Debatte im Parlament, Mietendemo, Proteste. Plakate an Häusern. Das städtische Wohnungsunternehmen WHG sieht sich in ein falsches Licht gerückt – und völlig zu Unrecht der öffentlichen Kritik ausgesetzt. "Ohne jede Wertschätzung für die Gesellschaft", so Prokuristin Doreen Boden, die betont: "Ohne die jährlichen WHG-Investitionen von durchschnittlich zwölf Millionen Euro in die Stadtentwicklung und die Erhaltung hätte Eberswalde ein anderes Bild."
Die WHG-Vertreterin reagiert mit einer Reihe von Fragen auf die aktuelle Diskussion in der Kreisstadt: "Wer übernimmt die größte Verantwortung für die dezentrale Unterbringung von Flüchtlingen? Wer bietet Trägern Wohnprojekte und bedarfsgerechte Wohnungen für Menschen mit Handicap? Wer trägt in der Stadt dafür Sorge, dass es Wohnraum zur Abwendung von Obdachlosigkeit gibt? Wer hat den größten Bestand an miet- und belegungsgebundenem Wohnraum? Wer bietet altersgerechtes Wohnen mit Service für die Senioren?"
Hauptmieterwechsel möglich
Die Abgeordnete Ilona Pischel (Bündnis Eberswalde) erklärte während der jüngsten Sozialausschusssitzung, dass sie die "pauschale Kritik" an der WHG für nicht gerechtfertigt hält. Sie habe sich beispielsweise kürzlich selbst ein Bild vom Projekt Eisenhammer 2 in Westend gemacht, ein "tolles Angebot für Senioren". Die städtische Wohnungsgesellschaft erfülle, so Pischel, sehr wohl ihren sozialen Auftrag, Wohnraum für "breite Schichten der Bevölkerung zur Verfügung" zu stellen. Und selbst Carsten Zinn (Unabhängiges Wählerbündnis), für klare Worte bekannt, hatte vorher bereits betont, sich nicht an der "allgemeinen Schelte" gegenüber der WHG zu beteiligen. Zinn sieht stattdessen dringenden Handlungsbedarf bei der Genossenschaft 1893 und fordert ein Ende der Abrisspläne fürs Brandenburgische Viertel.
In Bezug auf die nicht enden wollende Debatte um Wohnungen für Studenten verweist Doreen Boden von der WHG auf das Studentenwerk, das im Land dafür originär zuständig ist. Auch wenn die WHG, wie andere Eberswalder Vermieter, begleitend Angebote mache. Ihren Informationen zufolge seien momentan um die 40 Wohnheimplätze beim Studentenwerk frei. Dort gebe es also ebenfalls Leerstand. Im Übrigen habe die WHG zugesichert, dass sie in ihren Wohnungen für Studenten-WGs einen Wechsel des Hauptmieters ermögliche, informierte Sozialdezernent Jan König vorige Woche den Fachausschuss.
Unterdessen werben Paul Venuß und Selena Dami von der offenen Gruppe "Recht auf Stadt" Eberswalde unter jungen Leuten für ein Haus-Projekt der baulichen Selbsthilfe. Die WHG, so informiert er, habe dafür einen Altbau "in bester Innenstadtlage", nämlich an der Ruhlaer Straße 17, angeboten. Um diesen mit Hilfe von Eigenleistungen nach den Vorstellungen der zukünftigen Bewohner zu sanieren. Bis auf eine Wohnung stünden dort derzeit alle leer. Die genauen Konditionen, Beteiligung der WHG an den Sanierungskosten sowie künftiger Mietzins, seien noch zu verhandeln. "Momentan schreiben zwei HNE-Studenten ihre Abschlussarbeit über ein ökologisches Sanierungskonzept für das Haus", so Paul Venuß und Selena Dami weiter. Interessierte Mitstreiter könnten sich in der Thinkfarm Eberswalde melden.
Doreen Boden verweist zudem auf das günstige Angebot von Handwerkerwohnungen "Doityourself" (ab 4,50 Euro/qm), wenn Interessenten etwa Maler- und Bodenbelagsarbeiten selbst ausführen. "Die Nachfrage ist trotz Mietnachlass’ von bis zu drei Nettomieten und Renovierungsbonus aber sehr gering", konstatiert die Prokuristin. Überwiegend bestehe die Nachfrage nach "bezugsfertigem Wohnraum". Um die zu decken und im Wettbewerb zu bestehen, müsse die WHG jährlich 1,6 Millionen Euro nach Mieterwechsel investieren. Im Segment "Basis-Wohnen", also im mietpreis- bzw. belegungsgebundenen Bereich, habe die WHG gerade die Wilhelmstraße 31 fertiggestellt. Im Bau sei derzeit die Kantstraße 35 (beide zum Mietpreis von 4,90 Euro/qm) für junge Familien.

Zahlen und Fakten


Die kommunale WHG ist mit einem Bestand von 5795 Wohnungen der größte Vermieter in Eberswalde (bei stadtweit insgesamt zirka 23 500 Wohnungen). Davon stehen 640 leer, was einer Quote von gut elf Prozent entspricht.

Die Durchschnittsmiete liegt aktuell bei 5,23 Euro/qm. Am niedrigsten ist sie im Brandenburgischen Viertel/Osterweiterung sowie in Eisenspalterei mit 4,84 Euro. Wobei es auch Wohnungen ab 3 Euro gibt.

473 Wohnungen wurden 2018 neu vermietet, dem stehen 467 beendete Mietverhältnisse gegenüber. Ursachen dafür sind u. a. Wegzüge (128) aus Eberswalde, Wechsel zu anderen Vermietern (99) sowie Tod (50.) vp