevor. Denn in Sammys Schädelplatte musste ein kleines Loch gebohrt werden, um so den Pilz wirksam zu bekämpfen. Doch Sammys Behandlung war nicht nur kompliziert, sondern auch teuer. Die Tierarztkosten beliefen sich auf circa 4.000 Euro. „Schon alleine das CT kostete mich 1.000 Euro“, entgegnet Kelm. Die Lehrerin hat zwar eine Versicherung, doch die übernimmt nur einen kleinen Teil. Eine schwierige Situation für Urte, finanziell, aber auch mental.

Unterstützung durch die Hauskrankenpflege Camilla

Um schließlich die Behandlung für Sammy zu ermöglichen, startete Kelm ein Crowdfunding. Für sie war klar: Sammy soll gesund weiterleben. Die Hoffnung auf Unterstützung zahlte sich aus.  „Als die ersten Spenden kamen, habe ich auf der Couch gesessen und einfach nur geheult. Das habe ich in der heutigen Zeit nicht erwartet, dass teilweise wildfremde Leute spenden. Es war unglaublich.“ Über 80 Menschen haben sich für Sammys Schicksal interessiert und wollten dem erst sechsjährigen Mischling unbedingt weitere Lebensjahre ermöglichen. Ganze 2.000 Euro sind so zusammengekommen.

Aber auch die Menschen direkt aus Urtes Umfeld wollten helfen. Heidi Kramer, Pflegedienstleitung bei der Hauskrankenpflege Camilla in Hohenfinow, startet so eine Spendenaktion. Die Hauskrankenpflege, die Pfleger und Pflegerinnen der Einrichtungen in Westend, Finow und Hohenfinow sowie die Senioren und Seniorinnen der drei Einrichtungen legten zusammen und sammelten 1.000 Euro für Sammy.

Und auch die Firma Tageskrankenpflege Camilla spendete noch einmal die gleiche Summe für den schwer kranken Therapiehund. Daraufhin wurde Urte zusammen mit Sammy in die Einrichtung nach Hohenfinow eingeladen, um den Spendenscheck entgegenzunehmen. „Ich war so berührt und sprachlos“, erzählt Urte. Sie habe da erst vom ganzen Ausmaß der Spendenaktion erfahren. Neben der Spendenschecks hat sie von den Senioren ebenfalls ein eingerahmtes Bild von Samy bekommen, auf dem im Hintergrund 50-Euro-Scheine klebten. „Total schön haben die Senioren das gemacht“, so Urte. „Ich brauchte mir dann keine Gedanken mehr machen, ob ich mir die Behandlung leisten kann. Ich bin einfach nur unendlich dankbar.“

Zwischendurch ging es Sammy wieder gut. Der Pilz konnte vorerst behandelt werden und der Mischling spielte, tobte und genoss sein Leben. Die Freude darüber war groß – nicht nur bei Urte, sondern auch bei allen, die geholfen haben. Lediglich die große Narbe auf Sammys Kopf zeigte, dass er in den vergangenen Wochen einen großen Eingriff hinter sich hatte. Sie erinnert aber auch an die gemeinschaftliche Unterstützung, die Urte und Sammy von vielen Menschen erfahren haben.