Wenn man Marcus Tullius Cicero glauben darf, dann gleicht ein Raum ohne Bücher einem Körper ohne Seele. Frei nach dem römischen Politiker und Gelehrten dürften sich Besucher am künftigen Standort des Barnimer Kreisarchivs also keine Sorgen um mangelnde Beseeltheit machen. Nicht nur sollen dort wie gewohnt Druckerzeugnisse auf hunderten Regalmetern aufbewahrt und der Recherche zugänglich gemacht werden. Ein Teil des für 2022 geplanten Neubaus wird zudem selbst einem Buch nachempfunden sein.
Eine Entwurfsskizze zeigt den künftigen Arbeits-, Schulungs- und Recherchebereich als liegendes Exemplar mit orangenem Einband, dazwischen eine ausladende Fensterfront. Die Architektur ist dabei nicht allein Referenz an das beherbergte Schriftgut, wie Christian Mehnert, Geschäftsführer der Kreiswerke Barnim, beim Besuch des künftigen Standortes erklärt. Sie soll vor allem Transparenz vermitteln. „Es ist ja kein geheimes Archiv, sondern etwas, was zugänglich sein soll.“

Beinahe doppelt so groß

Entstehen soll das neue Gedächtnis des Kreises im Eberswalder Nordend. Um eine zusätzliche Flächenversiegelung zu vermeiden, wird ein ehemaliges Autohaus an der Neue Straße energieeffizient saniert und durch den Anbau zweier Gebäudekomplexe ergänzt. Der Baubeginn auf dem Areal, das sich derzeit noch im Besitz der Barnimer Busgesellschaft befindet, ist für Anfang 2021 vorgesehen.
Die Kreiswerke rechnen mit Investitionskosten in Höhe von gut sieben Millionen Euro. Mit ihrer Hilfe soll zunächst eine nutzbare Fläche von knapp 2400 Quadratmetern entstehen. Um auch dem längerfristigen Anwachsen der Archivbestände Rechnung tragen zu können, ermöglicht eine modulare Bauweise Flächenerweiterungen zu einem späteren Zeitpunkt. „Wenn weitere Dinge hinzukommen, sind wir in der Lage hier einfach anzubauen“, so Mehnert. Perspektivisch könnten auf diese Weise 3100 Quadratmeter genutzt werden, beinahe die doppelte Fläche des derzeitigen Archivgebäudes im Technologie- und Gewerbepark von Eberswalde.

Kapazitätsgrenzen erreicht

Dass dieses nicht weiter genutzt werden kann, liegt in erster Linie an erschöpften Magazinkapazitäten, wie die Leiterin des Kreisarchivs, Brigitta Heine, erklärt. Für einen steten Zuwachs sorgt etwa die Registratur der Landkreis-Verwaltung, die zusätzlich zum Archivgut verwaltet wird. Diesen stoppen auch digitale Archivierungsmöglichkeiten nur unwesentlich. „Wir wissen, was wir jährlich kriegen, und auch, was raus geht. Das können wir also hochrechnen.“ Dass die freien Archivflächen zur Neige gehen würden, zeichnete sich so bereits vor fünf Jahren ab. „Und jetzt wird es knapp“, betont Heine, für die es nach der Eröffnung des Kreisarchivs im Technologie- und Gewerbepark im Jahr 2000 bereits der zweite Umzug ist.
Hinzu kommt, dass der Mietvertrag Ende 2022 ausläuft. Daran orientiert sich auch die Bauplanung, die eine Fertigstellung für Mitte desselben Jahres vorsieht. Und „weil Archivgut nicht mal eben unter den Arm geschnallt werden kann“, sagt der Kreiswerke-Geschäftsführer, habe man die Lücke von sechs Monaten für den Umzug veranschlagt.

Bessere Nutzungsbedingungen

Ob das Archiv mit seinen fünf Mitarbeitern für die gesamte Umzugsperiode den Nutzerverkehr einstellen muss, ist laut Diplom-Archivarin Heine allerdings noch nicht klar. „Aber für eine gewisse Zeit werden wir schließen müssen.“ Nicht zuletzt, weil auch die Abläufe im neuen Gebäude erst organisiert werden müssen.
Eines gilt allerdings als sicher: Am neuen Standort werden die jährlich gut 500 Nutzer angenehmere Arbeitsbedingungen vorfinden. Nicht nur sorgt eine Bushaltestelle direkt vor der Tür für eine bessere Anbindung. Auch ein größerer Benutzerraum und mehr Sitzplätze, die über Anschlüsse für den Laptop verfügen, sind vorgesehen. Zudem bekommen Besucher die Möglichkeit, über ein neues Terminal selbst zu recherchieren.

Einsatz moderner Klima- und Lüftungstechnik

Bessere Bedingungen sind auch für die derzeit 10.000 Regalmeter voll Archivgut geplant. In dem nachhaltig konzipierten Bau ermöglicht eine temperaturzonierte Raumaufteilung die sachgemäße Lagerung der Bestände. Hierfür soll nicht nur eine spezielle Klima- und Lüftungstechnik verbaut werden, zählt die Archivleiterin auf. Eine moderne Brandschutzanlage soll zudem für mehr Sicherheit sorgen. „Hier können wir nochmal richtig auf dem Stand der neuesten Technik daran schrauben“, freut sie sich. So könne auch das historische Archivgut auf Jahrzehnte und Jahrhunderte hinweg erhalten bleiben. An Seele im Sinne Ciceros soll es dem Gedächtnis des Kreises schließlich auch in Zukunft nicht mangeln.