Musikschule Barnim
: Gestörte Harmonie

Kritik am Leiter, Mediationsverfahren, zehn Weggänge von Mitarbeitern – hinter der Musikschule Barnim liegt kein leichtes Jahr.
Von
Marco Marschall
Eberswalde
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Wohlklang oder Misstöne? Durch Erfolge bei Wettbewerben wie „Jugend musiziert“ hat sich die Kreismusikschule in der Vergangenheit oft ausgezeichnet. Hinter den Kulissen war das Zusammenspiel offenbar schwieriger.

Thomas Burckhardt

Mit 2018 ist auch ein schwieriges Jahr für die Kreismusikschule zu Ende gegangen. Langjährige Mitarbeiter haben die Einrichtung verlassen. Ein Mediationsprozess sollte das Verhältnis zwischen Leitung und Angestellten kitten.

Veränderungen an der Kreismusikschule haben die Öffentlichkeit längst erreicht. Wie bereits berichtet, hat Chorleiterin Christine Arnold die Einrichtung nach 26 Jahren verlassen. Mitglieder ihrer Ensembles waren ihr gefolgt. Über die Gründe schweigt sie. Ein ehemaliges Mitglied des Chors spricht von Diskrepanzen zwischen Chorleiterin und Musikschulleiter.

Wie es aus dem Eberswalder Orchester der Schule heißt, ist nun auch dessen Leiter Niels Templin nicht mehr dabei. Markus Wortmann, Trompeter im 15 bis 20-köpfigen Ensemble bedauert das und weiß um das schwierige Verhältnis zwischen Orchesterleiter Templin und Musikschulleiter Christian Schommartz. „Er mochte Herrn Templin nicht“, sagt Wortmann. Und das habe sich auf die Arbeit der Musiker ausgewirkt. „Es war regelmäßig der Fall, dass die Pauken der Musikschule für Auftritte nicht benutzt werden sollten, obwohl sie zu den Konzertterminen verfügbar waren“, erklärt der Trompeter. Erst im Sommer zu „Musikschulen öffnen Kirchen“ in Klein Ziethen soll das der Fall gewesen sein. Wortmann deutet das als Schikane. Außerdem seien Konzerttermine ohne Angabe von Gründen verlegt worden, Wertschätzung für erfolgreiche Projekte ausgeblieben.

Drei Festangestellte und sieben freie Mitarbeiter haben die Kreismusikschule 2018 verlassen. Weitere, die mit Jahresbeginn aufhören, gibt es laut Pressestelle des Landkreises nicht. In entsprechender Zahl seien neue Kräfte gekommen, wird versichert, beziehungsweise liefe ein Neubesetzungsverfahren. Im Dezember sind 16 Festangestellte und 49 freie Mitarbeiter an der Schule tätig. Eine dauerhafte Verminderung des Angebots gebe es nicht, aber zeitweilige Unterrichtsausfälle. Die Schülerzahl verringere sich durch den Weggang der drei festen Kräfte vorübergehend. Die hohe Fluktuation der Honorarkräfte wird mit geringen Verdienstmöglichkeiten und sozial schlechter Absicherung erklärt.

Vom Personal äußert sich offiziell niemand. Doch ein etwa ein Jahr alter Brief an den damaligen Landrat Bodo Ihrke lässt vermuten, dass mehr hinter den Weggängen steckt. Im Schreiben, das dieser Zeitung vorliegt, wird dem Musikschulleiter ein spaltender Führungsstil vorgeworfen. Das Arbeitsklima sei von Misstrauen, persönlichem Rückzug und belasteter Kommunikation geprägt. Innerhalb der Schule sei jegliches Forum zur Meinungs- und Teambildung abgeschafft.

Der Brief trägt laut Landkreis die Namen von 20 Personen. Darunter elf damals Beschäftigte. Neun Unterschriften gehörten schon damals ehemaligen Kräften, Schülern oder seien nicht lesbar, heißt es. Dass Schüler unterschrieben haben, wird von anderen Quellen vehement bestritten.

Der Brief löst 2018 ein Mediationsverfahren aus, um die Wogen zwischen Musikschulleiter und Mitarbeitern zu glätten. Wie mehrere Quellen bestätigen, ist es nicht das erste. Teilerfolge werden von einigen nicht verneint, andere sehen keine Veränderung. Wie es seitens des Landkreises heißt, seien teambildende und organisatorische Maßnahmen, die sich aus der der Mediation ergeben haben, noch nicht abgeschlossen. Wie mehrere Quellen bestätigen, sei unzufriedenen Mitarbeitern im Rahmen der Gespräche auch die Option der Kündigung aufgezeigt worden.

Musikschulleiter Christian Schommartz will sich auf Anfrage der Zeitung nicht äußern und verweist an die Pressestelle des Landkreises. Dort wird nicht auf alle Fragen geantwortet. Stattdessen gibt es ein Statement des neuen Landrats Daniel Kurth, der zunächst die musische Ausbildung im Barnim, die Erfolge bei Wettbewerben und die ausgezeichnete Arbeit der Lehrkräfte lobt. „Allerdings sage ich auch ganz klar, dass eine öffentliche Debatte über die vermeintliche Unzufriedenheit Einzelner mit mir nicht stattfinden wird. Das ist der absolut falscheste Weg“, so Kurth. Seinem Vernehmen nach trage die Mediation Früchte, wovon er sich in einer Lehrerkonferenz überzeugen wolle.