Kunst
: Schöne Nymphe zieht ins Schorfheider Jagdschloss

Ein Bronzeguss der Nymphe von Fontainebleau ist im Museum zu sehen. Sie wurde einst im Auftrag von Hermann Göring angefertigt.
Von
Susan Hasse
Groß Schönebeck
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Premiere: Die Nymphe von Fontainebleau steht nun im Garten des Jagdschlosses. Helmut Suter (l.) und Schorfheides Bürgermeister Uwe Schoknecht enthüllten sie feierlich.

Thomas Burckhardt

Dabei blickt das vier Meter breite und zwei Meter hohe Bronzerelief, das nach dem Renaissance–Original angefertigt wurde, auf eine bewegte Geschichte zurück: Sie wurde nämlich 1940 im Auftrag von Hermann Göring angefertigt und stand drei Jahre im Rosenpark in seinem pompösen Landsitz Carinhall. Göring, Stellvertreter Hitlers und  Reichsmarschall war ein besessener Kunstsammler. Historiker beziffern den in den Jahren 1920 bis 1945 zusammengetragenen Bestand auf über 4200 Werke aller Gattungen. Allein in Carinhall waren tausende versammelt.

Als Göring 1940 den Pariser Louvre besichtigte und dort das vom Renaissance–Bildhauer Benvenuto Cellini geschaffene Bronzerelief entdeckte, gab er anschließend bei der französischen Traditionsgießerei Eugene Rudier den Nachguss in Auftrag. Das Kunstwerk zeigt eine Nymphe als Hüterin der Quelle im Wald von Fontainebleau. Zu sehen ist eine nackte Schönheit nach Art des klassischen, antiken Schönheitsideals, die eine Amphore hält. Umgeben ist die Schöne von naturalistisch dargestellten Tieren: Der Hirsch als König des Waldes, Wildschweine und Rehe sowie Jagdhunde. Der aufwendige Nachguss des Reliefs kostete umgerechnet 15.000 Reichsmark, was für damalige Verhältnisse viel Geld war. 1942 wird das 1,2 Tonnen schwere Kunstwerk mit einem Sonderzug in die Schorfheide auf den Waldhof Carinhall gebracht. Dort stand sie zusammen mit Plastiken des NS–Künstlers Arno Breker im Rosengarten.

Der Schorfheider Landsitz am Großen Döllnsee wurde kurz vor Kriegsende im April 1945 auf Befehl Görings gesprengt. Einige der tausend Kunstwerke wurden weggeschafft, andere eher per Zufall gerettet: So wurde etwa die Skulpturengruppe von Arno Breker im Döllnsee versenkt und 1991 von Tauchern geborgen. Sie stehen heute ebenfalls im Jagdschloss. Das Bronzerelief der Nymphe von Fontainebleau entdeckte 1946 ein heimischer Oberförster in seinem Revier und verwahrte es einige Jahre in der Oberförsterei Reiersdorf. Helmut Suter, Vorsitzender des Museumsvereins des Jagdschlosses und Heimatchronist, stieß bei Recherchen auf eine alte Fotografie des Reliefs in Reiersdorf und begab sich auf die Suche nach der schönen Nymphe. Fündig wurde er im Albertinum in Dresden. Dorthin wurde das Relief 1952 gebracht und lagerte seit Jahren im Depot. Nach Klärung der Herkunft und zweijährigen Verhandlungen mit den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden gelang es Suter die Dame als Dauerleihgabe für das Schorfheide–Museum zu gewinnen.

Fachtagung im Jagdschloss

„Wir freuen uns, dass die Nymphe hier in der Schorfheide zu sehen ist. Sie ergänzt die drei Breker–Statuen, die ebenfalls in der Ausstellung Kunst und Macht zu sehen sind“, so  Suter. Das Schorfheide Museum hatte am Donnerstag eigens zu einer Fachtagung eingeladen, in der über Kunst und Macht diskutiert wurde. Vor allem die Frage, wie mit der nationalsozialistischen Staatskunst umzugehen ist, wurde von den rund 40 Teilnehmern debattiert. Auch der französische Historiker Gilbert Titeux kam nach Groß Schönebeck. Er hatte in den französischen Archiven geforscht und Belege für Görings Auftragserteilung gefunden. Sogar die Zahlungsbelege waren noch da, erzählt Titeux. Das Bronzerelief der Nymphe sei weltweit der einzige Abguss des Collini–Originals. Von daher käme ihm eine kunsthistorische Bedeutung zu.

Die neue Bronzefigur ist täglich von 10 bis 12.30 und 13 bis 16 Uhr zu sehen. Einen Vortrag zur „Nymphe von Fontainebleau“ gibt es am 12. Oktober um 15 Uhr im Jagdschloss. Weitere Infos unter www.jagdschloss–schorfheide.de