Kino im Wandel der Zeit: Filmrollen haben in Eberswaldes Movie Magic ausgedient
In fünf Kinosälen muss zwischen den Vorstellungen gesaugt und der Müll weggeworfen werden. Schließlich sollen die Gäste alles sauber vorfinden. „Der größte Kinosaal hier hat 302 Sitzplätze und der kleinste 34.“, verrät Gordon Kastner. Erstaunlich ungewohnt ist das Gefühl, alleine im Saal zu stehen, denn Kino ist sonst ein Gemeinschaftserlebnis. Man lässt sich in die weinroten gepolsterten Sessel sinken und wartet darauf, dass der Vorhang aufgeht. Es wird getuschelt und gerätselt, was wohl passieren wird und neben sich hört man das Rascheln der Nachos– und Popcorntüten.
Nachdem der Abspann lief und die letzten Gäste den Saal verlassen haben, wird in Windeseile saubergemacht. Der Filmvorführer eilt nun wieder in die anderen Säle, um eventuelle Bild– und Tonprobleme festzustellen. Gibt es welche, geht es in den Vorführraum. Den zeigt mir Gordon Kastner natürlich auch, obwohl an diesem Abend alles reibungslos läuft. Jeder Kinosaal ist mit einem Vorführraum verbunden. Es ist dunkel und warm und ein Digitalprojektor, so groß wie ein Kühlschrank mit einem dicken Rohr direkt an die Lüftung angeschlossen, surrt vor sich hin.
Vorbei ist die Zeit der Filmrollen. Die Mitarbeiter bringen aus der Schatzkammer die alte Rolle eines Benjamin Blümchen–Films. Damals mussten sie vier Filmrollen aneinanderkleben und sie in die Vorrichtungen spannen. Ich erinnere mich an meinen ersten Kinofilm. Damals sah ich „Morgen Findus, wird´s was geben“, eine Verfilmung der „Kinderbuchreihe „Petterson und Findus“. In den 13 Jahren, die mittlerweile vergangen sind, hat sich natürlich einiges geändert. Mittlerweile schaue ich lieber Komödien mit Elyas M´Barek und eine Sitzerhöhung brauche ich auch nicht mehr.
Auch die Technik im Kino hat sich verändert. Genau am 13. Juni vor sechs Jahren musste der klassische Filmprojektor neuer Digitaltechnik weichen. Die Filme kommen heute auf Festplatten oder über Server in die Kinos. „Theoretisch können wir aus den Vorführräumen die Filme starten, aber in der Regel erledigen wir das vom Kassenbereich aus.“, erklärt mir Gordon Kastner.
500 Gläser Sekt
Als wir am Kassenbereich stehen, kann ich mir kaum vorstellen, wie es ist, wenn 500 Gläser Sekt für die Preview von Fifty Shades of Grey eingeschenkt werden müssen oder vor der Tür kleine Mädchen im Anna–und–Elsa–Fieber mit ihren Eltern warten. Die Mitarbeiter sind selbst große Kinofans. Ein Grundwissen über Filme sollte vorhanden sein, damit Fragen der Kinogäste beantwortet werden können, erklärt man mir. Gordon Kastner hat vor allem Freude am Kontakt mit den Menschen. So langsam trudeln diese dann auch ein. Während die Gäste in den Kinosälen in eine neue Welt eintauchen, wird die Zeit sinnvoll genutzt. Es werden Programmlisten erstellt, Filmplakate gewechselt, Pappaufsteller aufgebaut und die leckeren Knabbereien wieder nachgefüllt. Zum Schluss geht es nochmal in die Popcornküche, damit ich sehen kann, wie der klassische Kino–Snack hier zubereitet wird. Fett, Zucker und Mais werden in die Maschine gegeben und aus einer Öffnung springt das frische Popcorn in einen Behälter. Haften geblieben ist, neben dem Popcorngeruch an meiner Kleidung, ein freundlicher Eindruck von den Mitarbeitern und die Hoffnung, dass Elyas M´Barek vielleicht doch mal persönlich ins Eberswalder Kino kommt.



