„Das hatte ich, glaube ich, noch nie“, grinst Torsten Maerz etwas verschmitzt. „Aber ich war halt sauer. Da darf man auch mal emotional sein. Da waren zwei kleine Aktionen, die mich halt aufgeregt haben.“ Der Schiedsrichter sah es nicht so locker und gab dem Preussen Eberswalde-Trainer kurz vor Spielschluss die gelbe Karte. Aufgeregt war Maerz auch direkt nach dem Spiel. Bis zur 90. Minute führte Preussen Eberswalde mit 1:0 durch einen Treffer von Kohei Suzuki (29.), ehe der FSV Bernau das Brandenburgliga-Spiel in der Nachspielzeit drehte und den Eberswaldern noch zwei Tore einschenkte. Das 1:2 tat den Preussen extrem weh, wie die versteinerten Mienen bei Spielern und Publikum nach dem Abpfiff zeigten.
Preussen Eberswalde gegen den FSV Bernau

Brandenburgliga Preussen Eberswalde gegen den FSV Bernau

„Das Spiel war ausgeglichen mit besseren Chancen für uns. Schade, dass der wir den Elfer in der zweiten Hälfte versemmelt haben. Das war ein Knackpunkt. Mit einer 2:0-Führung läuft das Ganze anders ab. Aber da hat Bernau dann nochmal Selbstvertrauen gewonnen“, so Maerz nüchtern über den Spielverlauf. Tatsächlich hatte Preussen die klareren Chancen. Bernau aber hatte die Richtigen Einwechselspieler. In der ersten Minute der Nachspielzeit schnappt sich der eingewechselte Pascal Lange das Leder, leitet weiter auf den ebenfalls eingewechselten Mamadou Sylla. Dessen Torschuss wird von Markus Lanzrath im Preussen-Tor noch abgewehrt, den Nachschuss setzte der ebenfalls eingewechselte Philipp Marcel Schmid dann ins Netz.

FSV mit kurzem Prozess in der Nachspielzeit

Nur Sekunden vor dem Abpfiff folgte dann die Preussen-Dämmerung. Einen Schuss aus der zweiten Reihe wehrte Keeper Lanzrath, der Stammtorhüter Pawel Kosarzecki vertrat, unglücklich ab, den Abpraller schoss Danny Blume eiskalt aus kurzer Distanz ins Tor. Was dann folgte, erinnerte an Meisterschaftsfeiern: Trainer, Betreuer und Mannschaftskollegen rannten aufs Feld, um Blume zu feiern und zu herzen. „Wahnsinn“, schrie FSV-Trainer aus voller Kehle und fiel mit den Knien und ungläubiger Miene auf den Boden, ehe er auf Blume zuraste um ihn vor Freude fast zu erdrücken.
Der Jubelschrei aus der FSV-Ecke beim Abpfiff dürfte dann auch im 30 Kilometer entfernten Bernau gehört worden sein. Mannschaftskapitän Damir Coric hatte den möglichen Sieg nie aufgegeben. „Klar, Eberswalde hatte die klareren Chancen, aber ich hatte nie das Gefühl, dass sie viel stärker waren. Ich dachte die ganze Zeit: Hier geht noch, verdammte Axt. Und wir haben es gezeigt, wir sind ein Team, das verdammt nochmal geil kämpfen kann.“ Auch Coric sieht in dem gehaltenen Elfmeter den Wendepunkt den psychologischen Wendepunkt. Für ihn ist daher auch Keeper Glenn Böhme einer der Männer des Tages. „Das war Hammer, er hat uns damit am Leben gehalten. Am ersten Tor war er nicht ganz unschuldig, aber damit hat er alles wieder Wett gemacht. Es ist ja nicht das erste Mal, dass er uns am Leben hält. Wir haben da einen Top-Mann hinten drin.“

Der Kampfeswille wird belohnt

Mit vier Siegen aus sechs Spielen liegt der FSV nun überraschend an vierter Stelle der Tabelle. „Das hätte keiner hier erwartet, dass wir so gut in die Saison starten“, gibt Coric zu. „Wenn man sieht, wie viele Spieler uns verlassen haben, wie wir uns umstellen mussten. Danny Blume hat wieder getroffen, er macht immer die entscheidenden Treffer. Er kam aus der Kreisoberliga zu uns. Was der hier abreißt, das hätte ihm kaum einer zugetraut. Wir haben eine junge Truppe. Aber es läuft, da sieht man, was mit Teamgeist und Zusammenhalt möglich ist.“
Dass es derzeit läuft, hat auch mit Coric zu tun. Als Mannschaftskapitän und Abwehrchef ist er Antreiber und Motivator. Coric strahlt mit jeder Bewegung auf dem Platz eine gewisse Aggressivität aus. Man sieht ihn meist grätschen, ordnen oder schreien. „Ja, die Stimme ist nach den Spielen meist heiser“, gibt er lachend zu. „Aber hey, das ist mein Job und ich liebe ihn.“