MOZ-Interview
: Hochschul-Präsident Vahrson: „Wir brauchen dringend mehr Fläche in Eberswalde“

Seit 22 Jahren ist Wilhelm-Günther Vahrson Präsident der Eberswalder Hochschule für nachhaltige Entwicklung. Was er noch vorhat und wo es hakt, beantwortet er im Interview.
Von
Andrea Linne
Eberswalde
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  • Buntes Treiben: 2200 Studierende hat die Hochschule Eberswalde HNE inzwischen und 370 Mitarbeiter, davon 66 Professoren.

    Buntes Treiben: 2200 Studierende hat die Hochschule Eberswalde HNE inzwischen und 370 Mitarbeiter, davon 66 Professoren.

    Thomas Burckhardt
  • Präsident: Professor Wilhelm- Günther Vahrson

    Präsident: Professor Wilhelm- Günther Vahrson

    MOZ/Thomas Burckhardt
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Herr Vahrson, Sie haben noch ein Jahr Amtszeit als Präsident der Eberswalder Hochschule für nachhaltige Entwicklung (HNEE) vor sich, ehe Sie sich mit 65 Jahren zurückziehen wollen. Worauf legen Sie aktuell Ihre Arbeitsschwerpunkte?

Da gibt es eine ganze Reihe von Baustellen. Prioritär sehe ich den Aufbau eines Biosphärenreservat-Instituts (BRI) vor uns. Fünf Doktoranden haben wir bereits eingestellt, drei Professuren kommen neu hinzu. Auch einen neuen internationalen Masterstudiengang auf Englisch planen wir, Biosphere Reserves Management. Das ist ein neuer Schwerpunkt, an dem viele Kollegen aus Eberswalde, aber auch anderer Unis, wie zum Beispiel der Leuphana Universität Lüneburg, mitwirken. Im September wollen wir mit diesem Studiengang starten. Ein weiterer berufsbegleitender Masterstudiengang geht im Feld der BNE, Bildung für nachhaltige Entwicklung, im September an den Start. Er hat die internen Genehmigungen der Hochschule und wird beim Brandenburger Forschungsministerium beantragt. Wir hoffen auf viele Studierende, die sich immatrikulieren möchten. Daneben gibt es große Aktivitäten in Forschung und Transfer. „Wissen, Innovation, Region“ heißt ein großes BMBF-Projekt, das auf regionale Innovationspotenziale abzielt. Aber auch auf internationaler Ebene passiert viel: Im Rahmen des renommierten Programms „HAW international“ arbeiten zurzeit vier Kollegen mit dem Deutschen Akademischen Austauschdienst DAAD zusammen. Der Schwerpunkt liegt auf Ländern wie Laos, Vietnam, Myanmar und Kambodsha.

Nach Ihrer Wiederwahl 2018 haben Sie erklärt, dass Sie sich des Themas Digitalisierung besonders annehmen möchten.

Es gibt eine gemeinsame Einrichtung der Brandenburger Hochschulen, das Zentrum für Digitale Transformation. Gemeinsam erörtern wir dort die Fragen, wie Forschungsinformationssysteme künftig anzugehen sind. Innerhalb der HNE bereiten wir außerdem einen neuen Internetauftritt vor. Das Ganze wird reformiert und umgebaut. Wir wollen verschiedene Professuren einbinden, die sich zurzeit schon in den Berufungsverfahren befinden, unter anderem für den Bereich Fernerkundung und Geografische Informationssysteme (GIS). Im Ausschreibungsverfahren befindet sich zudem eine Professur für Big Data Analysis. Damit können wir uns noch stärker dem Thema der Digitalisierung nähern. In unserem Studiengang Forest Information Technology, der sehr affin für diesen Bereich ist, aber auch in der gesamten Hochschule ist Digitalisierung ein großes Thema: Unter dem Titel Wirtschaft 4.0 kooperieren wir daher mit verschiedenen Betrieben.

Es habe keinen Sinn, Massen an die Hochschulen zu bringen, sagte eine frühere Landesbildungsministerin. 75 Millionen Euro hat die Landesregierung auf die Rahmenfinanzierung der Hochschulen gepackt, um auch die Grundfinanzierung je Studierendem zu verbessern. Wie sieht es mit der Qualität in Eberswalde aus?

