Die Gewerkschaft IG Bau fordert von der zukünftigen Regierung, dass mehr gebaut wird. Ist logisch, das bedeutet mehr Gewinn für die Branche. Das ist ganz normale Lobbyarbeit. Die IG Bau hat natürlich in einigen Punkten recht. Die Mieten steigen und immer mehr vom Nettolohn verschwindet in diesen Kosten. Sparen wird immer schwieriger. Das kann kein Zustand sein, das ist wohl den meisten klar. Aber ist immer mehr bauen die Lösung? Haben wir zu wenig Wohnungen? Oder liegt das Problem vielleicht woanders?
Vonovia, Deutsche Wohnen oder Akelius sind Gesellschaften, die zehntausende Berliner Wohnungen in ihrem Bestand haben und denen gerne der Vorwurf gemacht wird, sie würden systematisch Mieten steigern und somit zur Verdrängung wenig zahlungskräftiger Mieter, insbesondere in Großstädten beitragen. Die ziehen dann, unter anderem, in den Barnim.

Das Problem liegt in Berlin

Das Problem sind nicht zu wenige Wohnungen bei uns, sondern zu teure Wohnungen dort. Das ist der Punkt, wo die Politik ansetzen muss. Es braucht einen Mietendeckel! Bernau hat sich einwohnermäßig in den letzten 20 Jahren nahezu verdoppelt, Eberswalde legt seit einigen Jahren ebenfalls zu. Der Platz wird knapp – und wo Platz knapp wird, muss meist Natur weichen. Die Natur ist aber das Pfund, mit dem der nördliche Barnim wuchern kann.
„Wohnungen kann man wählen“, sagt die IG Bau. Das stimmt. Doch es ist ein Unterschied, ob man mehr Wohnungen wählt oder niedrigere Mieten.