Radrennen Eberswalde: Tigerradtour 2025 – Spendenfahrt mit Radsport-Legenden

Diesmal in Gelb: (v. l.) Ingolf Fix, Bernd Hensch, Paulina Ostrowska, Rainer Podlesch, Klaus-Jürgen Grünke, Reinhard Scheer und Manuel Schultze (noch im Vorjahresdress). Bis zum Tourstart am 28. Juni werden alle Starter mit den neuen Trikots ausgestattet.
Viola Petersson- Die 19. Tigerradtour startet am 28. Juni in Eberswalde.
- Bernd Hensch kündigt seine letzte Tour als Organisator an.
- Die Benefizfahrt hat bisher ca. 750.000 Euro für den Zoo gesammelt.
- Drei ehemalige Weltmeister nehmen teil: Rainer Podlesch, Reinhard Scheer, Klaus-Jürgen Grünke.
- Alle Teilnehmer fahren in gelben Trikots, symbolisch für den Sieg.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Diese Drei müssen sich garantiert nicht extra vorbereiten. Denn sie sind fit wie ein Turnschuh. Stehen mit tausenden Kilometern im Jahr mehr als gut im Training. Auch wenn ihre aktive Zeit als Radrennfahrer schon ein paar Tage zurückliegt. An der 19. Ausgabe der Eberswalder Tigerradtour nehmen drei frühere Weltmeister teil: Rainer Podlesch (80) aus Berlin, Reinhard Scheer (81) aus Frankfurt (Oder) und Klaus-Jürgen Grünke (74) aus Wandlitz-Stolzenhagen.
Insgesamt treten am 28. Juni bei der 19. Tigerradtour gut 300 Radsportfreunde für den Eberswalder Tierpark in die Pedale. Über 100 Kilometer sowie über die doppelte Distanz. Keine Frage, die drei prominenten Starter sind im Feld derer, die die 200er Strecke, den langen Kanten, in Angriff nehmen. Ebenso wie Bernd Hensch, früherer Zoo-Chef und Vorsitzender des Fördervereins, des Organisators. Der bei der Präsentation und Übergabe der Trikots für 2025 mit einer Ankündigung überrascht: „Dies ist meine letzte Tour.“
Paulina Ostrowska führt ab 2026 Regie
Auf Nachfrage präzisiert er sogleich: als Rennleiter und Cheforganisator. Als Fahrer werde er weiter dabei sein, sofern Kondition und Konstitution es zulassen, stapelt der 69-Jährige tief. Die Vorbereitung indes lege er ab der Jubiläumsausgabe, der 20. Tour, in die Hände seiner Nachfolgerin Paulina Ostrowska. Die sich auf eine eingespielte Arbeitsgruppe verlassen könne sowie auf einen Stamm an Sponsoren. 26 Förderer gebe es aktuell, so Hensch.
Für Klaus-Jürgen Grünke, der früher auf der Bahn zuhause war, ist es bereits die dritte Teilnahme. Die Tigerradtour sei „rundum einmalig, was ich in meiner Radsportkarriere erlebt habe“, so der Barnimer. Die Veranstaltung sei top organisiert. Professioneller ginge es eigentlich nicht. „So gut ist nicht mal die Tour de France abgesichert“, so Grünke. Von der Begleitung der Tigerradtour durch die Polizei über Servicewagen bis hin zum ärztlichen Support und zur Versorgung – es sei einfach alles perfekt, schwärmt der 74-Jährige. Ein Kompliment, das die Organisatoren gern an die vielen Helfer und Partner weitergeben. An die Uniformierten, an die medizinische Abteilung oder die Fair-Play-Fahrer.
Obgleich sich die Tigerradtour prominenter Verstärkung erfreut, sie lebt natürlich auch und gerade von den vielen einheimischen Radsportfreunden, die mit ihrer Teilnahme den Eberswalder Zoo unterstützen wollen. Im Laufe der Jahre sei rund eine Dreiviertelmillion Euro durch die Spendenfahrt zusammengekommen, überschlägt Hensch. Mittel, die „zu hundert Prozent“ in den Zoo geflossen sind. Etwa in die Gestaltung des Tiger-Geheges (deshalb der Tour-Slogan „Unsere Tiger sind die Sieger“) oder den Umbau und die Sanierung des Urwaldhauses.
