Die bundesweiten Warnstreiks der Beschäftigten im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) am Dienstag führten auch in Eberswalde zu erheblichen Einschränkungen für die Fahrgäste. Gut 80 Prozent der Busse blieben auf dem Gelände des Betriebshofs der Barnimer Busgesellschaft (BBG) in Nordend stehen, schätzte der dortige Betriebsratsvorsitzende Marcel Schröder. Bedient wurden lediglich die drei Stadtlinien.

Mehr Urlaub, bessere Bedingungen für Auszubildende

Hintergrund der Arbeitsniederlegung ist der anhaltende Tarifkonflikt um die Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten im ÖPNV. Laut der Vereinigten Dienstleistungsgesellschaft (Verdi) soll mit dem bundesweiten Streik der Druck auf die Arbeitgeber erhöht werden. Die Gewerkschaft fordert einen Rahmentarifvertrag, der für bundesweit rund 87.000 Beschäftigte zu einheitlichen Regelungen führen soll. Die geforderten Inhalte umfassen unter anderem 30 Tage Urlaub, 100 prozentige Sonderzahlungen, etwa ein 13. Monatsgehalt, sowie Wechselschichtzulagen auch im Fahrdienst. Hinsichtlich der Nachwuchsförderung wird eine verpflichtende Anrechnung der Ausbildungszeit im Betrieb verlangt.

Busse standen ab drei Uhr morgens still

Bereits ab drei Uhr morgens traten die Busfahrer, Mechaniker und andere BBG-Mitarbeiter in den Ausstand und positionierten sich vor der Einfahrt des Betriebshofs im Eberswalder Nordend. „Es ist ein Streik von der ersten bis zur letzten Ausfahrt“, sagte der BBG-Betriebsratsvorsitzende Schröder. Anders als in Berlin, wo die Beschäftigten der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) ihre Arbeit bis 12 Uhr niederlegten, wurde bei den zum Streik aufgerufenen Brandenburger Unternehmen eine Wiederaufnahme der Arbeit erst für Mittwochmorgen um drei Uhr angekündigt.
„Wir stehen hier für bessere Bedingungen“, fasst Busfahrer Peter Bugdahn, der seit 14 Jahren auf sämtlichen Linien in und um Eberswalde fährt, den Grund für die Arbeitsniederlegung zusammen. Seit seinem eigentlichen Betriebsbeginn am Dienstagmorgen hat er sich zusammen mit gut zwei Dutzend Kollegen und Kolleginnen vor dem Eberswalder Betriebshof versammelt, um seinen Forderungen Ausdruck zu verleihen.

Rekord-Nachfrage im Kundencenter der Busgesellschaft

Zwar informierte die Gewerkschaft über Zeitpunkt und Dauer des Warnstreiks bereits einige Tage zuvor und auch auf der Internetseite der BBG war im Vorfeld von Beeinträchtigungen die Rede, dennoch mussten die Mitarbeiter des Kundencenters der Busgesellschaft ein stark erhöhtes Nachfrage-Aufkommen bewältigen.
Bereits am Vortag habe man zu dritt gut 550 Anrufe entgegen genommen, berichtet Steffi Parpart, die das Kundencenter leitet. Sie spricht von einer Rekord-Nachfrage. „Normal sind maximal 100 Anrufe pro Tag.“ Auch am Streiktag selbst baten erneut hunderte Kunden, die teils vergeblich an Bushaltestellen warteten, um Auskunft. Der überwiegende Teile habe mit Verständnis auf die Arbeitsniederlegung reagiert, meint Steffi Parpart. Manche hätten den Streikenden sogar Glück gewünscht.

Auswirkungen an Schulen blieben überschaubar

In Eberswalde war von dem Warnstreik insbesondere auch der Schülerverkehr betroffen. Dieser könne „nicht abgesichert werden“, machte die Barnimer Busgesellschaft schon vor Beginn der Arbeitsniederlegung deutlich. Vielerorts mussten die Eltern die Fahrt zur Schule somit teilweise selbst organisieren.
An den Schulen selbst hielten sich die Auswirkungen jedoch in Grenzen. Aus der Verwaltung der Max-Kienitz-Schule in Britz hieß es, man verzeichne keine erhöhten Abszenzen. Auch die Grundschule Joachimsthal bescheinigte auf Nachfrage nur wenig Probleme. Am Freien Joachimsthaler Gymnasium war lediglich von einem abwesenden Schüler die Rede. Vieles habe dort entweder durch die ohnehin im Betrieb befindlichen schuleigenen Busse sowie die vergleichsweise günstige Bahnanbindung aufgefangen werden können, hieß es.

Ziel ist bundesweiter Rahmentarifvertrag

Insgesamt sei eine hohe Resonanz auf den Streikaufruf in ganz Brandenburg und speziell auch im Barnim zu verzeichnen gewesen, so die Zwischenbilanz von Verdi-Bezirksgeschäftsführer Jens Gröger am Dienstagnachmittag. In zahlreichen Betrieben habe nahezu die vollständige Belegschaft ihre Arbeit niedergelegt. Selbst Versuchen, Mitarbeiter mit Tagesprämien vom Streiken abzuhalten, sei mitunter widerstanden worden, betonte Gröger. Lediglich an wenigen Orten, darunter auch in Eberswalde, sei es vereinzelt zum Streikbruch gekommen. Der Forderung nach einem bundesweiten Rahmentarifvertrag sieht er aber dennoch ausreichend Nachdruck verliehen: „Ich bin sehr zufrieden mit dem Verlauf des heutigen Tages.“