Gegen Sorgen, schlechte Laune oder generell miese Stimmung hat Axel Wendorf ein perfektes Mittel: Laufen! Denn das, weiß der 79-Jährige, ist nicht nur gesund, bringt Herz und Kreislauf auf Vordermann und hilft gegen Übergewicht, es steigert auch das allgemeine Wohlbefinden. „Laufen macht süchtig“, weiß der Rentner aus Lichterfelde, der das beste Beispiel dafür ist, dass es nie zu spät ist, mit dem Ausdauersport anzufangen.
Für Axel Wendorf begann alles mit einem Unfall. Im Alter von 50 Jahren splitterte ihm der Beckenknochen ab. „Ich hatte damals Angst, überhaupt nicht mehr gehen zu können, weil ich ganz schön gehumpelt bin.“ Wendorf beschloss, das Laufen zu trainieren – zunächst heimlich. „Zu DDR-Zeiten war Laufen nicht populär. Was rennt denn der durch die Gegend, hätten die Leute da gesagt.“ Daher zog er sich abends in der eigenen Garage um und lief heimlich in Richtung Sportplatz. „Ich hab immer geguckt, ob einer da steht. Wenn ja, bin ich lieber in den Wald gelaufen.“
Wendorf fand schnell Spaß am Laufen. „Ich habe gemerkt, dass es mir danach besser geht“, berichtet der Barnimer, der bis dahin im Kanu-Rennsport aktiv war und mit Laufen keine Erfahrung hatte. Schnell nahm der Lichterfelder auch an Wettkämpfen teil. Er beteiligte sich mit an der Organisation des Schwärzesee-Laufes, den es – mit wechselnden Organisatoren – bis heute gibt und den die Abteilung Stahl Finow Kanu seit 2006 wieder organisiert.

Den Kopf wieder frei bekommen

Für Axel Wendorf hat Laufen nicht nur eine gesundheitsfördernde, sondern auch eine wichtige mentale Aufgabe. „Ich muss zur Erholung abends nochmal die Schuhe anziehen. Nach getaner Arbeit im Garten ist immer wieder mein Motto: Der Körper ist noch nicht reif zum Duschen. Also renne ich noch ein Stündchen und dann geht es mir gut.“ Wenn er mal schlecht gelaunt sei, sage seine Frau inzwischen zu ihm: „Willst du nicht nochmal die Laufschuhe anziehen?“ „Man bekommt einfach bei nichts anderem den Kopf so gut frei wie beim Laufen“, findet Wendorf.
Bei allem Spaß war der Lichterfelder aber auch immer ehrgeizig. „Wenn man Sport macht, dann kommt innerlich ein Jagdtrieb auf. Den hat jeder. Man muss nicht Sieger sein, aber man will sich natürlich immer verbessern und steigern.“ Zum Beispiel, um einen Marathon absolvieren zu können. „Ich bin der Meinung, das sollte jeder mal gemacht haben, um zu merken, was so alles im Körper weh tun kann“, sagt er lachend.
Unter den vielen Marathons, die in Deutschland angeboten werden, hat er einen großen Favoriten: den Rennsteig. Die berühmte Strecke im Thüringer Wald hatte er in seinem Einstiegsjahr als Läufer zum ersten Mal gesehen – als er Sportler aus seinem Verein Stahl Finow zum Start fuhr. „Ich dachte vorher immer, als Marathon-Läufer muss man ein Spitzenathlet sein. Dort habe ich dann gemerkt: Die Läufer sehen alle aus wie ich – das sind ganz normale Leute.“ Axel Wendorfs Ehrgeiz war geweckt. Ein Jahr später ging er selber bei dem Cross-Marathon an den Start – und schaffte den anspruchsvollen Kurs.

Niemals einen Lauf abgebrochen

Stolz ist der 79-Jährige darauf, noch nie einen Lauf abgebrochen zu haben. „Ich habe immer durchgehalten“, sagt er grinsend. „Aber die Sterne müssen auch günstig stehen an so einem Tag.“
Im Training läuft Wendorf schon bald nicht mehr alleine – er findet Mitstreiter, mit denen er zusammen unterwegs ist. Das Gesellige ist es auch, das für ihn den Sport so attraktiv macht. „Bei den kleineren Läufen geht es nicht nur um gute Zeiten. Man hilft sich gegenseitig. Dem Verlierer klopft man auf die Schulter, weil man weiß: Das nächste Mal könntest du das sein.“
Inzwischen absolviert Axel Wendorf nur noch kürzere Läufe. Vor allem bei dem Barnimer Sparkassen Lauf Cup ist er regelmäßig am Start. Dort ging er bei acht Wettbewerben auf die Strecke und kassierte über dreimal die volle Punktzahl. Damit hat der Lichterfelder in seiner Altersklasse den ersten Platz belegt.
Der gelernte Tischler Wendorf, der zuletzt in der Bildungseinrichtung Buckow lernbehinderte Gehörlose ausgebildet hat, würde gerne noch mehr Menschen für sein Hobby begeistern. Nachwuchs brauche man, aber auch für ältere Menschen sei es meist nicht zu spät, mit dem Hobby anzufangen.

Den Schweinehund zu überwinden ist möglich

Zwei- bis dreimal pro Woche schnürt er auch heute noch die Laufschuhe, ist auf verschiedenen Strecken rund um sein Haus für eine Stunde unterwegs. Den inneren Schweinehund zu überwinden, fällt ihm nicht schwer. „Mir hilft der Gedanke daran, wie gut sich das anfühlt, wenn man danach fertig und geduscht ist. Man kommt aus der Dusche als anderer Mensch, als zufriedenerer Mensch.“
Laufen will er, so lange der Körper es mitmacht. „Ich wünsche mir, dass mein Schutzengel noch lange die Hand über mich hält.“

Gute Schuhe sind wichtig, eine High-Tech-Laufuhr erst einmal nicht


Mit kleinen Strecken sollte man beginnen, wenn man noch nie gelaufen ist, empfiehlt der Routinier Axel Wendorf. „Nicht nach der Zeit laufen.“

Viel Equipment brauche es zu Beginn nicht, betont der 79-Jährige. „Ich weiß, dass das sehr angesagt ist, aber teure Laufuhren sind zu Beginn nicht nötig. Gut sitzende Schuhe dagegen sind sehr wichtig.“

Einzig ein Brustgurt mit Pulsmesser könne eine gute Hilfe sein, um zu überwachen, wie hoch der Puls sei. (Anm. d.Red.: Laut Faustformel soll während des Trainings der Pulswert bei 180 minus dem Lebensalter liegen. Ungeübte Läufer sollten sich im Zweifelsfall eher nach unten orientieren. Ein Check beim Arzt ist für ältere Einsteiger ratsam.). „Die einfachen Pulsuhren mit Brustgurt sind nicht teuer und die sind meiner Erfahrung nach von den Werten genauer als was eine reine Uhr misst.“

Ein Handy mitzunehmen, rät Axel Wendorf allen Läufern. „Vor allem, weil man ohne Handy nicht aufzufinden ist, wenn mal etwas passiert.“

Ein müder Muskel lässt sich nicht trainieren. Diesen Leitspruch gibt Axel Wendorf auch Lauf-Anfängern mit auf den Weg. „Nicht überziehen, lieber langsamer und länger laufen.“