Es gab tatsächlich deutliche Verbesserungen, die uns auch sehr zugute gekommen sind, das muss man sagen. In den vergangenen beiden Jahren gab es jedoch keinen Grundaufwuchs im Grundhaushalt unserer Hochschule, sondern in der Förderung von Projekten. Über das FH-Programm des Landes Brandenburg werden unter anderem Promotionen an Fachhochschulen gefördert.

Der Landesforst soll in Eberswalde neue Gebäude beziehen. Frei werdende Kapazitäten am Waldcampus könnte die Hochschule nutzen. Aber eigentlich bräuchten Sie mehr.

Wir brauchen unbedingt Flächen. Das Defizit, das wir ermittelt haben, liegt bei über 4000 Quadratmetern Nutzfläche, die uns für inzwischen 2200 Studierende fehlen. Deshalb mieten wir Liegenschaften in der Umgebung, ohne wirklich die Haushaltstitel dafür zu haben. Wir geben Geld für Immobilien aus, die wir vom Land gestellt bekommen sollten. Deshalb müssen wir auf dem Waldcampus bauen. Dazu gab es schon einmal eine Diskussion. Die Flächenauswahl korrigieren wir nun und untersuchen verschiedene Möglichkeiten. Aber uns fehlen nicht nur neue Flächen, sondern uns belasten auch Gebäude, die oftmals nach der Wende in sehr schlechter Qualität saniert worden sind. Eine Vollsanierung bei Freizug des Gebäudes unseres Fachbereiches für Wald und Umwelt ist dringend geboten. Deshalb müssten wir jetzt eigentlich schon weiter sein. Leider benötigt der Hochschulbau heute einen sehr langen Vorlauf. Selbst wenn wir alle Mittel und Flächen samt Planungen beisammen hätten, würde es noch mindestens drei Jahre brauchen.

Wo hakt es genau?

Wir brauchen technische Flächen, Laborflächen. Auch ein Audimax fehlt uns, um unseren Studierenden größere Vorlesungen zu bieten. Das Haus Schwärzetal, das wir dafür zurzeit nutzen, ist nicht optimal. Es fehlen auch Seminarräume und sehr viele spezialisierte Bereiche. Zum Beispiel für moderne Holzanalysegeräte, die komplette Baumstämme computertomografisch durchleuchten können. Diese Spezialgeräte brauchen Platz, der uns fehlt. Den Antrag für diese Geräte bereiten wir dennoch schon vor.

Wie ist die Zusammenarbeit in dieser Frage mit der Stadt und dem Landeskompetenzzentrum Forst Eberswalde (LFE)?

Die Zusammenarbeit ist sehr gut, und wir helfen uns gegenseitig. Beim Flächenbedarf kann uns aber auch das LFE wenig helfen. Die Flächen, die vom LFE genutzt werden, sind größtenteils Büros, die dem Denkmalschutz unterliegen. Größere technische Geräte könnten wir dort nicht einbauen. Die Zusammenarbeit auf dem Campus, nicht nur mit der LFE, sondern auch mit dem Thünen-Institut, ist sehr fruchtbar. Eine möglicherweise in Südend angesiedelte Landesforstverwaltung lässt sich übrigens über einen Waldweg in weniger als zehn Minuten mit dem Fahrrad erreichen. Die LFE wäre also nicht weit von der Forstverwaltung entfernt.

Die Stelle des Präsidenten ist bis 15. März öffentlich ausgeschrieben. Möchten Sie ihren Nachfolger noch einarbeiten?

Ich stünde prinzipiell dafür bereit. Aber ich sehe bei solchen Parallelzeiten auch große Probleme. Jemand neues möchte auch Neues bewirken. Mein letzter Arbeitstag an dieser Hochschule ist der 28. Februar 2021, für eine gute und strukturierte Übergabe bin ich selbstverständlich bereit.

Zur PersonWilh.-Günther Vahrson

Professor Dr. Wilhelm-Günther Vahrson, geboren im Mai 1955, studierte Geografie und Mathematik und promovierte 1985 in Berlin. Nach einer Gastprofessur in Costa Rica ist er seit 1993 am Fachbereich Landschaftsnutzung und Naturschutz der Fachhochschule Eberswalde tätig. 1995 wurde er Professor für Landschaftskunde, 1998 Präsident.⇥li