Konzertorchester
: Musiker feiern Jubiläum mit Flashmob in Eberswalde

Das Brandenburgische Konzertorchester Eberswalde machte mit einer besonderen Aktion auf sein 75-jähriges Bestehen aufmerksam.
Von
Viola Petersson
Eberswalde
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  • Intervention im Grünen: Mit dieser ungewöhnlichen und nicht angekündigten Aktion erinnerte das Brandenburgische Konzertorchester Eberswalde am Freitag an die Gründung des Klangkörpers vor genau 75 Jahren.

    Intervention im Grünen: Mit dieser ungewöhnlichen und nicht angekündigten Aktion erinnerte das Brandenburgische Konzertorchester Eberswalde am Freitag an die Gründung des Klangkörpers vor genau 75 Jahren.

    MOZ/Thomas Burckhardt
  • Spontan fanden sich Zuschauer ein, die den Kurzauftritt der Eberswalder Musiker verfolgten.

    Spontan fanden sich Zuschauer ein, die den Kurzauftritt der Eberswalder Musiker verfolgten.

    MOZ/Thomas Burckhardt
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Freude, schöner Götterfunken ... Katrin Zimmermann spielt auf der Oboe die ersten Töne und bewegt sich Richtung Kirchenhang. Nach und nach stimmen ihre Kollegen vom Brandenburgischen Konzertorchester Eberswalde mit ein in die „Ode an die Freude“ aus Beethovens 9. Sinfonie. Bis alle Musiker vereint sind. Dirigent Urs-Michael Theus greift zum Mikrofon und erklärt den neugierigen Zuschauern die ungewöhnliche Aktion am Rande des Marktplatzes.

Eigentlich wollte das Brandenburgische Konzertorchester (BKE) am Freitag groß feiern. 1945 gegründet, wird es 75 Jahre alt. Doch Corona machte den Musikern einen Strich durch die Party(i)-tur. Statt eines opulenten Jubiläumskonzertes erlebten die Eberswalder einen Flashmob. Diese Überraschung zumindest ist gelungen. Dirigent Theus und seine Ensemblemitglieder machten sich und den Kreisstädtern damit genau am Geburtstag ein kleines Geschenk. Am 3. Juli 1945 nämlich hatte das „Städtische Orchester Eberswalde“ unter Leitung des legendären Max Reichelt seinen ersten öffentlichen Auftritt.

Gratis-Auftritte vor Heimen

Mehr Veranstaltungen wünscht sich auch das heutige Brandenburgische Konzertorchester. Allein: Aufgrund der Pandemie-Beschränkungen sind viele Konzerte abgesagt, der Terminkalender ist arg dezimiert. Am 7. Juni durfte der Klangkörper nach dem Lockdown im uckermärkischen Steinhöfel sein erstes Open-Air-Konzert geben. Steinhöfel steht am Sonntag erneut auf dem Programm. Das erste Konzert in Eberswalde ist für den 22. August avisiert. Das „Klassik Open Air“ im Rahmen der Veranstaltung „Offene Bühnen der Kulturen“. Ursprünglich auf dem Marktplatz geplant, werde man wahrscheinlich in den weitläufigeren Familiengarten umziehen, hieß es.

Der Choriner Opernsommer indes fiel komplett aus. „Don Pasquale“ von Donizetti werde auf 2021 verschoben. In Absprache mit der Klosterverwaltung sei es aber gelungen, drei Termine im September zu reservieren: vom 2. bis 4. September. Dort können die Konzertveranstaltungen nachgeholt werden. Die Proben laufen seit Mitte Mai, als erste Lockerungen zugelassen wurden. „Allerdings zunächst ohne Bläser“, berichtete Katrin Zimmermann, die Oboistin.

Und: In kleinen Formationen sowie mit großem Abstand spielten die Musiker in den vergangenen Wochen vor Seniorenheimen im Barnim. Gratis. Unterhaltung, für die die Bewohner sehr dankbar gewesen wären. Nun hoffen Theus und Co. wieder auf ein Stück Normalität. „Und das Jubiläum holen wir im kommenden Jahr nach. Dann feiern wir 75+1“, verkündete der Dirigent unter dem Beifall der Zuschauer, um sich mit dem Radetzky-Marsch von Strauß zu verabschieden.

Unerwartetes Wiedersehen

Höhen und Tiefen hat der Klangkörper auch in den vergangenen 75 Jahren durchgemacht. Und dabei so manche Herausforderung gemeistert. Peter-René Zimmermann, Kontrabassist und dienstältestes Orchestermitglied, kann sich noch gut an die Turbulenzen in der Wendezeit sowie Anfang der 90er-Jahre erinnern. Er trat genau 1990 dem Klangkörper bei. „Meinen ersten Kontakt hatte ich aber schon 1975 bei einem Schulkonzert im Westend-Theater.“

Unter den Zuschauern am Freitag war mit Hans-Jürgen Filter aus Berlin auch ein Ehemaliger. Früher Cellist beim BKE. Es „muss der siebte Sinn“ gewesen sein, der ihn und seine Frau „ausgerechnet heute nach Eberswalde“ führte. „Reiner Zufall“, so der 80-Jährige, der sich über das unerwartete Wiedersehen freute. „Erst gestern hatte ich Fotos aus alten Zeiten in den Händen.“

Für Stefano Mesaglio war die Intervention mit Beethoven in Eberswalde indes eine Premiere. „Ich fange eigentlich erst am 20. Juli im Orchester an“, verriet der italienische Geiger.