Mützenstau
: Zollfrage verzögert Hilfsaktion

Um die 40 000 Mützen haben Frauen aus Eberswalde und Umgebung schon für arme Kinder gestrickt. 20 000 sind noch auf Lager.
Von
Marco Marschall
Eberswalde
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  • Der Mützenberg wächst: Bei der Zählung im Dachgeschoss der Rathauspassage haben die Frauen aus Eberswalde und Umgebung die Kopfbedeckungen wieder auf einen Haufen gestapelt. 4368 sind seit der Abholung 2018 entstanden.

    Der Mützenberg wächst: Bei der Zählung im Dachgeschoss der Rathauspassage haben die Frauen aus Eberswalde und Umgebung die Kopfbedeckungen wieder auf einen Haufen gestapelt. 4368 sind seit der Abholung 2018 entstanden.

    Marco Marschall
  • Auf nach Bamberg: Frank Schmitz vom Hilfsverein nimmt einen Sack Mützen entgegen und packt ihn in den Transporter.

    Auf nach Bamberg: Frank Schmitz vom Hilfsverein nimmt einen Sack Mützen entgegen und packt ihn in den Transporter.

    Marco Marschall
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Jedes Jahr jagt ein Rekord den des Vorjahres. 10 808 Mützen für Kinder in Indien und anderen Armenregionen der Welt haben die Frauen aus Eberswalde und Umgebung im vergangenen Jahr gestrickt. Jedes Jahr kommen Mitglieder des Vereins FriendCircle WorldHelp mit einem Transporter  aus dem 500 Kilometer entfernten Bamberg in die Barnimer Kreisstadt, um die mit den wärmenden Kopfbedeckungen vollgestopften Säcke abzuholen. Das Deutsche Rote Kreuz unterstützt die Aktion und richtet die Treffen mit aus. In dieser Woche war es wieder soweit. Im Dachgeschoss der Rathauspassage lauschten die fleißigen Frauen den Reiseberichten von Alexandra und Frank Schmitz, die die Wollmützen wieder an zahlreiche Bedürftige weiterreichen konnten. „Nun müssen wir ein bisschen bremsen“, bedauerte Frank Schmitz.

Noch 20 000 auf Lager

Die Tausenden von Mützen müssen schließlich auch in die asiatischen Länder. Bisher hatten sie die Mitglieder des Hilfsvereins im Fluggepäck mitgenommen. Doch selbst bei mehreren Gepäckstücken pro Person, baut sich der Berg im Mützenlager in Bamberg nicht ab. 20 000 der handgemachten Kopfbedeckungen, so schätzt Frank Schmitz, würden dort noch lagern. Zwischenzeitlich war die Lösung schon zum Greifen nah. Ein Fahrradgroßhändler aus der Nähe von Bamberg und mit Geschäftsbeziehungen nach Indien wollte einen Schiffscontainer sponsern.

In Indien verteilt der Verein die Mützen und andere Spenden in Lepradörfern und Armenvierteln der kühleren Gebirgsregionen. Sie vom Container ins Land zu bringen, wäre kein Problem. Lkw ließen sich kostengünstig mieten, erklärt Frank Schmitz. Doch er befürchtet, dass die Mützen am Hafen festgesetzt werden. Sie brauchen in dieser Größenordnung eine Zollbefreiung. Einen geringen Betrag pro Mütze anzusetzen, wäre ebenfalls denkbar. Allerdings befürchtet Frank Schmitz, dass der indische Zoll bei mehr als 10 000 Produkten deutscher Handarbeit zu einem Spottpreis, skeptisch reagiert.

Im Grunde, so schildert er es den Strickerinnen in der Rathauspassage, geht es um eine Garantie, um ein Stück Papier und jemanden der sich kümmert. Bisher sei der Verein von einem zum nächsten Behördenmitarbeiter weitergereicht worden und das ohne Ergebnis. Trotzdem will er den Damen ihren Enthusiasmus nicht nehmen. „Es geht trotzdem weiter. Nur langsamer als wir wollen“, erklärt er. Der Besuch der Bamberger in Eberswalde wird nun ein Jahr ausgesetzt. Möglicherweise kann die Zollfrage in dieser Zeit geklärt werden.

Mit 2000 Mützen angefangen

Ist der Container verschifft, kann die Rekordjagd weitergehen. Angefangen hatte alles 2012 mit 2000 Mützen. Die kurz zuvor aus Thüringen nach Eberswalde gezogene Elke Siegemund hatte die Aktion initiiert und die Bamberger in die Kreisstadt geholt. Seitdem wurden es bei jeder Abholung mehr, bis sogar die Zehntausender–Marke geknackt wurde. Bei der Zählung am Mittwoch kamen die Damen auf 4368 Mützen — allerdings wussten sie im Vorfeld, dass sie sich aus Kapazitätsgründen zurückhalten müssen. „200 habe ich dieses Jahr nur gemacht“, sagt die 89–jährige Irmgard Eisfeld. Zwischen den zurückliegenden Abholterminen hatte sie 800 Kopfbedeckungen gefertigt. Möglich, dass sie, sobald das Mützenlager wieder leer ist, erneut zur Bestform aufläuft.

Wie groß die Wertschätzung für das Engagement der mehr als 50 Strickerinnen aus Barnim und Uckermark ist, zeigten auch diesmal wieder die Reisefotos und Berichte des Hilfsvereins. Kinder mit bunten Wollmützen in Indien, Nepal und Laos wurden den Frauen über einen Beamer gezeigt. Genauso wie erschütternde Schicksale und Lebensverhältnisse der Landesbewohner, die zum Teil nur in mit Plastikplanen abgedeckten Behausungen wohnen.