Landwirtschaft: Neugrimnitzer sind Europas größte Angus-Rind-Züchter
Der landwirtschaftliche Betrieb ABP züchtet Charolais- und Angus Rinder in Neugrimnitz, Althüttendorf und Friedrichswalde. Beide Rinderrassen bringen hochwertiges Fleisch und sind bei Feinschmeckern in ganz Europa beliebt. Die Tiere werden in Mutterkuhherden gehalten. Auf den Grünflächen an allen drei Standorten stehen jeweils rund 300 Tiere. Von April bis November leben sie auf der Weide, erst im Winter geht es in die modernen Stallanlagen.
Seit 2007 ist das Unternehmen biozertifiziert. Da der Großteil der Weideflächen in Naturschutzgebieten liegt, sind die Vorgaben bereits sehr hoch. Der Schritt, in die Bio-Haltung zu gehen, war daher folgerichtig, erzählt Franz-Anton Berding, Miteigentümer der ABP. Der Unterschied zur Mutterkuhhaltung auf Weiden im konventionellen Bereich sei sowieso nicht gravierend. „Wir setzen auf komplette Kreislaufwirtschaft“, erklärt Nils Landmann. Das bedeutet, das Futter für die Tiere wird auf den eigenen Flächen produziert, aus Gras werden Heu und Silage für den Winter gemacht und der Dung wird wieder auf die Felder gebracht, um sie ertragreich zu halten. Das zweite Standbein des Betriebes ist der Getreideanbau. Auf Flächen, die für Ackerbau geeignet sind, wird Roggen, Gerste und anderes Getreide angebaut. Die größte Herausforderung ist aus Sicht des Betriebsleiters Landmann, mit dem Wasser zu haushalten. Die leichten Böden können wenig Wasser speichern, was die Erträge mindert.
Bedeutende Angus-Rind-Zucht
In Neugrimnitz findet allein Mutterkuhhaltung von Angusrindern statt. Auf den Weiden werden die Tiere nach Jahrgängen gehalten. Immer eine Altersklasse bleibt zusammen. Die Kälber werden, wenn sie männlich sind, mit rund neun Monaten und 280 Kilogramm Gewicht an Mastbetriebe in Deutschland verkauft. Die weiblichen Tieren werden ebenfalls als Mast- oder Zuchttiere verkauft oder bleiben auf dem Hof und werden selbst Muttertiere. Weibliche Zuchttiere gehen teils auch an Betriebe in Frankreich und Tschechien, so Nils Landmann.
Die ABP Neugrimnitz ist einer der größten Angus-Rinder-Züchter in Europa. Diese Rasse ist eine vergleichsweise langsam wachsende Rasse. Das Fleisch zeichnet sich durch eine kräftige rote Farbe und feine Fettmarmorierung aus. Angus-Rinder haben aus Sicht des Landwirts gute Zuwachsraten, ein ruhiges Wesen, gute Instinkte und sind wenig anfällig für Krankheiten. Auch der Wolf ist zunehmend ein Thema in Neugrimnitz: Bisher wurde Isegrim schon öfter gesehen, gerissen wurde allerdings zum Glück noch kein Tier, erzählt der Betriebsleiter. Erst jüngst wurde eine Herde von einem Rudel angegriffen. Um den Nachwuchs zu schützen, werden die trächtigen Kühe kurz vor der Geburt in den Stall gebracht.
Der Betrieb ABP hat in den vergangenen Jahren viel in die Anlagen und Ställe investiert und gehört zu den modernsten seiner Art. 22 Angestellte werden an den drei Standorten beschäftigt. Derzeit gibt es auch einen Auszubildenden und einen Praktikanten. Im nächsten Jahr kommt ein weiterer dazu. Nachwuchskräfte im landwirtschaftlichen Bereich zu finden, sei schwierig, so Nils Landmann, der in Göttingen Landwirtschaft studiert hat und 2012 die Betriebsleitung in Neugrimnitz übernahm. Die Neugrimnitzer arbeiten zudem mit der Uni Potsdam zusammen und unterstützen Forschungsprojekte. Diese Grundlagenforschung, die Zusammenhänge zwischen Mensch, Tier und Pflanzen erforscht, sei notwendig, da es im Agrarbereich viel Potenzial für Verbesserungen gebe. Die Agrarbranche sei im steten Wandel. Da sei es wichtig, nicht im Hamsterrad zu verharren, sondern sich positiv weiterzuentwickeln.

