Ernstfall Stromausfall Was zu tun ist, wenn es sprichwörtlich dunkel wird, das haben am vergangenen Samstag ehrenamtliche Helfer des Technischen Hilfswerks (THW), Mitarbeiter des Netzbetreibers E.dis und Beamte der Bundespolizei gemeinsam geprobt. Im Technologie- und Gewerbepark Eberswalde (TGE) wurde dafür eine Trafostation zum Übungsobjekt.
Die rund vierstündige Übung verlief ruhig, fast unspektakulär. Jedenfalls ohne Lärm und Aufregung und ohne Statisten, die aus Häusern gerettet werden müssen und deren unechte Wunden verarztet werden. Die insgesamt zwölf Teilnehmer, drei vom THW Eberswalde, vier von der Bundespolizei der Blumberger Abteilung und vier von der E.dis Netz GmbH, hatten vor allem technische Details im Blick. Während ihrer Übung schalteten sie die Trafostation in der Carl-Zeiss-Straße vom Stromnetz ab und sicherten die Versorgung durch ein Notstromaggregat des THW. "Wir sind in der Lage, durch Synchronisation eine unterbrechungsfreie Einspeisung auf das Niederspannungsfeld der Trafostation durchzuführen", erklärt Heiko Walluscheck, der Mitarbeiter der E.dis und gleichzeitig Ehrenamtler beim THW ist.

Trafostation liefert Notstrom

Die umliegenden Haushalte, die von der Trafostation abhängen, haben von der Übung am Samstagvormittag nichts mitbekommen. Ihre Versorgung sei die ganze Zeit störungsfrei, so Walluscheck. Um das zu gewährleisten, kontrolliert Daniel Förder, Gruppenführer der Elektrofachgruppe des THW Eberswalde, die technischen Details am Notstromaggregat, das sich auf einem etwa fünf Meter langen, dunkelblauen Lkw-Anhänger mit der markanten Aufschrift "Technisches Hilfswerk" befindet. Dort, wo normalerweise die Ladebordwand ist, sind verschiedene Messgeräte zu sehen, die an eine Versuchsanordnung im Physikunterricht erinnern. "Wir überwachen hier, wie viel Leistung wir für das Eberswalder Netz erzeugen", sagt Daniel Förder. "Gerade sind es 60 Kilowatt, wir wollen auf 140 Kilowatt hochgehen. Wir kontrollieren die Motortemperatur, der Öldruck pendelt sich gerade ein, die Spannungen sind okay", kommentiert er das Geschehen vor Ort.
Das Notstromaggregat auf dem LKW-Anhänger kann eine elektrische Scheinleistung von 175 Kilovoltampere erzeugen. "Damit können 20 bis 30 Haushalte mit Strom versorgt werden", erklärt Walluscheck. Er erinnert sich an den Sturm Xavier vor zwei Jahren. Damals hatte die E.dis das Notstromaggregat vom THW angefordert, um einige Dörfer im Oderbruch mit Strom zu versorgen. "Wir müssen uns auch in Friedenszeiten auf den Ausnahmezustand vorbereiten", so Walluscheck. Dass der sogenannte Ausnahmezustand brenzlig werden kann, habe der großflächige Stromausfall Anfang des Jahres in Berlin Köpenick gezeigt. Dort haben die Eberswalder Kameraden vom THW geholfen, die Notstromversorgung eines Krankenhauses zu überwachen. Daniel Förder spricht von einer "kritischen Infrastruktur", die beaufsichtigt werden musste. Daher hätten sich die Eberswalder und die Berliner Kameraden, die das Aggregat gestellt hatten, im Schichtbetrieb abgelöst.
Im Ausnahmezustand, so betont Heiko Walluscheck, sei dann der gewohnte Luxus schlagartig weg. Im Ausnahmezustand würden weder Wasser- noch Abwasserversorgung funktionieren. Beide Systeme hängen an Pumpen, die elektrisch betrieben werden. Die Toilettenspülung könne nur noch ein einziges Mal betätigt werden, erklärt er. Bei einem großflächigen Störungsfall – Heiko Walluscheck hat dabei einen deutschlandweiten Blackout im Sinn – könnte es bis zu acht Tage dauern, bis das Stromnetz wieder funktionieren würde. "Man kann nicht einfach den Schalter wieder umlegen", sagt er. Kraftwerke und Verbraucher müssten "parallel hochgefahren" werden, sodass die Stromerzeugung und Abnahme gleich sind.
Bei der Übung in Eberswalde waren der Stromkonzern Edis und die Bundespolizei ebenfalls mit eigenen Notstromaggregaten vor Ort, das mit einer elektrischen Scheinleistung von 100 Kilowattampere jeweils kleiner war als das vom THW. "Da beide Aggregate vom gleichen Hersteller sind, haben wir probiert, sie zu synchronisieren", erklärt Walluscheck. Auf diese Weise ließe sich mehr Leistung einspeisen.

Versuch macht klug

Geglückt ist der Versuch allerdings nicht, was am unterschiedlichen Baujahr und der ungleichen Steuerungstechnik lag. Zwischen beiden Anlagen liegen etwa zehn Jahre. "Doch nur beim aktiven Üben können wir solche technischen Schwachstellen auch aufspüren", zieht Heiko Walluscheck dennoch eine positive Bilanz. Bei der Übung im Eberswalder TGE sei es vor allem darum gegangen, das "gemeinsame Prozedere" kennenzulernen und das "Handling zu üben".