Kommunikation und Kodex

Doch es gibt noch weitere Mechanismen, um Kinder, die im Barnim Sport treiben, vor Missbrauch zu schützen. Schon seit 2014 vergibt der Kreissportbund Barnim (KSB) sein Gütesiegel Kinderschutz, das Eltern und Angehörigen das Gefühl vermitteln soll, ihre Kinder seien im jeweiligen Verein des KSB gut aufgehoben. Die entsprechenden Urkunden erhalten nur die Vereine, die sich ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis für ihre Trainer einholen lassen.
"Wichtig ist aber auch die Kommunikationsstruktur im Verein", fügt der KSB-Vorsitzende Ronald Kühn hinzu. Denn möglicherweise stehe auch beim beschuldigten Mann aus Finowfurt nichts im Führungszeugnis, was auf kriminelle Absichten in Bezug auf Kinder schließen ließe. Im Verein müsse daher miteinander geredet werden. Mitglieder müssen einen Ansprechpartner vorfinden, an den sie sich wenden können. Die Funktionäre im Verein unterwerfen sich mit dem Gütesiegel außerdem einem Ehrenkodex des KSB, der die Souveränität des Kindes für unantastbar erklärt. "Nein heißt nein", laute einer der Grundsätze daraus.
Der Karateverein, in dem Enrico L. trainiert hat, ist kein Mitgliedsverein des KSB. Die Masse der Barnimer Sportvereine aber sei unter diesem Dach organisiert, meint KSB-Geschäftsführer Ron Jordan. 200 Mitgliedsvereine sind es aktuell. Etwa 40 davon verfügen über das Gütesiegel Kinderschutz. Das erscheint zunächst nicht viel, weiß der KSB-Vorsitzende Kühn. "Große Vereine, in denen viele Kinder trainieren, haben aber eines", sagt er und nennt deshalb noch eine andere Zahl. So seien etwa 4000 von 8000 Kindern und Jugendlichen in Barnimer Vereinen aktiv, die das Siegel erhalten haben.
Dass dieses nicht allein vor Missbrauch schützen kann, wurde bereits bei seiner Vorstellung vor sechs Jahren deutlich gemacht. Und offenbar scheint auch das durch den Isamu Karateverein praktizierte Vier-Augen-Prinzip beim Training wirksam gewesen zu sein. Dort sind keine Vorfälle durch L. bekannt. Trotzdem sensibilisiert der Fall die Sportszene.  "Wir haben die Nachricht mit großer Bestürzung vernommen und können Eltern nur empfehlen, genau hinzuschauen", sagt Ronald Kühn. "Wenn es ein komisches Bauchgefühl gibt, den Übungsleiter oder den Vereinsvorstand direkt ansprechen", rät er. Kommunikation sei das A und O.

Kostenlos für Ehrenamtler

Vereine, die das erweiterte polizeiliche Führungszeugnis einholen und somit ein Gütesiegel des KSB erlangen möchten, entscheiden im Übrigen selbst darüber, ob die im Dokument enthaltenen Informationen für die Beschäftigung eines Trainers relevant sind. Der Sportbund sieht die Zeugnisse nicht ein, sondern lässt sich lediglich bestätigen, dass diese vorliegen. Ein erweitertes Führungszeugnis muss im jeweiligen Einwohnermeldeamt der Person beantragt werden. Es kostet 13 Euro. Für Ehrenamtler in Vereinen ist es in der Regel kostenlos. So auch in Finowfurt, bestätigt die Schorfheider Gemeindeverwaltung.