Der verrückteste Fahrradfahrer von Eberswalde
Zu jenen Enthusiasten gehört unter anderem Ingolf Fix, von seinen Mitstreitern nur „Fixi“ genannt. Und laut Hensch „der verrückteste Fahrradfahrer von Eberswalde“. Um die 20.000 Kilometer legt der Eberswalder im Jahr zurück. Er schaffe so viele Kilometer wie kein Zweiter beim Stadtradeln Eberswalde, weshalb der 62-Jährige als der „Stadtradelstar“ gilt. Zu seinen größten sportlichen Erfolgen zählt der zweimalige Gewinn des Bergtrikots beim Rennen von Ariège (Frankreich) in den Pyrenäen. Vor gut 20 Jahren.
In Eberswalde indes gibt es keine Bergwertung, auch wenn einige Steigungen auf der Tour durch den Barnim und durch Märkisch-Oderland zu bezwingen sind. Fix, ebenso Mitglied des Organisationsteams, gibt vielmehr den Schrittmacher, sorgt für ein gleichmäßiges Tempo im Feld. Bei einem Schnitt von 27 km/h, die auf der 200er-Distanz zu fahren sind. Damit es möglichst nicht zu Unfällen kommt.

Eine der vielen Info-Tafeln im Zoo Eberswalde: Inzwischen wurde Bernd Hensch in den Ruhestand verabschiedet. Seit Anfang 2023 ist Paulina Ostrowska Leiterin des Zoos.
Viola PeterssonStürze mit Schürfwunden, auch mal ein Bruch – aber glücklicherweise sei in all den Jahren nie eine ernsthafte Verletzung zu beklagen gewesen, hofft Rennleiter Hensch auch für 2025 auf Fortune. Und bestes Rennwetter. Wie das aussieht? Trocken, Temperaturen um die 20 Grad und windstill. Oder Rückenwind, sind sich die Akteure einig.
Rennen fahre er nicht mehr, sagt der mit 81 Jahren möglicherweise älteste Teilnehmer Reinhard Scheer, der mehrfacher Senioren-Weltmeister ist. Aber Eberswalde sei quasi ein Muss. Und auch Rainer Podlesch bestätigt: „Das Feuer brennt noch.“ Womit der 80-Jährige seine Leidenschaft für den Radsport meint. Podlesch war zweimal Steher-Weltmeister. 1976 habe er sich schließlich als bundesdeutscher Fahrer einen Traum erfüllt: die Teilnahme an der Friedensfahrt in der DDR, wie er erzählt.
Prominente Verstärkung
● Rainer Podlesch, geb. 1944 in Dobbertin; wichtigste Erfolge Bahn-Weltmeister 1976 und 1983 im Steherrennen, 1967 WM-Dritter in der Mannschaftsverfolgung; er galt als die Vielseitigkeit des Rennfahrers schlechthin; Honorartrainer für Steher.
● Reinhard Scheer, geb. 1943; mehrfacher Senioren-Weltmeister und Deutscher Meister, u. a. 2010 Weltmeister der Senioren im Straßenrennen, Vizeweltmeister im Einzelzeitfahren und Europameister im Zeitfahren.
● Klaus-Jürgen Grünke, geb. 1951 in Bad Lauchstädt; größter Erfolg 1976 Olympiasieger im 1000-Meter-Zeitfahren auf der Bahn sowie 1975 Weltmeister in dieser Disziplin; 1974 gehörte er zum DDR-Bahn-Vierer, der im Finale der WM dem westdeutschen Bahn-Vierer unterlag; 2004 Senioren-Weltmeister in St. Johann.
Bei der Tigerradtour 2025 fahren übrigens alle Teilnehmer in Gelb (bei der Tour de France die Trikotfarbe des Gesamtführenden). Schließlich seien alle Starter Gewinner. „Und die Rapsblüte ist durch“, erklärt der Biologe Hensch. Die Gefahr, Käfer anzulocken, sei damit gebannt. Zum Thema Trikot gibt der Tourmanager noch eine Anekdote zum Besten: Vor einigen Jahren wollte mal ein Eberswalder teilnehmen, der ein paar Kilo mehr auf die Waage bringt. Hensch fragte beim Trikothändler, einem Profi-Ausstatter, nach, ob es das Shirt auch in 3XL gäbe. Die Antwort: „Haben Sie schon mal einen Profi gesehen, der 3XL trägt?“
19. Tigerradtour am 28. Juni: Start für die 200 Kilometer um 7 Uhr, für die 100 Kilometer um 9.30 Uhr; gegen 16.30 Uhr wird das komplette Feld wieder im Zoo erwartet
