Das Gesangbuch müssen die Eberswalder nicht unbedingt mitbringen. "Aber gern einen Hut und einen Schirm", laden Björn Wiese, Torsten Pelikan sowie Dirk Panzlaff am 23. August an die Schwärze ein. Unter dem Motto "Mit Hut, Schirm und Musik" wollen sie das Eberswalder Zentrum ein Stück attraktiver machen. Zumindest für einen Abend. Attraktivität, davon sind die Drei überzeugt, sei nicht allein eine Frage der Einkaufsmöglichkeiten, der Geschäfte, sondern auch der Aufenthaltsqualität.
Beim Verweilen und beim Bummeln entlang der Schwärze heißen die Bäckerei Wiese, der Naturkostladen Globus sowie das Café am Weidendamm, jeweils nur einen Steinwurf voneinander entfernt, die Gäste willkommen. Die Orte präsentieren sich ab 18 Uhr in einem etwas anderen Licht. Vor allem aber mit Musik. Dazu haben sich die Geschäftsleute Udo Muszynski ins Boot geholt. Und die Stadt Eberswalde.
Es ist noch Geld im Topf
Mit der "Einzelhandelsrichtlinie" verfüge die Kommune über ein Instrument zur Förderung von Handel und Gastronomie sowie zur Revitalisierung der Innenstadt.  "Allerdings ist diese Richtlinie bislang wenig nachgefragt", so Björn Wiese. Das habe sie auf die Idee gebracht, etwas auf die Beine zu stellen. Das Wichtigste an der Aktion, die keineswegs eine Eintagsfliege bleiben muss, sei, "dass wir wieder etwas gemeinsam machen", findet Gastwirt Dirk Panzlaff. Und dass das Projekt "ganz unbürokratisch von der Verwaltung begleitet wurde". Die drei Akteure erhalten einen Zuschuss aus dem Stadtsäckel von knapp 2500 Euro. Einen 35-prozentigen Eigenanteil sowie die Werbung müssen sie allein finanzieren.
Georg Werdermann, der als oberster Wirtschaftsförderer der Stadt auch für Einzelhandel und Gastronomie zuständig ist, zeigt sich überzeugt: "Eine Stadt lebt von ihrem Image. Das aufzubauen, dafür braucht es einen langen Atem." Eberswalde habe aber, etwa mit "Guten Morgen" oder dem Weihnachtsmarkt, bewiesen, diese Beharrlichkeit zu haben.
Pro Jahr stehen über die Einzelhandelsrichtlinie 30 000 Euro zur Verfügung, davon 20 000 Euro für die Innenstadt und 10 000 Euro für Finow. Für 2019 seien noch nicht alle Mittel abgerufen worden, so Werdermann auf Nachfrage. Eine Einladung zur Kreativität also.
Kundenwünsche sind A und O
Am 23. August dürfen sich die Eberswalder zunächst auf Musik unterschiedlicher Stilrichtungen, etwa New Orlans Jazz, Dixieland, Country, Blues und Folk, freuen. Dazu auf ein paar kulinarische Überraschungen. Lichttechniker Henrik Schade wird die Orte in Szene setzen.
Torsten Pelikan, der am Samstag den 25. Geburtstag des Naturkostladens Globus feierte, wurde anlässlich dieses Jubiläums gefragt, was eine lebendige Innenstadt ausmacht und worin sein Erfolgsrezept liegt. Das A und O sei, "auf die Kundenwünsche einzugehen", so der 48-Jährige. Zweifellos werde der Wettbewerb härter. Auch in der Bio-Szene. Er versuche, "in Richtung Genuss zu gehen". Unter anderem mit eigenen Veranstaltungen. Sich von der beliebigen Masse abzuheben, das sei wichtig. Als Beispiel nannte Pelikan die Eröffnung des "Brandenburgers" an der Michaelisstraße. Wenig später habe McDonald’s zugemacht.
"Mit Hut, Schirm und Musik": 23. August, 18 bis 24 Uhr; Eintritt frei, mit Live-Musik

Kommentar: Höchste Zeit


Soll die Friedrich-Ebert-Straße zur Fußgängerzone umgestaltet werden? Manch einer sieht genau darin die oder eine Möglichkeit, die Innenstadt attraktiver, lebendiger zu machen. Sicher: Die Vorstellung, zwischen Markt und Ebert-Zentrum ungestört flanieren zu können, hat was. Doch schon stellt sich die Frage: Wohin flanieren? In eine Rathauspassage, in der Geschäfte ums Überleben kämpfen oder sich gar verabschieden? Wo es nicht zu übersehenden Leerstand gibt?

Die Zeit scheint (noch) nicht reif, um Autos aus dem Zentrum zu verbannen. Zunächst einmal gilt es, die Attraktivität weiter zu steigern. Punktuell gelingt dies durchaus schon. Etwa samstags bei "Guten Morgen" oder ansatzweise beim Wochenmarkt. Gerade deshalb sollte die Rathausspitze der Kritik der Markthändler ernst nehmen.

Die Geschäftsleute wiederum sollten über den Tellerrand schauen und gucken, wie man anderswo mit wachsender Konkurrenz und verändertem Konsumverhalten umgeht. Da reicht schon der Blick nach Bernau.  Die dortige Bahnhofspassage etwa versucht mit Live-Auftritten von Schlagersängern, mit Couponheft und Rabatt-Aktionen Kunden zu gewinnen. Für diesen Blick wiederum ist es höchste Zeit. Viola Petersson