Ruhestand: Lehrkraft am Eberswalder OSZ ist beinahe unentbehrlich
Sich dumm stellen schafft Freizeit – sagt man. Das trifft auf Karl-Heinz Plattig nun ganz sicher nicht zu. Im Gegenteil, durch sein Engagement macht sich der Berufsschullehrer für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, der gleichzeitig im Gesellenprüfungsausschuss der Kreishandwerkerschaft sitzt, beinahe unentbehrlich. Eigentlich gab Plattig, der gerade seinen 67. Geburtstag gefeiert hat, nämlich schon im vergangenen Jahr seinen Abschied als Fachlehrer, nun wurde er reaktiviert – mindestens für sechs Wochen. Und ob er im Prüfungsausschuss tatsächlich im Januar seinen letzten Auftritt hat, steht auch noch nicht so richtig fest.
Lehrer seit 1976
„Ich habe meine Arbeit immer sehr gerne gemacht“, schildert Plattig, der ab 1976 als Lehrer arbeitete und seit 1992 im Prüfungsausschuss für Metallbau der Kreishandwerkerschaft sitzt. Hunderte Azubis bildete er in dieser Zeit als Lehrer am Oberstufenzentrum in Eberswalde aus und nahm ihnen als Mitglied des Prüfungsausschusses die Gesellenprüfung ab. Als Lehrer wurde er am 1. August 2018 bereits verabschiedet – eigentlich. Und Plattig genoss den Ruhestand, widmete sich seinen Enkeln und unternahm viele Reisen mit seiner Frau, wie er erzählt.
Er gehöre nicht zu den Leuten, die sich im Ruhestand langweilen und auch seiner Frau sei er nicht auf den Wecker gefallen. Der Fachlehrermangel sei jedoch Grund dafür, dass seine ehemalige Schule anfragte, ob er nicht eine Auszeit vom Ruhestand nehmen wolle. Und hilfsbereit, wie Karl-Heinz Plattig nun mal ist, sagte er Ja.
„Ich habe mich immer wieder fortgebildet, sodass ich in den Fächern, in denen ich unterrichtet habe, immer noch auf dem aktuellen Stand bin“, erläutert der Lehrer. Dazu komme seine Erfahrung aus mehr als vier Jahrzehnten, fügt Gabriele Glänzel-Greulich von der Kreishandwerkskammer Barnim hinzu. Genau deswegen sei er tatsächlich beinahe unentbehrlich.
Die Schule habe auch schon angefragt, ob er sich ein Engagement über die sechs Wochen hinaus vorstellen könnte, erzählt Plattig. Er würde eigentlich gerne Nein sagen, will seine alte Schule aber nicht hängenlassen, erzählt der Lehrer aus Leidenschaft. „Genau das zeichnet Herrn Plattig aus“, so Gabriele Glänzel-Greulich.
Dabei wäre es für sie vielleicht sogar ein Segen, wenn der gelernte Gas-Wasser-Installateur und studierte Ingenieurpädagoge noch für eine Weile im Schuldienst bliebe, gibt Glänzel-Greulich mit einem Schmunzeln und etwas schlechtem Gewissen zu. Nur dann könnte er nämlich auch noch über den Januar 2020 hinaus im Prüfungsausschuss verbleiben. Und das wäre für die Kreishandwerkerschaft ein Segen, denn auch dort fehlt es an Prüfernachwuchs.
Schützling als Nachfolger
Plattig hat Generationen von Handwerkern ausgebildet, mit einigen davon saß er später sogar zusammen im Prüfungsausschuss. Am Oberstufenzentrum soll ebenfalls einer seiner ehemaligen Schützlinge sein Nachfolger als Berufsschullehrer werden – darauf hofft Karl-Heinz Plattig. Dann könnte er in der bevorstehenden Adventszeit mit seiner Frau ganz entspannt auf Weihnachtsmärkten bummeln gehen. Nürnberg und Dresden stehen auf dem Plan – wenn der Unruheständler wider Willen dann doch das Rentnerdasein genießen darf.