Recycling
: Kreiswerke Barnim gehen Millionen-Projekte an

Eine Bioverwertungsanlage, die bis zu 25 Millionen Euro kosten könnte, soll im Barnim entstehen.
Von
Andrea Linne
Eberswalde
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Eine Bioverwertungsanlage, die bis zu 25 Millionen Euro kosten könnte, soll im Barnim entstehen. Und eine Erweiterung ist geplant. Die Deponie Ostende in Eberswalde ist inzwischen fertig saniert. Pläne zur Erweiterung des Verwaltungssitzes gibt es außerdem – in Holzbauweise.

Thomas Burckhardt/MOZ

Christian Mehnert hatte im Sommer fleißig an seinen Projekten gearbeitet und gab nun Bericht zum aktuellen Stand der vielen Töchter von Barnimer Energiegesellschaft BEG bis Barnimer Energiebeteiligungsgesellschaft BEBG.

Dabei ist er in zahlreichen Fällen direkter Auftragnehmer von Landrat Daniel Kurth, der zahlreiche Vorhaben, die die Kreisverwaltung gegenwärtig nicht geplant bekommt, auf die Kreistochter überträgt.

Dazu zählen die Planungen zum neuen bürgerfreundlichen Kreisarchiv, das am Jahresende den Baustart erleben soll, zu zwei Rettungswachen in Biesenthal und Panketal, aber auch zu den Wertstoffhöfen quer durch den Landkreis. An den meisten Vorhaben wird festgehalten, nur das Panketaler Grundstück wird zunächst für die Rettungswache benötigt, wie Mehnert berichtet. Der Bereich mit vielen Zuzügen rund um Schwanebeck ist in der Zukunft unterversorgt. Immerhin muss ein Arzt oder Rettungswagen in 15 Minuten nach Alarmierung beim Patienten sein. Das regelt die Rettungsdienstplanverordnung mit ihren Hilfsfristen. Deshalb besteht in dicht besiedelten und wachsenden Bereichen Handlungsbedarf.

Doch auch die Vorbereitung für die Wertstoffhöfe in Biesenthal, Oderberg und Schorfheide läuft planmäßig, so Mehnert. Die neue Akten- und Datenvernichtungsanlage soll kommen, aber nicht mehr in Panketal.

Die Corona-Krise ist nicht an den Kreiswerken vorübergegangen, wie der Geschäftsführer ausführte, der gut 150 Leuten vorsteht. Einige Bereiche würden defizitär arbeiten. Die Abfuhr und Entsorgung durch die Barnimer Dienstleistungsgesellschaft BDG sei weiter rentabel.

Der Recyclinghof Eberswalde soll deshalb nach Vorlage aller Genehmigungen im kommenden Jahr saniert werden. Auch ein neues erweitertes Firmengebäude wird in Ostende geplant. Hierzu soll ein Generalunternehmer für die Planung und Errichtung gebunden werden. Erste Raumpläne wurden erarbeitet, sagt Mehnert. Auch soll das neue Haus in Holzbauweise dem Eberswalder und Barnimer Grundgedanken klimaneutralen Bauens in der Waldstadt entsprechen.

Für die 20 000 Tonnen Biostoffe, die die BDG in diesem Jahr aus den braunen Tonnen einsammelt, bleibt die Endverwertung nicht am Komposthaufen stehen. Dafür sucht der Landkreis aktuell nach einem Investor, der eine Bioverwertungsanlage errichten kann. Von bis zu 25 Millionen Euro Investitionskosten geht Mehnert aus. Im Moment werde die Markt­erkundung durchgeführt. „Hierfür muss der Partner ein Grundstück mitbringen“, stellt der Geschäftsführer klar. „Das Grundstück muss sich im Gebiet des Abfallschwerpunkts des Barnims im südlichen Teil des Landkreises befinden“, setzt er auf MOZ-Anfrage nach. Nähe zur Wohnbebauung sei bei der Vergärungsanlage hinderlich. Das Biomaterial dient der Verstromung durch Gase, ein Rest verrottet wie jetzt auch zu Erde.

Straßenbeleuchtung, Solarstrom und Photovoltaik

Die Umrüstung von Straßenbeleuchtung auf effiziente LED-Lichtpunkte, wie in Oderberg und Breydin begonnen, geht aktuell in Melchow voran. Joachimsthal wurde zurückgestellt, so Mehnert. Barshare wachse weiter, habe aber starke Konkurrenz durch die freie Wirtschaft. Zu den 44 vorhandenen sollen fünf weitere Ladestationen hinzukommen. Eine Kooperation werde mit den Inselwerken aus Mecklenburg-Vorpommern für das kostenfreie Auftanken an deren Säulen vereinbart. Bisher fließt ausschließlich Ökostrom der Stadtwerke Bernau.

Am Windeignungsgebiet 44 werde geplant, bei den Solarstrom- und Photovoltaikanlagen sei eine Entwicklung zu sehen. So sollen auf dem Oderberger Feuerwehrgebäude, bei der Barnimer Busgesellschaft und im Begegnungszentrum Lunow weitere Dachinstallationen erfolgen.

Zuletzt wurde die KIS gekauft, die Winterdienst und Fäkalienentsorgung übernehmen soll. Letzteres werde noch mit Zweckverbänden verhandelt und sei noch nicht wirtschaftlich. Ob die Zahlen der Jahresabschlüsse nicht transparenter behandelt werden sollten, wollte Annett Klingsporn, Bürgermeisterin aus Marienwerder, wissen. So könne die Akzeptanz für die Kreiswerke steigen, betonte sie. 15 Kreistagsmitglieder, so Mehnert, würden im Aufsichtsrat sitzen: „Wir sind am besten überwacht.“ Zahlen könnten außerdem jederzeit eingesehen werden.

Klingsporn fand, man könne auch auf der Website mehr veröffentlichen. Es werde aktuell zudem am Nachhaltigkeitskonzept des Landkreises gefeilt, auf Zahlenwerken fußend, so Mehnert. Außerdem sei der Geschäftsführer jederzeit redebereit, hieß es aus der Runde. „Ich bin da offen“, betonte der Eberswalder.