Neugründung
: Schulstart der Freien Waldorfschule Barnim geplatzt

Mit einer ersten Klasse wollte die Waldorfschule loslegen. Doch zwei Tage vor der Einschulung erteilt das Land eine Absage.
Von
Ellen Werner
Eberswalde
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  • Für die erste Schulstunde war alles vorbereitet: In der künftigen Freien Waldorfschule Barnim wartet Jörg Krause, Vorstand vom Verein Waldorfpädagogik Barnim, am Mittwoch noch auf grünes Licht vom Ministerium. Einen Tag später folgt die Absage.

    Für die erste Schulstunde war alles vorbereitet: In der künftigen Freien Waldorfschule Barnim wartet Jörg Krause, Vorstand vom Verein Waldorfpädagogik Barnim, am Mittwoch noch auf grünes Licht vom Ministerium. Einen Tag später folgt die Absage.

    Ellen Werner
  • Fenster aufpoliert: In dem denkmalgeschützten Haus in der Biesenthaler Straße laufen noch Bauarbeiten, um Unterrichtsräume für später sechs Klassen herzurichten.

    Fenster aufpoliert: In dem denkmalgeschützten Haus in der Biesenthaler Straße laufen noch Bauarbeiten, um Unterrichtsräume für später sechs Klassen herzurichten.

    Ellen Werner
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Für die erste Schulstunde ist das „bewegte Klassenzimmer“ startklar. „Hier wird alles oft umgebaut werden können, so wie es Kinder, die noch nicht die 45 Minuten Sitzkonzentration haben, brauchen“, erläutert Jörg Krause vom Schulkreis des Vereins für Waldorfpädagogik Barnim das Raumkonzept. Tische und Stühle gebe es in der ersten Klasse der Waldorfschule noch nicht, erklärt der Vorstand am Mittwoch.

Doch auch die erste Klasse selbst,  weiß Krause einen Tag später, wird es vorerst nicht geben. Bis dahin war alles in der Schwebe, stand eine Antwort vom Brandenburger Bildungsministerium auf den Vereinsantrag „auf Genehmigung einer anerkannten Ersatzschule“ aus. Am Donnerstag, zwei Tage vor der geplanten Einschulungsfeier in der Freien Waldorfschule Barnim, setzen sich die Schulgründer zu zweit in den Zug nach Potsdam – um dem „zermürbenden Zustand zwischen Bangen und Hoffen“ ein Ende setzen. Nach ihrem spontanen Besuch im Ministerium besteht Klarheit: „Man hat uns mitgeteilt, dass wir die Genehmigung nicht bekommen und eine schriftliche Begründung später folge“, berichtet Jörg Krause.

„Das ist eine Niederlage, ganz klar“, sagt der 40–Jährige, dessen Sohn vom Waldorfkindergarten in die Schule wechseln sollte. „Wir haben hart für die Eröffnung der Waldorfschule gekämpft — und das hat nicht gereicht.“ Nun müsste sich der Gründerkreis erst einmal orientieren: „Wie gehen wir alle als Eltern damit um und welche Schritte unternehmen wir als Verein?“

Immerhin acht von laut Krause ursprünglich 18 Elternpaaren hatten trotz des langen Schwebezustandes ihre Kinder an der künftigen Waldorfschule einschulen wollen. Sie müssen nun kurzfristig Alternativen für ihre Kinder finden, für die ab Montag die Schulpflicht gilt. Ohnehin seien die Eltern zweigleisig gefahren, parallel zur Anmeldung in der freien Bildungseinrichtung seien die Erstklässler in den Einzugsschulen angemeldet worden, die die Plätze dort ihrerseits freihalten mussten. „Es stand ja immer im Raum, dass wir möglicherweise auch nicht eröffnen können. Da hat jeder für sich auch andere Lösungen gesucht.“ Er selbst wolle für sein Kind weitere freie Schulen anfragen, so Krause.

Weshalb das Land die Schulgründung ablehnt, sei bei dem kurzen Gespräch in Potsdam offen geblieben. „Es wurde uns mitgeteilt, dass es ein grundsätzliches Problem gibt. Aber das ist natürlich sehr vage“, sagt der Softwareentwickler, der selbst einen großen Teil seiner Arbeitskraft in das Projekt gesteckt hat. Auch der Zeitung gegenüber hält man sich im Ministerium bedeckt. Eine Antwort darauf, ob und warum die Schule nicht genehmigt wird, stand zum Redaktionsschluss am Donnerstag aus. Lediglich dass der Vorgang noch nicht abgeschlossen sei, teilt eine Ministeriumssprecherin mit.

Antwort erst nach 18 Monaten

Bereits zum zweiten Mal muss die Schule ihre Eröffnung verschieben. Ursprünglich hatte der Verein, der im Haus in der Biesenthaler Straße seit 2016 auch den Waldorfkindergarten "Morgenglanz“ betreibt, damit schon vor einem Jahr starten wollen. Damals habe das Land erst 18 Monate nach Antragstellung Antwort gegeben. In der Zwischenzeit waren Lehrer und Schüler abgesprungen. Diesmal habe das Ministerium bereits nach sechs Monaten reagiert und etliche Unterlagen nachgefordert. „Aus unserer Sicht war alles erfüllt“, sagt Jörg Krause. Neben formalen Hürden hatten sich pandemiebedingt zwar auch Bauarbeiten im Haus verzögert. Eine Zwischenlösung für Unterrichtsräume sei aber genehmigt worden.

Trotz allem geht der Vereinsvorstand von einem dritten Anlauf für die Waldorfschule aus. „Wir wollen weiterhin die Schule gründen. Das Projekt geben wir nicht auf“, sagt Jörg Krause.