Jubiläum: Keramikerin in Eberswalde seit 30 Jahren tätig
Vorbild Hedwig Bollhagen
Wie die Werke ihres großen Vorbilds Hedwig Bollhagen soll man ihre Schüsseln und Krüge sofort erkennen. „Hedwig Bollhagen war mit über 80 noch in der Werkstatt. Deshalb habe auch ich kein Problem mit dem Alter“, sagt Angelika Swodenk, die im Jahr ihres 30–jährigen Betriebsjubiläums auch noch 50 geworden ist.
Es ist ein Jubiläumsjahr, das durch Corona verhagelt wurde. Die Ausstellung zum runden Betriebsgeburtstag ließ sie aufgrund der Pandemie ausfallen. Härter trifft die Keramikerin aus dem Kiefernweg in Nordend allerdings der Wegbruch vieler Märkte in diesem Jahr. Der Lockdown zur Osterzeit — für Selbstständige, die ihre Handarbeit verkaufen müssen, der wirtschaftlich denkbar ungünstigste Zeitpunkt. Rostock, Thomsdorf, Potsdam, Alt–Marzahn — alles Adressen die sonst fest im Kalender stehen. An 15 bis 18 Wochenenden im Jahr ist die gebürtige Eberswalderin unterwegs, um ihre Waren feil zu bieten.
Der Markt in Römhild ist bislang nur verschoben worden. In der thüringischen Kleinstadt hat Angelika Swodenk ihr Handwerk erlernt, stellte anschließend in der Konsumgüterproduktion der Eisengießerei in Britz Kunsthandwerk und Gebrauchskeramik her und bildete andere aus. „Sparschweine waren damals der Renner und große weiße Übertöpfe“, erinnert sie sich. Ungefähr 20 Leute seien zu jener Zeit beschäftigt gewesen.
Mit der Wende war Schluss. „Ich wollte mich immer selbstständig machen. Nur der Zeitpunkt war damit fremdbestimmt“, sagt Swodenk. Sie machte eine Umschulung zur EDV–Sachbearbeiterin, arbeitete parallel im Büro der Wäscherei Targatz. Mit der Geburt ihrer Kinder 1994 und 1996 widmete sie sich ausschließlich dem Handwerk.
Ihre Töpferscheibe aus der Britzer Konsumgüterproduktion hat überlebt. Sie steht in der Ecke ihres Kellers und ist noch immer Ausgangspunkt für ihre Handwerkskunst. Mit Einstellung des Betriebs in Britz hatte Angelika Swodenk die Maschine gekauft und zeigt bei einem Werkstattbesuch, dass das Gerät tadellos funktioniert.
Sie bindet die Schürze um, greift ein Stück Ton so groß wie ein Hefekloß, klopft es mit den Händen weich und setzt den Klumpen auf die Drehscheibe. Bereits nach kurzer Zeit wird die Form eines Gefäßes erkennbar. Nach wenigen Minuten ist der Körper eines Kruges entstanden. Es ist der Teil der Produktion, der am schnellsten geht. Erst im Brennofen entsteht nach Lasur und Detailarbeiten das fertige Stück mit der endgültigen Farbe. Erster Brand bei 950 Grad, der zweite bei 1140 oder 1280 Grad.
Neue Ideen bleiben auch nach 30 Jahren nicht aus. Angelika Swodenk versucht sich an Porzellan. „Das ist feiner, weicher, schwieriger zu drehen“, sagt sie. Lampenschirme fertigt sie aus dem Rohstoff. Die ersten stehen zum Verkauf. Der bleibt trotz der Einschnitte im Jubiläumsjahr nicht gänzlich aus.
Mit Waschmaschinenmotor
Ihre Berufswahl bereut die Eberswalderin jedenfalls auch heute nicht. Wer dafür brennt und es vermag, den Nerv der Käufer zu treffen, dem würde sie auch heutzutage den Schritt empfehlen, diesem Handwerk professionell nachzugehen.
Sie selbst wusste früh, was sie wollte, hatte das nie praktizierte Hobby ihrer Mutter zum Beruf gemacht. Angelika Swodenks Vater baute seiner Frau eine Töpferscheibe. „Mit Waschmaschinenmotor“, erinnert sich die Tochter. Das Gerät funktionierte, wurde aber erst von ihr erweckt.



