Islam: Imam predigt in Turnhalle

Freitagsgebet im Brandenburgischen Viertel: Imam Ibrahim Jad (l.) predigt zu den Gläubigen, die sich in der REKI-Turnhalle getroffen haben. In einem abgetrennten Bereich dürfen auch die Frauen zuhören.
Sven KlamannNicht wenige von ihnen zieht es dafür in die Sporthalle des Vereins für Rehabilitations- und Kindertagesstättensport (REKI) an der Schorfheidestraße 30. Dorthin wird bereits seit Mitte März Woche für Woche zum Freitagsgebet eingeladen, das für alle Männer und für Jungen ab der Pubertät, die an Allah glauben, eine unabweisbare religiöse Verpflichtung ist und Frauen empfohlen wird. Bis zu 240 Gläubige sind dort schon zusammengekommen.
„Es ist nur fair, dass auch die Muslime, die unter uns leben, endlich einen Ort gefunden haben, an dem sie gemeinsam beten können“, sagt Jan Toron, der Vereinsmanager von REKI, der den noch kleinen Assalama-Moschee-Verein, dessen Hauptsitz noch in Bernau zu finden ist, in jeder Hinsicht unterstützt. Höflichere, zuverlässigere und ordentliche Mieter habe er noch nicht kennengelernt. Die Hallenmiete von 25 Euro pro Stunde werde pünktlich gezahlt. Und am Ende jeden Treffens werde aufgeräumt.
Geflüchtete fühlen sich heimisch
Der REKI-Manager ist dem Vereinsvorsitzenden Ibrahim Jad aus Syrien, zugleich Imam der muslimischen Gemeinde, und dessen Stellvertreter Mourad Mustafa Ahamas Riadh aus dem Irak überdies dabei behilflich, den Umzug des Assalama-Moschee-Vereins von Bernau nach Eberswalde vorzubereiten. Jan Toron schreibt dafür die Satzung um, kümmert sich um alle behördlichen Angelegenheiten und hat sogar die Verantwortung als Schatzmeister übernommen.
„Wir sind Herrn Toron für seine vielfältige Hilfe ungemein dankbar“, betont Mourad Mustafa Ahamas Riadh, der stellvertretende Vereinsvorsitzende. Im Umfeld von REKI sei den Muslimen überall Verständnis und Wohlwollen entgegengebracht worden. Das trage erheblich dazu bei, vor allem den Geflüchteten unter ihnen das Ankommen in Deutschland zu erleichtern.
Gläubige aus sieben Ländern sind sich bei den Freitagsgebeten im Brandenburgischen Viertel bereits begegnet. Bevor sie dem Imam genannten Vorsteher lauschen können, der arabisch predigt, haben sie nach vorgeschriebenem Ritual ihre Füße zu waschen. In Socken oder barfuß betreten die Männer die Turnhalle, in der sie ihre Gebetsteppiche 13 Grad südöstlich auslegen – in Richtung Mekka, der im westlichen Saudi-Arabien zu findenden heiligsten Stätte des Islams. „Nur Ältere, denen es schon schwerer fällt, sich auf den am Boden platzierten Teppich zu hocken, dürfen für weite Teile des Gebets auf der Bank sitzen bleiben“, erläutert der Vize-Vorsitzende des Assalama-Moschee-Vereins. Doch dann verbeugen sich nach Aufforderung durch den Imam alle Gläubigen und werfen sich Allah zu Ehren nieder. Wenige Frauen verfolgen den muslimischen Gottesdienst ebenfalls in der Turnhalle – hinter Trennwänden, die jedes Wort, jede live vorgetragene oder aus der Konserve eingespielte Musik, aber keinen noch so verstohlenen Männerblick zu ihnen durchlassen.
Polizei begleitet religiöse Treffen
Bisher wurde jedes Freitagsgebet durch die Polizei-Inspektion Barnim begleitet. Das ist vor allem eine Folge des Terroranschlags vom 15. März in Neuseeland, bei dem mindestens 49 Muslime getötet wurden. „Auch sehen wir es als unsere Aufgabe an, die Entwicklung im Auge zu behalten“, sagt Torsten Kulig, der Leiter der Polizei-Wache Eberswalde. Dies gelte für alle Veranstaltungen größeren Ausmaßes. Auch die Beamten hätten am bisherigen Verlauf der Freitagsgebete und der Ramadan-Zusammenkünfte nichts auszusetzen.
Für Jan Toron ist es Routine geworden, dass sich die Turnhalle regelmäßig in eine Moschee verwandelt. An den Anblick der zahlreichen vor dem Eingang zur Turnhalle abgestellten Schuhpaare hat er sich gewöhnt.
Kommentar: Ohne Offenheit geht nichts
Es ist anerkennenswert, dass weder der Vorstand der muslimischen Gemeinde noch die Eigentümer der für die Freitagsgebete zur Moschee umgewandelten Turnhalle ein Geheimnis aus den regelmäßigen religiösen Treffen machen. Nur weitgehende Offenheit kann helfen, Irritationen auszuräumen.
Dass sich erwachsene Männer im Gebet inbrünstig auf den Boden werfen, ist ein Anblick, den wir von keinem evangelischen oder katholischen Gottesdienst gewohnt sind. Insofern müssen Fragen erlaubt sein. Und sie sind es auch. Alle Beteiligten stehen Wissbegierigen Rede und Antwort. Barnims Muslime sind froh darüber, eine Heimstatt für ihren Glauben gefunden zu haben. Ein Tag der offenen Tür mit einer ausnahmsweise simultan vom Arabischen ins Deutsche übersetzten Predigt könnte helfen, die Akzeptanz weiter zu steigern.
Gerade vor den Wahlen wäre es das absolut falsche Signal, die in Eberswalde erst entstehende Tradition muslimischer Gottesdienste durch künstliche Aufregung überzubewerten und zu dramatisieren.⇥Sven Klamann
