Auf einer will sich die Hermetia Baruth GmbH ansiedeln, auf einer anderen der Postdienstleister DHL erweitern. Insgesamt stehen zwölf Hektar freie Gewerbefläche in dem Eberswalder Areal unweit der Havel-Oder-Wasserstraße zur Verfügung.
Winterquartier bis April
Seit geraumer Zeit, das ist dem Geschäftsführer der Technischen Werke Eberswalde GmbH, Horst Schaefer, auch bekannt, leben auf den trockenen Flächen Zauneidechsen. Vor allem die Männchen der Echsenart leuchten in der Paarungszeit grün. Diese Eidechsen würden, berichtet Eberswaldes Dezernent Jan König nach einem Gespräch mit Schaefer, regelmäßig abgesammelt und umgesetzt. Schließlich stehen die Tiere auf der Roten Liste des Naturschutzbundes Deutschland und wurden zum "Reptil des Jahres 2020" gekürt. Sie gehören zu den bedrohten Arten und genießen daher besonderen Schutz.
In diesem Fall aber, berichtet Wolf im Kreisausschuss für Natur und Landwirtschaft, habe man die Fläche einfach umgegrubbert, gemulcht und so den Lebensraum zerstört. Die Untere Naturschutzbehörde, erläutert Sachgebietsleiter Kristian Stelze, habe den Sachverhalt intensiv geprüft und das Ganze der Staatsanwaltschaft in Frankfurt (Oder) übergeben.
Der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Ingo Kechichian, bestätigt: "Wir haben die Ermittlungen aufgenommen und haben die Polizeiinspektion Barnim mit den Ermittlungen betraut." Polizei-Sprecher Stefan Möhwald dazu: "Der Vorwurf lautet derzeit auf Verstoß gegen Artenschutzbestimmungen, festgehalten in §§44 und 71 Abs.1 Nr.1 Bundesnaturschutzgesetz."
Eberswaldes amtierender Wirtschaftsförderer Jan König sieht die Sache ebenso wie Bürgermeister Friedhelm Boginski etwas entspannter. Der sagt: "Es ist ein Gewerbegebiet, das für die Ansiedlung von Unternehmen vorgesehen ist. Wir sind froh, dass sich Hermetia als ein zukunftsfähiger Betrieb für unseren Standort entschieden hat." Auch König macht deutlich, dass Zauneidechsen schon immer auf den Flächen im TGE siedelten. Die Kriechtiere seien zum Zeitpunkt des Mähens der Fläche noch im Erdreich gewesen, wo sie ihre Winterquartiere haben, und erst im April herausgekrochen. "Den Tieren ist nichts passiert", macht er deutlich. "Wir müssen verhindern, dass Bäume wachsen. Deshalb wird regelmäßig gemäht und abgesammelt. Dass jetzt die Staatsanwaltschaft ermittelt, haben wir nicht gewusst." Es sei ein Spagat zu den nötigen Arbeitsplätzen, stellt König klar.
Künftig will Hermetia eine Larvenzucht betreiben. Sie ist Produzentin von proteinreicher Tiernahrung und ein Ableger der Katz Biotech AG, die seit 1992 nützliche Insekten für die biologische Schädlingsbekämpfung züchtet. Geplant war ein Standort beim PCK in Schwedt. Investitionskosten für einen Energieanschluss waren nicht wirtschaftlich darstellbar. Am TGE liegt Gas an, damit es die Fliegen in der Halle warm haben. Die Nähe zu Straße, Schiene und Wasser, auch für den Schiffstransport, ist ein Vorteil. Auf 80 000 Quadratmetern soll deshalb eine Produktionshalle errichtet werden. Von einer 60-Millionen-Euro-Investition mit 75 Arbeitsplätzen ist die Rede.

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