Kinderuni
: Von Mammuts und Samenbomben

Hörsaal statt Klassenzimmer: Noch bis zum Freitag verfolgen an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde Kinder und Jugendliche Vorlesungen und Workshops.
Von
Ellen Werner
Eberswalde
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Handgemacht: Aus Tonerde, Erde und Blumensamen basteln Maximilian (v.l.), Elina, Elisabeth, Luisa und Emma Samenbomben. Die etwa walnussgroßen Kugeln säen die Fünftklässler vom Humboldt-Gymnasium in den nächsten Monaten aus. HNE-Studentin Alexandra Gundlach (l.) leitet den Workshop der Kinderuni an.

Ellen Werner

Unter anderem um Mammuts in Berlin und das Innere der Bäume ging es an Tag eins. Am Dienstag ist die 14. Kinder– und Jugenduni der Bürgerstiftung Barnim Uckermark eröffnet worden. Bis Freitag sind an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung rund 800 Schüler eingeschrieben.

Sich immatrikulieren? Nichts leichter als das. Einen Stempel gibt’s auf die Hand, und schon sind die Fünft– und Sechstklässler Studenten für einen Tag. Etwa 200 Mädchen und Jungen strömen am Dienstagvormittag ins Foyer der Eberswalder Hochschule für nachhaltige Entwicklung (HNE). Nach einer kurzen Einweisung verteilen sie sich auf vier Seminarräume und zwei Hörsäle. Kinder aus Eberswalde, Grüntal und Groß Schönebeck sind dabei, aber auch viele aus den weiter entfernten Uckermark–Orten. „Wir sind mit 30 Schülern hier“, sagt Axel Sommerfeld, Lehrer an der Grundschule Gartz. Gerade als Naturwissenschaftler schätze er das Angebot der Kinderuni. „Zu vielen Themen hat man schon einen Bezug über den laufenden Unterricht. Wenn man das belegen kann durch das, was hier passiert, ist das schon toll.“

„Ein Mammut in Berlin–Neukölln?“ heißt die 45–minütige Vorlesung, die die Gartzer ausgewählt haben. Es liest Professor Johannes Müller, Paläontologe vom Naturkundemuseum in Berlin, ein Forscher also, der sich mit Lebewesen beschäftigt, die in früheren Epochen der Erdgeschichte ausgestorben sind — neben Eberswalder Professoren lädt das Organisationsteam von HNE und Bürgerstiftung stets auch renommierte Wissenschaftler anderer Hochschulen zur Kinder–uni ein.

Unter anderem einen Mammut–Backenzahn und den Teil eines Stoßzahnes des Urzeittiers hat Professor Müller mitgebracht. Ihre Herkunft: Berlin–Neukölln, behauptet er. „Sowas kann man alles finden in Berlin und Brandenburg — und das ist gar nicht mal so selten“, zeigt der Wissenschaftler anhand einer Landkarte mit eiszeitlichen Fundstellen. „Rixdorfer Horizont“ nennen Forscher die Fundschicht, die in der Region besonders viele Fossilien birgt — benannt nach dem Berliner Bezirk Neukölln, der früher mal Rixdorf hieß.

Nebenher erläutert der Professor auch, wie es zu Eiszeiten kommt, ob der menschengemachte Klimawandel die nächste Eiszeit verhindert und wieso urzeitliche Tiere wie das Mammut ausgestorben sind. „Fast überall, wo der Mensch auftaucht, verschwinden die großen Tiere“, meist aufgrund von Bejagung, „gar nicht mal beabsichtigt“, auch das belegt Müller in seiner vielbebilderten Vorlesung und gibt so den Kindern Denkstoff mit. Ausgestorben ist etwa auch das unbekanntere Riesenfaultier und das Riesenwombat.

Parallel zu Müller geht es in einem anderen Hörsaal der „Neuen Forstakademie“ gerade darum, wie ein Baum von innen aussieht. Und im Haus nebenan besuchen die Junior–Studierenden Workshops zur „Nachhaltigen Entwicklung“. Das Konzept, die Vorlesungen auch mit Veranstaltungen im Seminarcharakter zu kombinieren, hat die Kinder– und Jugenduni neu aufgelegt. Es scheint aufzugehen. „Ich finde es gut, dass man nicht die ganze Zeit zuhören muss, sondern auch selbst was machen kann“, sagt Luisa Bernitz. Die Fünftklässlerin vom Humboldt–Gymnasium hat im Workshop "Pflanzenkunde“ Samenbomben gebaut.

Zugunsten des umfangreicheren Programms ist ein beliebtes Format der Kinderuni aus dem Vorlesungsverzeichnis jedoch vorerst verschwunden: der Familientag. „Wir haben uns aber vorbehalten, ihn im Laufe des Jahres noch zu veranstalten — und das Format vielleicht sogar häufiger anzubieten“, sagt Vera Clauder vom Organisationsteam.