Kickboxen
: „Mino hat Nerven wie Drahtseile“

Mino Miguel Miserius vom Eberswalder Kickbox Team ist eins der größten Kickbox-Talente Deutschlands.
Von
Britta Gallrein
Eberswalde
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  • Beherrschte auch beim 15. Eberpokal seine Gewichtsklasse: Mino Miserius vom Kickboxteam Eberswalde

    Beherrschte auch beim 15. Eberpokal seine Gewichtsklasse: Mino Miserius vom Kickboxteam Eberswalde

    MOZ/Thomas Burckhardt
  • Auch eine Eberswalder Olympiahoffnung: Anastasia Hoffmann (l.) gratuliert Vereinskollegin Enrica Linke beim Eberpokal.

    Auch eine Eberswalder Olympiahoffnung: Anastasia Hoffmann (l.) gratuliert Vereinskollegin Enrica Linke beim Eberpokal.

    MOZ/Thomas Burckhardt
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Klar, dass Mino, der auch schon den Titel „Barnimer Sportler des Jahres“ verliehen bekam, auch beim Turnier seines eigenen Vereins am Sonnabend, dem 15. Eberpokal, so richtig abräumte und den Sieg in seiner Klasse holte.

340 Meldungen waren zu dem Turnier in der Sporthalle des Fritz-Lesch-Stadions eingegangen – so viele wie noch nie. 36 Vereine aus Polen, Dänemark und ganz Deutschland waren vertreten. „Kickboxen ist voll im Kommen“, weiß Lars Kremps. „Besonders, seit wir 2017 als olympische Sportart anerkannt wurden, ist die Nachfrage stark gestiegen. Unsere Gruppen sind alle voll“, erklärt er. Beim Eberpokal holten die 14 Eberswalder Kämpfer elf Gold-, zehn Silber- und sechs Bronzemedaillen – ein toller Erfolg für die Trainer Bruno Bohn, Ricardo und Lars Kremps.

Besonders zufrieden waren sie mit Mino Miserius. Der fing im zarten Alter von sechs Jahren mit dem Kickboxen an. Schon damals überzeugte der Grundschüler aus Eberswalde Trainer Lars Kremps mit seinem Willen. „Er setzt genau das um, was man ihm sagt und das ist entscheidend.“ Was Mino am Kampfsport gefällt? „Man kann damit wunderbar den Kopf frei bekommen und es macht mega viel Spaß.“

Zweimal pro Woche geht der knapp 1,60 Meter große Blondschopf zum Training, eine weitere Einheit absolviert er zu Hause, wo ihm die Eltern einen eigenen Trainingsraum eingerichtet haben. „Von meinem Trainer bekomme ich dazu einen Trainingsplan.“

Kopftritte gehören dazu

Beim Kickboxen darf man nicht empfindlich sein, auf der Tatami geht es oftmals ganz schön zur Sache. Auch Tritte mit dem Fuß gegen den mit einem Polster geschützten Kopf sind erlaubt. Mino ist es gewohnt, dass man auch mal etwas abbekommt. „Man übt das ja im Training extra so hart, dass man auch im Wettkampf so etwas einstecken kann.“ Eine extreme Verletzung hat er selber zum Glück noch nicht erlebt.

Nach zwei Jahren Training absolvierte der Grundschüler mit acht Jahren seinen ersten Wettkampf. Für Einsteiger gibt es die Newcomer-Klasse. Mino zeigte bereits hier sein Potential, konnte seine drei ersten Newcomer-Turniere alle gewinnen. „Ich war schon super aufgeregt davor“, erinnert sich Mino. Ein Umstand, der sich übrigens auch heute noch nicht wirklich gelegt hat. „Ich bin vor jedem Wettkampf aufgeregt – wenn auch nicht mehr ganz so doll wie früher.“

Minos Stärken bringt Trainer Lars Kremps auf den Punkt: „Was Mino besonders auszeichnet, ist seine Nervenstärke. Er bleibt immer beherrscht, das ist ein sehr großer Vorteil.“ Der Eberswalder Kämpfer verliert nie die Beherrschung, sondern bleibt seiner Linie treu. Dazu kommt seine enorme Schnelligkeit und Wendigkeit, die es dem Gegner schwer machen, ihn zu treffen. „Ich versuche immer, mit Köpfchen zu kämpfen. Dass ich nicht angreife, wenn es unpassend ist, sondern ruhig bleibe und dann erst reingehe, wenn die Distanz wirklich  passt.“

Quali für die WM steht an

In diesem Jahr will sich der Schüler des Gymnasiums Finow, der im vergangenen Jahr ins deutsche Nationalteam berufen wurde, wieder für die Europa- und die Weltmeisterschaft qualifizieren, die im September stattfindet. „Da aufs Treppchen zu kommen, das ist mein großes Ziel“, berichtet er.

Ein Ziel, das nach den Worten von Cheftrainer Lars Kremps absolut realistisch ist. Für Kremps ist sogar noch mehr drin: „Mino und unsere Anastasia Hoffmann haben Chancen, mal an Olympischen Spielen teilzunehmen“, ist er überzeugt.

Mischung aus mehreren Kampfsportarten

Kickboxen ist ein Kampfsport, der mehrere Techniken miteinander verbindet. Erlaubt sind hier Schläge mit Händen und Füßen wie beim Karate, dazu können auch Techniken aus dem Boxen eingesetzt werden.

Dennoch gibt es Regeln. So sind zum Beispiel Tiefschläge verboten sowie Schläge auf den Rücken oder auf den am Boden liegenden Gegner.

Pointfight heißt der Semikontakt-Wettkampf. Hier wird jeder Treffer am Körper des Gegners mit Punkten bewertet. Einen Punkt gibt es für eine Handtechnik zum Körper, drei Punkte erhält, wer den Gegner mit einer erlaubten gesprungenen Fußtechnik am Kopf trifft.