Kinder im Barnim: Wunschgroßeltern für junge Familien gesucht

Dass Großeltern mit ihren Enkeln spielen, ist aus verschiedenen Gründen nicht in allen Familien Normalität. Eine Initiative aus Eberswalde will dem Abhilfe schaffen (Symbolbild).
Friso GentschDie Zeit im Advent vor Weihnachten ist für viele Familien auch eine Zeit, in der Alt und Jung enger zusammenrücken. Großeltern lesen ihren Enkeln bei Kakao und Stolle Weihnachtsgeschichten vor. Viele Familien planen bereits gemeinsame Besuche auf dem Weihnachtsmarkt.
Doch es gibt Familien, bei denen ist der Kontakt zu den Großeltern aus ganz verschiedenen Gründen schwierig. Zum einen spielen menschliche Befindlichkeiten eine Rolle. Zum anderen ist oft auch die räumliche Trennung ein Aspekt, weswegen man sich nicht so häufig sehen kann, wie man vielleicht möchte.
Kontakt zu Großeltern nur zweimal im Jahr
Eva Henrici kommt gebürtig aus Hessen und hat in ihrem beruflichen Leben eine Menge erlebt. Von 2001 bis 2013 absolvierte sie die Offizierslaufbahn bei der Bundeswehr. Während dieser Zeit absolvierte sie ein Diplomstudium an der Universität der Bundeswehr in München im Bereich Pädagogik und war für sechs Monate in Afghanistan im Einsatz.

Eva Henrici hat das Projekt Wunschgroßeltern Eberswalde gegründet. Dadurch sollen potenzielle Omas und Opas an Familien vermittelt werden.
Stephan BackertNeben vielen weiteren Ausbildungen im Sozial- und Gesundheitswesen absolvierte sie ein Bachelorstudium im Bereich Soziale Arbeit an der Fachhochschule Potsdam. Seit 2021 lebt sie in Eberswalde und berät als Coach mit ihrem Unternehmen „Liebe trägt“ junge Eltern, die möchten, dass ihr Kind kitafrei aufwächst.
Da sie sich einmal auf die Suche nach Menschen begeben hatte, die die Großeltern-Rolle vor Ort in Eberswalde ausfüllen können, kam bei Eva Henrici der Gedanke auf, dass auch andere Familien davon profitieren könnten. Die Suche für ihre eigene Tochter war schließlich erfolgreich, auch wenn die Eltern von Eva Henrici sich an diese Situation erst gewöhnen mussten.
Teil des Bündnisses für Familie
Ende 2022 kam es dann zur Gründung des Projektes Wunschgroßeltern Eberswalde. Die Akademie Zweite Lebenshilfe und das Lokale Bündnis für Familie waren zunächst unterstützend tätig. Seit Dezember 2022 ist das Wunschgroßeltern-Projekt Teil des Eberswalder Bündnisses für Familie.
Das Projekt Wunschgroßeltern geht weit über normales Babysitting hinaus und beruht auf Gegenseitigkeit. „Es geht darum, die Generationen zusammenzubringen“, sagte Eva Henrici im Gespräch mit der MOZ. Echte Bindungen sollen entstehen. Ein Gedanke, der in beide Richtungen gilt. Als Beispiel nannte sie den Fall, wenn es Senioren schlechter geht, dass sich die Familien weiterhin besuchen und Hilfe anbieten.
Niedrige Hürden für Omas und Opas
Sowohl für die Familien als auch die potenziellen Großeltern sind die Hürden zur Teilnahme relativ niedrig. Es gibt keine Altersgrenzen, weder nach oben noch nach unten. Auch einzelne Omas oder Opas sind gern gesehen. Eine gewisse Rüstigkeit sollten die potenziellen Großeltern mitbringen und ganz viel Freude am Zusammensein mit Kindern.
Bei dem ersten Treffen gibt es Unterstützung durch Eva Henrici. Die Entscheidung für eine Patenschaft sollte erst nach einer Kennenlernphase getroffen werden. Sechs bis acht Wochen Zeit braucht es erfahrungsgemäß, bis eine Entscheidung darüber getroffen werden kann, ob die Wunschgroßeltern und die Familien zueinander finden.
Vom Seniorenbeirat bis zum Luisenplatzfest
Um das ehrenamtliche Projekt bekannt zu machen, hat Eva Henrici in den letzten zwölf Monaten einiges unternommen. Sie war beispielsweise in der Begegnungsstätte „Aufwind“, stellte das Projekt im Seniorenbeirat der Stadt Eberswalde vor und war vor kurzem auch beim Luisenplatzfest im Stadtteil Westend mit Flyern und Plakaten dabei.
Drei Eberswalder Familien haben durch das Projekt schon Wunschgroßeltern gefunden. Der Bedarf ist jedoch weitaus größer. Laut Eva Henrici gibt es ein ähnliches Projekt in Berlin, welches aber auch vor der Schwierigkeit steht, nicht genügend Großeltern zu haben. Allein in einer Telegram-Gruppe, die Eva Henrici betreut, gibt es weitere neun Eberswalder Familien, die gern Wunschgroßeltern hätten. Vielleicht ist das der sehnlichste Weihnachtswunsch, den so manches Kind hat.
Das Wunschgroßeltern-Projekt Eberswalde
● Ob jung, ob alt - Eva Henrici freut sich über alle Menschen, die gerne Großeltern sein möchten. Eine Kontaktaufnahme ist unter der E-Mail-Adresse kontakt@wunschgrosseltern-eberswalde.de möglich.
● Weitere Informationen gibt es auf der Projektwebseite wunschgroßeltern-eberswalde.de.



