In Erinnerung gebracht: Vergessener Sandmännchen-Vater
Unser Sandmännchen ist 60. Landauf, landab ließ man die legendäre Fernsehfigur jetzt zu ihrem runden Geburtstag hochleben. Und auch an jene, die das beliebte Gute-Nacht-Ritual mit dem noch immer munteren Müdemacher erschaffen haben, wurde in Funk und Fernsehen, im Internet und in nahezu jeder Zeitung wieder erinnert. Ein Name jedoch fehlte dabei meist, wie so oft schon bei ähnlichen Anlässen, stellt Rainer Klemke fest: der des Sandmännchen-Dichters Walter Krumbach.
„Natürlich ärgert mich das“, sagt Klemke, der zum 100. Geburtstag des Wahl-Groß Schönebeckers vor zwei Jahren mit dem Bürgerverein einen 70-seitigen Band über den Dichter herausgebracht und dafür umfangreiche Recherchen angestellt hat. Für ihn ist es aber auch ein erneuter Beleg: „Krumbach ist der unbekannteste bekannte Kinderbuchautor der DDR.“
Immerhin 98 Kinderbücher mit einer Auflage von zehn Millionen hat Walter Krumbach verfasst, davon viele in Groß Schönebeck, wo er die drei produktivsten Jahrzehnte seines Lebens verbracht hatte. In seinem Haus im Hirschweg 30 erfand er auch viele der Sandmännchenfiguren und legte ihnen Verse in den Mund: Mauz und Hoppel, Meister Nadelöhr und Borstel. Etwa 500 Abendgrüße habe Krumbach geschrieben, darunter allein mehr als 200 Fuchs- und Elster-Episoden, berichtet Sandmann-Forscher Volker Petzold in Klemkes Band.
Wie der Autor dennoch in Vergessenheit geraten konnte? „Bei den Empfängen der Oberen ließ er sich nie blicken“, ist Klemkes Antwort darauf. Andere Sandmann-Väter wie der Komponist Wolfgang Richter hätten Nationalpreise bekommen. Krumbach aber hatte keine Lust auf öffentlichen Rummel und legte keinen Wert auf Würden. „Er ging lieber in den Wald und ließ sich eine neue Figur einfallen.“ Selbst wenn auf den Platten mit Geschichten aus dem Märchenwald die Namen aller Mitwirkenden genannt wurden, blieb der Autor ungenannt. Und das setze sich eben bis in die Gegenwart fort.
Themenpfad mit QR-Codes
Groß Schönebeck aber erinnert an den Dichter. Neben der Publikation von Klemkes Krumbach-Band hat der Bürgerverein vor zwei Jahren auch einen Themenpfad angelegt. „Seitdem pilgern die Leute von Station zu Station. Das ist inzwischen eine Touristenattraktion hier geworden“, sagt Rainer Klemke. Die Texte für die neun Stationen kann man sich im Internet anhören und per QR-Code übers Handy abrufen.
Mit dabei ist natürlich auch die Geschichte des wohl meistgespielten Fernsehhits „Sandmann, lieber Sandmann“. Wegen des bevorstehenden Starts des West-Sandmanns am 1. Dezember 1959 musste für den Schnellstart des DDR-Pendants über Nacht auch das Lied her. Den Text habe Krumbach dem Komponisten Wolfgang Richter am Telefon durchgegeben, sagt Rainer Klemke. Der soll binnen drei Stunden die eingängige Melodie dazu geschrieben haben. Klemke fand bei einem Besuch der Witwe des Komponisten in ihrem Archiv noch die Originalschrift dazu.
Die Broschüre über Walter Krumbach kann man sich auf der Homepage des Bürgervereins herunterladen. Dort kann man sich auch die Stationen des Themenweges vorlesen lassen: www.grossschoenebeck.de.

