Neugründung: Eberswalder Verein hilft Waisenkindern bei der Trauerbewältigung

Kuscheln mit Summer: Das ist der Name der Appenzeller Sennenhündin, die dem Eisenherz-Verein künftig als Therapiehund helfen soll, trauernde Kinder aufzufangen.
Marco MarschallAngebot gilt über Barnim hinaus
Eisenherz e.V. hat sich allerdings nicht allein auf die Fahnen geschrieben, Kindern und Jugendlichen in Eberswalde zu helfen. Das Angebot soll über die Grenzen des Barnims hinaus gelten. „Für jeden, der den Weg zu uns auf sich nimmt“, sagt Katrin Dahms-Dowidat. Dabei handele es sich um eine therapiebegleitende Maßnahme. Den Psychologen oder Psychotherapeuten, den es bei derart schweren Schicksalsschlägen oft braucht, können die Mitglieder des Vereins nicht ersetzen. Sie haben oder werden zum Teil noch eine Weiterbildung zum Trauerbegleiter machen. Das ist unter anderem im Eberswalder Hospiz möglich, wo der Verein derzeit noch angesiedelt ist, oder auch bei verschiedenen anderen Stellen.
Die Arbeit mit trauernden Hinterbliebenen ist für Katrin Dahms-Dowidat und weitere Mitglieder kein völlig neues Feld. Sie hatte auch den Initiativkreis Sternenkinder Barnim mit ins Leben gerufen, der eine Trauerbegleitung bei Tot- oder Fehlgeburten anbietet. Die Trauerarbeit dort richtet sich sowohl an Eltern als auch an Geschwisterkinder – die unter dem Begriff Fanyakinder gefasst werden. „Fanya“ ist der Fantasiesprache Elbisch entnommen und bedeutet „Weiße Wolke“.
Nachdem zunächst versucht wurde, eben dieses Angebot auch für Waisen- und Halbwaisen zu öffnen, entschieden sich die Ehrenamtler letztlich doch für einen davon losgelösten Anlaufpunkt. „Wir haben gemerkt, das passt nicht“, sagt Katrin Dahms-Dowidat über den Versuch, die Trauernden zusammenzubringen. Aus der Erfahrung mit den Sternenkindern kann der Eisenherz e.V. trotzdem schöpfen.
Waisen und Halbwaisen werden zunächst zu einem Einzelgespräch eingeladen. „Die Kinder müssen das auch wollen“, erklärt Katrin Dahms-Dowidat. Über die neue Anlaufstelle können dann auch Selbsthilfegruppen für Eltern und Großeltern organisiert werden. Für die eigentliche Trauerbewältigung mit den Kindern gibt es verschiedene Methoden. „Wir sprechen natürlich viel miteinander, basteln, führen Abschiedsrituale durch oder schreiben Briefe an die Verstorbenen“, zählt Katrin Dahms-Dowidat auf. Etwa ein halbes Jahr werden die Minderjährigen begleitet.
Wichtiger Ansatz ist auch die Arbeit mit Tieren. Eselswanderungen etwa sollen unter anderem zum Programm gehören. Auch der Kontakt zur Zooschule ist bereits hergestellt. Dort sollen gemeinsame Tierfütterungen bei der Trauerbewältigung helfen. Als unmittelbarer Seelenöffner soll Therapiehund Summer fungieren. Den bringt Vereinsmitglied Susann Schöpling in die ehrenamtliche Arbeit mit ein. Noch befindet sich ihre einjährige Appenzeller Sennenhündin in der Ausbildung.
Wie wichtig gerade die Trauerbewältigung für Kinder ist, wissen die Mitglieder des Vereins aus Erfahrungen mit der Fanyagruppe der Sternenkinder und vom Fall eines elfjährigen Mädchens, das seinen Vater verloren hat und aktuell durch die Ehrenamtler begleitet wird. „Gerade Kinder brauchen diese Auszeit, die ihnen der Verein bieten kann. In der Familie spielen sie nach dem Tod eines Angehörigen oft den Tapferen und werden deshalb manchmal übersehen“, sagt Katrin Dahms-Dowidat.
Hoffen aufs Bürgerbudget
Unterstützt wird Eisenherz von der Hoeck-Stiftung. Der Stadtverordnete Martin Hoeck, selbst stilles Mitglied im neuen Verein, fungiert als wichtiger Netzwerker. Ebenfalls angetan vom neuen Angebot in Eberswalde ist die evangelische Kirchengemeinde, die übergangsweise einen Raum für die Arbeit des Vereins bereitstellen will. Ungeachtet dessen sind die derzeit acht Vereinsmitglieder weiter auf der Suche nach einem festen Domizil, das sie anmieten können. Sie hoffen daher auf Mittel aus dem Bürgerbudget, dessen Verteilung am 12. September zu Abstimmung steht.
Vollwaisen oder Halbwaisen beziehungsweise deren Angehörige können schon jetzt den Kontakt zum Verein suchen – über die E-Mail-Adresse: eisenherz.e.v@web.de
Auf einen Blick
Der Verein Eisenherz richtet sich an Voll- und Halbwaisen und bietet diesen Kindern und Jugendlichen eine Trauerbewältigung als therapiebegleitende Maßnahme an. Es werden Einzelgespräche mit den Kindern geführt, gebastelt, Briefe an die Verstorbenen geschrieben und andere Abschiedsrituale durchgeführt. Die Minderjährigen werden in der Regel ein halbes Jahr begleitet. Die aktiven Vereinsmitglieder haben eine Weiterbildung als Trauerbegleiter im Hospiz oder einer anderen Einrichtung absolviert. Unterstützt wird der Verein in Gründung durch den künftigen Therapiehund Summer. Derzeit wird noch nach einem festen Domizil für die ehrenamtliche Arbeit gesucht. ⇥mm
