Naturschutz
: Bedeutung der Drückjagd steigt

Bedeutung der Drückjagd steigt
Von
Susan Hasse
Schorfheide
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Sonnenaufgang im Revier: Der Jagdgast Martin Baum aus dem niedersächsischen Burgdorf bekam im Schorfheide-Revier diesen Sonnenaufgang vom Hochsitz aus zu sehen. Die Reise in die Schorfheide lohnt sich allein deswegen, so der Jäger.

Martin Baum

Das Jagdjahr 2018/19 neigt sich dem Ende. Die Drückjagden in den Wäldern der Schorfheide, die von November bis Januar stattfanden, waren aus Sicht des Forst Brandenburg erfolgreich. Die Hegegemeinschaft Schorfheide zieht eine positive Bilanz.

Die Bilanz kann sich sehen lassen: 143 Stück Rotwild, 869 Tiere der Gattung Damwild, 760 Rehe sowie 1026 Wildschweine wurden im vergangenen Jagdjahr, das offiziell am 31. März endet, in den 26 Revieren der Schorfheide erlegt. Insgesamt umfasst die Hegegemeinschaft Schorfheide eine Waldfläche von 27.000 Hektar. Das größte Revier ist mit 18.000 Hektar der Landesforst Brandenburgs, der Rest ist Privatwald. Schaut man sich die einzelnen Tierarten genauer an, so sind die Bestände in der Schorfheide relativ stabil.

Nur bei den Wildschweinen scheint es weniger zu geben als in den Jahren zuvor, so Michael Schmiedel, der 1. Vorsitzende der Hegegemeinschaft Schorfheide und zugleich Leiter der Landeswaldoberförsterei Groß Schönebeck ist. Es scheint weniger Schwarzwild in den Wäldern zu geben, ist Schmiedel überzeugt.

Vor allem bei den jungen Tieren wurden deutlich weniger erlegt als in den Jahren zuvor. Dass es weniger Wildscheine gebe, sei nicht nur für die Landwirte gut, die mit den Wildschäden zu kämpfen haben, sondern auch im Hinblick auf die Vorbeugung eines Ausbruchs der Afrikanischen Schweinepest (ASP) positiv. Die ASP, die für Wild– und Hausschweine tödlich endet, ist bereits in Polen und Belgien nachgewiesen worden. Es wäre fatal, wenn die Krankheit auch hierzulande ausbricht.

Einen Trend, den Schmiedel feststellt, ist, dass immer mehr Wild während der Drückjagden erlegt wird. Der Großteil des Wildes werde mittlerweile auf den Drückjagden geschossen. Im Gegensatz zur Einzeljagd, bei der die Jäger zur Morgen– oder Abendzeit auf dem Hochsitz sitzen, jagen bei einer Drückjagd rund zwanzig Jäger zusammen mit sogenannten Treibern und Jagdhunden, die das Wild aus der Deckung scheuen sollen. Die Drückjagd hat dabei den Vorteil, dass der Jagddruck auf wenige Tage beschränkt bleibe.

Doch auch bei der Treibjagd verhalten sich die Tiere durchaus clever. So berichten Jäger immer wieder, dass Hirsche,  aber auch die als besonders schlau geltenden Wildschweine ausweichen, wenn es in einem Revier laut wird. Das Damwild stelle sich gern an die Straße, wohl wissend, dass dort nicht geschossen wird, Wildschweine ziehen sich auf Wiesen nah der Dörfer zurück, wie etwa in Eichhorst zu beobachten ist.

Die Landeswaldoberförsterei, immerhin der größte Waldbesitzer der Schorfheide, zeigt sich mit dem Jagdjahr 2018/19 zufrieden. Insgesamt 32 Drückjagden gab es in den 13 Revieren des Landesforst. In neun Revieren waren die Strecken, also die Zahl des erlegten Wildes, besser als zuvor. Die Schorfheide ist dabei seit jeher ein beliebtes Jagdgebiet. Aus dem gesamten Bundesgebiet reisen Jagdgäste an, um an den Drückjagden der Forst teilzunehmen. Rund 300 Jagdgäste zählte die Oberförsterei zwischen November und Januar .

So etwa auch Martin Baum aus Burgdorf. Er kommt seit Jahren zum Jagen in die Schorfheide. „Es ist ein ausgezeichnetes Jagdrevier“, so der passionierte Jäger, der als Tierpräparator tätig ist. Allein die schöne Natur lohne die weite Reise, so der Jäger nach einem erfolgreichen Jagdtag beim Streckenlegen. Die Oberförsterei lege viel Wert auf jadgliches Brauchtum, so Baum. Dass den Tieren mit dem Jagdhorn die letzte Ehre erwiesen wird, sei nicht mehr überall üblich, lobt er. Beim sogenannten Schüsseltreiben am Ende, bei dem neben Jägerlatein auch Erfahrungen ausgetauscht werden, beherrscht allerdings der neue Räuber des Waldes das Gespräch. Der Wolf erregt derzeit alle Gemüter.

Auch in der Schorfheide stellen Jäger und Förster zunehmend Verhaltensänderungen der Wildtiere fest: Durch die Wölfe würden sich die Tiere zu größeren Gruppen zusammenschließen und nervöser sein. "Der Wolf ist mittlerweile überall und wird frecher“, bringt es ein Jäger auf den Punkt. Sogar während der Drückjagd: So habe etwa Isegrim ein frisch geschossenes Reh gefressen, noch bevor der Jäger vom Hochsitz kommen konnte.