Illegale Entsorgung: Tonnenweise Dachpappe in Barnimer Wäldern

Richtiger Ort: Zur Entsorgung von Haushalts- und Abrissresten sind die Wertstoff- und Recyclinghöfe, wie dieser in Eberswalde Ostend, die richtige Adresse. In den Wald gehören Dachpappe und Asbest auf jeden Fall nicht.
Thomas BurckhardtFür Mark Büttner, Sachgebietsleiter im Bodenschutzamt des Landkreises Barnim, ein Unding. „Wir kommen nicht mehr hinterher“, konstatiert er. Da helfen alle guten Hinweise und Aufklärung nichts. „Das geht oft so schnell, da kann unser mobiler Trupp der Barnimer Dienstleistungsgesellschaft mbH (BDG) nicht mehr reagieren“, berichtet er.
Höhere Tonnenpreise
Allein 2019 „sind insgesamt 526 Meldungen von den unterschiedlichsten Institutionen bezüglich illegaler Abfallablagerungen im Bodenschutzamt“ eingegangen, berichtet Büttner. Die Zunahme der teerhaltigen Dachpappen hat mit bundesweit gestiegenen Entsorgungspreisen zu tun. Da Teer und oftmals Asbest enthalten sind, schlägt eine Tonne mit Kosten zwischen 300 und 400 Euro zu Buche. Unbelastetes Material kostet bei Deponien zwischen 40 und 100 Euro je Tonne. Im Barnim gelten nach neuer Gebührenliste ab Januar 2020 für Kohlenteer oder Dachpappe mit weniger als fünf Prozent Störstoffen 325 Euro, mit bis zu 20 Prozent Störstoffen 406 Euro.
Doch viele Auftraggeber kontrollierten nicht, wohin die Abrissreste der Sanierungsobjekte verschwinden. Büttner verweist daher auf die App, die es von der BDG herunterzuladen gibt. Damit können zeitnahe GPS–Daten aller Funde gemeldet werden. Der Aufruf geht an alle Bewohner oder Spaziergänger im Wald, die etwas beobachten. „Meist fahren die großen Sünder gleich mit ihren Lkw vor und entladen ihre unsäglichen Abfälle in unsere Landschaft“, konstatiert der Sachgebietsleiter. „Die Hotspots sind uns bekannt, aber oft geschieht es nachts“, so Büttner. Auch die Termine zur Müllentsorgung kann jeder im Internet oder in den Amtsblättern finden. „Wenn wir für Hinweise nicht zuständig sind, dann leiten wir diese an die richtige Behörde weiter“, erläutert der Mitarbeiter der Kreisverwaltung.
Kooperation der Ämter
Dabei werden Elektrogeräte sogar kostenfrei angenommen, die Wertstoffhöfe stehen flächendeckend im Barnim zur Verfügung. Weitere sollen in diesem Jahr folgen.
In diesem Zusammenhang liegt es Büttner am Herzen, auf die Aushänge zu verweisen, die oftmals in den Gemeinden zum Einsammeln von Geräten, Bauschutt oder ähnlichem gemacht würden. „Diese sind illegal. Keine Firma erhält von uns die Genehmigung dafür“, fasst Büttner zusammen. Er wünscht sich, dass die Barnimer dafür mehr sensibilisiert würden und Firmen, die nur Elektrogeräte ausschlachten wollten und Reste in der Natur verteilten, nicht mehr bedient würden. Kostenfrei sei das am Ende auch für die Barnimer nicht, wenn gestiegene Kosten auf alle umgelegt werden müssten. Noch mehr Personal in mobilen Trupps, die an Wegesrändern aufräumten, sei da keine Lösung. „Unsere Müllstreife ist sehr aktiv, aber die Ferkel sind einfach in der Mehrheit“, stellt er klar. Die Armada der Müllpolizei sucht immer nach Hinweisen, aber oftmals sind die nicht mehr zuzuordnen. Auch Ordnungsämter, Forst, Polizei sowie Landeskriminalamt kooperieren mit der BDG.