„Das Kombinat“ von Moritz Springer: Filmemacher aus Niederfinow beim Filmfest in München

Filmdreh für „Das Kombinat“: Über viele Jahre hinweg hat der Barnimer Filmemacher Moritz Springer das Kartoffelkombinat in München begleitet. Am Wochenende feiert die Dokumentation Premiere auf dem Filmfest in München. Der Kinostart ist für den 23. September geplant.
Moritz SpringerEin Dokumentarfilm versucht, die Wirklichkeit einzufangen. Er zeigt Situationen, Menschen und Dinge, die es in der Welt tatsächlich so gibt oder gegeben hat. Dokumentarfilme sollen die Realität widerspiegeln. Moritz Springer aus Niederfinow scheint sich in dem Genre bereits einen guten Namen gemacht zu haben. Sein neuer Film „Das Kombinat“ feiert am Samstag (24.6.) Weltpremiere auf dem renommierten Filmfest in München.
„Das ist schon Wahnsinn und eine Riesenfreude“, sagt er überwältigt von der Ehre. Und es ist eine Seltenheit, denn eigentlich ist das Festival für Spielfilme bekannt. Springer, der ursprünglich aus Starnberg stammt und in München aufwuchs, konnte sich bereits mit Filmen „Journey to Jah“ mit dem Reggae–Star Gentleman oder „Mein Opa, Karin und ich“ einen Namen in der Szene machen. „Aber das ist noch einmal eine ganz andere Hausnummer. Von so etwas träumt man als kleiner Filmemacher eigentlich nur“, so der 43–Jährige.
Umfangreiches Langzeitprojekt
Über neun Jahre begleitet der Dokumentarfilm das Kartoffelkombinat aus München auf seinem Weg zur größten solidarischen Landwirtschaft in Deutschland. Mit dem Gemüseanbau treiben die beiden Gründer aber eine viel größere Idee voran: eine Alternative zur kapitalistischen Produktionsweise zu finden. Doch der Weg dorthin ist steinig und plötzlich steht das Projekt auch kurz vor dem Scheitern. „Das ist ein wichtiger Aspekt“, bemerkt Springer. „Viele Filme zeigen oft nur die positiven Szenen. Ich wollte auch zeigen, dass der Weg, solch ein engagiertes Projekt in Angriff zu nehmen, auch sehr, sehr steinig sein kann.“
Das Kartoffelkombinat in München war bereits Teil der Dokumentation „Projekt A — Eine Reise zu anarchistischen Projekten in Europa“ aus dem Jahr 2015. Seitdem hatte er die Gruppe regelmäßig besucht. „Mich hat von Anfang an die Kombination von Pragmatismus und Idealismus fasziniert. Als solidarische Landwirtschaft hat das Kartoffelkombinat es geschafft, den Mitgliedern ein niedrigschwelliges Angebot anzubieten und so inzwischen 2000 Haushalte zu versorgen.
Gleichzeitig ist die Idee dahinter viel radikaler, als sie auf den ersten Blick wirkt. Es geht um Vergemeinschaftung von Produktionsmitteln, um die Hinterfragung globalisierter Lieferketten und gegen die Ausbeutung von Menschen und Natur.“
Grenzen und Widersprüche
Im klassischen Sinne handelt sich also um Kapitalismuskritik. Aber eben nicht nur um die Kritik, sondern um den Versuch, es anders zu machen. „Wir haben diesen Versuch acht Jahre lang mit der Kamera begleitet. Wie man sich vorstellen kann, war es nicht einfach, den Film zu finanzieren. Aber es hat sich gelohnt. Auch dank eines großartigen Teams“, blickt er zurück.
„In den Jahren ist viel passiert und auch wenn mich die Idee der solidarischen Landwirtschaft immer noch begeistert, zeigten sich Grenzen und Widersprüche. Wie das ebenso ist, wenn man tiefer eintaucht.“ Im Film gehe es so auch um die Probleme auf unterschiedlichen Ebenen: um die inneren, persönlichen wie auch die äußeren Herausforderungen.
„Projekte wie das Kartoffelkombinat sind Vorreiter in ihrem Gebiet, vieles wird zum ersten Mal probiert. Und wie im Film so schön gesagt wird, geht es jetzt darum, die Grundlagen zu schaffen, damit es andere einfacher haben. Denn der Wandel ist notwendig. In diesem Sinne würde ich mich freuen, wenn ihr euch den Film anschaut und auch helft, die Idee weiter in die Welt zu tragen“, ruft der engagierte Barnimer auf.

Hat sich einen Namen in der Filmbranche gemacht: Der junge Dokumentarfilmer Moritz Springer, der seit zehn Jahren in Niederfinow lebt.
Moritz SpringerDer Film soll im September in den deutschen Kinos starten. Springer fiebert dem Start schon entgegen. „Ich hoffe natürlich auf so viele Zuschauer wie möglich. Aber es ist natürlich ein Dokumentarfilm und kein Hollywood–Blockbuster. Zuschauerzahlen im fünfstelligen Bereich wären schon ein Riesenerfolg.“
Weitere Informationen zum Film gibt es auch auf Facebook und Instagram.

