Roadrunners Race 61: Oldtimer-Event in Finowfurt – Motorengebrüll und Chromglanz

Aufgemotzte alte Straßenkreuzer liefern sich heiße Rennen: Roadrunners Paradise am 19.6. in Finowfurt.
Thomas BurckhardtLautes Gedröhne am Samstagmorgen in den sonst eher beschaulichen Straßen von Finowfurt. Riesige amerikanische Straßenkreuzer und kompakte schwarze Kastenwagen, die an alte Mafiafilme erinnern, sind unterwegs zum Luftfahrtmuseum. Hier findet das Roadrunners Paradise Race 61-Festival statt.
Schon zum 27. Mal lassen die Inhaber hochgezüchteter alter, meist amerikanischer Straßenkreuzer aus den 30er- bis 70er-Jahre ihre Motoren aufjaulen. Bevor es mit den Rennen losgeht, haben schon viele Inhaber ihre alten Karossen bis zum Baujahr 1976 auf dem Museumsgelände aufgebaut.

Mit Sonnenschirm und vielen Getränken: Zuschauer bejubeln die Renn-Boliden auf der Achtelmeile in Finowfurt.
Thomas BurckhardtAus Tschechien mit dem Nash nach Finowfurt
Jan Holakovský ist mit einem Nash 1929 aus dem tschechischen Kladno in den Barnim gekommen. An der Seite hat ein Zeichner Figuren der in Tschechien sehr bekannten Comics Rychlé šípy des Schriftstellers Jaroslav Foglar an die Tür gemalt. Holakovský hat das Auto komplett neu aus den Einzelteilen zusammengebaut.

Jan Holakovský aus Tschechien hat seinen Nash komplett neu aufgebaut. Hier mit seinem Sohn.
Antje SchroederZwei Jahre habe das gedauert, übersetzt sein Sohn. Das sei aber nur ein Hobby, sagt Holakovský, der hauptberuflich ein Wasserkraftwerk betreibt. Den Nash, der bis zu 150 Stundenkilometer schnell wird, hat er vorsichtshalber lieber mit dem Hänger nach Finowfurt gebracht.
Der Ford Model E kann nicht am Rennen teilnehmen
Ebenfalls sehr alt und ehrwürdig ist ein Ford Model E Baujahr 1929 mit Eberswalder Kennzeichen. Am Rennen werde er aber nicht teilnehmen, sagt der Berliner Besitzer, der das Auto von einem Eberswalder Vorbesitzer übernommen hat. „Ich bin froh, dass er geradeaus fährt.“

Wenn die alten Straßenkreuzer Gummi geben, kann sich manchmal ganz schöner Dampf entwickeln.
Thomas BurckhardtDas vor 20 Jahren aus Amerika eingeführte Fahrzeug hat er einmal komplett auseinander und wieder zusammengebaut. Es sei ein klassischer Hot Rod – also ein Vorkriegsauto, das nach dem Krieg mit einem stärkeren Motor getunt wurde. Diesen Zustand will der Besitzer weitgehend erhalten, wie er erklärt.
Über die 1/8-Meilen-Strecke rasen will dagegen Jan Strauch aus Cuxhaven mit seinem Ford Model A Five Windows Coupé aus dem Jahr 1931. Das Modell A sei das erste Fließbandauto von Ford gewesen, so Strauch.

Jan Strauch mit seinem hochgetunten Ford Model A. Ursprünglich eines der ersten Fließbandmodelle mit beschiedenem Viertaktmotor, bringt das Auto nun 300 PS auf die Piste.
Antje SchroederDer ursprüngliche Viertaktmotor hatte lediglich 40 PS – jetzt wurde er durch einen leistungsstarken, über 300 PS starke Maschine ersetzt. Auf den Straßen kann er mit seinem Oldtimer bisher nicht herumfahren. Noch fehlt die Zulassung. Das sei in Cuxhaven etwas schwieriger als vielerorts im Osten, bedauert Strauch, der das Auto schon 13 Jahre besitzt. Er will das dieses Jahr nochmal angehen.

Michael Dieck aus Eberswalde hat 200 bis 300 Stunden Arbeit in seinen Pickup Dodge B3 aus dem Jahr 1952 gesteckt. Und es wird nicht dabei bleiben.
Antje Schroeder200 bis 300 Stunden Arbeit für den alten Dodge
Viel Arbeit hat auch Michael Dieck aus Eberswalde in seinen Pickup Dodge B3 aus dem Jahr 1952 gesteckt. Er habe alles selbst gemacht, sagt Dieck. Hauptberuflich schraubt er als Techniker bei Märkisch Edel an Backöfen herum, nach Feierabend widmet er sich dem Dodge. Für die Rennen ist der Pickup zu langsam, dafür glänzt er umso schöner im Sonnenlicht.
Rennen, Rockabilly und Lack: Programm noch bis Samstagabend
- Die Rennen auf dem Gelände des Luftfahrtmuseums Finowfurt an der Museumsstraße 1 gehen am Samstag, dem 29.6.24, ab 13 Uhr noch bis in den frühen Abend. Danach ist Konzert und Party bis in die Nacht. Unter anderem spielen am Samstag The Kilaueas, Bonsai Kitten und The Seatsniffers.
- Die Sieger der Rennen in sieben Kategorien werden um 22:30 Uhr auf der Hauptbühne gekürt.
- An dem Rennen nehmen Fahrzeuge bis Baujahr 1976 teil. Etwa die so genannten „Hot Rods“ – umgebaute, meist Vorkriegsautos wie das Ford Modell T, deren Originalmotoren durch leistungsstarke Aggregate ersetzt wurden.
- Als „Muscle Cars“ bezeichnet man aufgemotzte 60er- und 70er-Jahre-Schlitten. Auch Motorräder, Custom und Classic Cars sind in Finowfurt vertreten. Ein Dragster fährt außer Konkurrenz.
- Die Rennen finden auf dem Gelände des Luftfahrtmuseums beim Flugplatz Eberswalde-Finow statt. Nur 1/8 Meile, rund 200 Meter haben die Oldtimer-Boliden, um maximal aufzudrehen und dann gleich wieder abzubremsen.
Bisher 200 bis 300 Stunden hat Dieck bisher damit zugebracht, den Pickup herzurichten. Er habe beispielsweise die ganze Karosserie aufgearbeitet. Im Herbst werde er dann noch den Motor rausnehmen. Viel Zeit geht außerdem auch dafür drauf, die Teile auf der ganzen Welt zusammenzusuchen.

Eine stilisierte Frau schmückt den Kühler des Dodge B3.
Antje SchroederEs gebe dafür ganze Communities in Amerika, berichtet Dieck. Neben dem Pickup besitzt er auch noch einen Dodge Van und mehrere Motorräder. Doch wofür diese ganze Mühe? Er finde es schön, zum Erhalt dieser alten Autos beizutragen, sagt Dieck.
Die Flosse des Cadillacs ist 1,25 Meter hoch
Die Leidenschaft treibt auch Chris Nocinski aus Berlin-Britz, der mit einem Cadillac Coupé de Ville aus dem Jahr 1959 nach Finowfurt gekommen ist. Der Cadillac habe die höchste Flosse, die jemals von dem Hersteller gebaut worden sei, sagt Nocinski – 1,25 Meter über dem Boden. Nocinski zählt mittlerweile 12 solcher Schlitten sein Eigentum. Er fährt auch regelmäßig zu Oldtimertreffen, etwa nächste Woche zum Flugplatz Bienenfarm bei Paulinenaue.

Achtung spitze Flosse. Chris Nocinski mit seinem Cadillac aus dem Jahr 1959. Die Flosse wurde danach nie wieder so hoch gebaut.
Antje SchroederAndere würden ihr Geld in die Spielhalle bringen, scherzt Nocinski, nach eigenen Angaben Privatier. Solch ein Auto sei aber auch eine Geldanlage. Seinen Cadillac, der eine sechs Meter lange Garage braucht, und der in der Stadt 25 Liter auf 100 Kilometer schluckt, hat er vor neun Jahren aus Privatbesitz gekauft. Mittlerweile habe sich der Preis auf 50.000 bis 55.000 Euro verdoppelt, schätzt Nocinski. Frisch vom Werk kostete das Fahrzeug damals in den 50er-Jahren 5500 Dollar.
Zum Rennen fährt Nocinski mit seinem Prachtstück nicht. Anders Jan Strauch mit seinem Ford Model A. Allerdings ist das Rennen schon gleich beim Start beendet. Getriebeschaden. Mechaniker Sascha Pfaffe vermutet, dass die neuen Reifen einfach zu viel Griff hatten – und sich nicht durchdrehten wie bei vielen der spektakulären Rennboliden.
Veranstalter Andreas Butzke schätzt, dass 600 bis 800 Fahrzeuge zu dem Spektakel gekommen sind. 185 davon waren zu den Rennen angemeldet, es gab 329 Starts – also alle 1,5 bis zwei Minuten. Er sei sehr zufrieden mit dem Publikum, alle seien entspannt gewesen und es habe keinen Stress gegeben, so Butzke am Sonntag. Daneben verzeichnet das Festival einen neuen Bahnrekord: Ein Chevrolet Nomad schaffte die Achtelmeile in 5,395 Sekunden.

